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Da blitzt der Boden noch: Ein Blick in einen damals neuen Integral der BOB, der 2004 in Betrieb ging.

Neue Bewertung

Oberlandbahn schneidet mies ab

Holzkirchen – Die Bayerische Oberlandbahn ist bei Kunden recht beliebt – doch in einer Rangliste der Eisenbahngesellschaft schneidet sie schlecht ab. Bei der BOB wird gerätselt.

Irritierende Nachrichten erreichten Heino Seeger, Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn, am Montag im Urlaub: Die BOB, Veolia-Tochter mit Sitz in Holzkirchen, schneidet beim aktuellen Qualitätsranking der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) mau ab: 15 Plätze gibt es in der Rangliste – die Oberlandbahn ist vom 9. auf den 14. gerutscht. Vorletzter! Wie kommt’s? Seeger ist verwundert: „Ich kann keine plausible Erklärung geben“, sagt er. Zumal die Bayerische Regiobahn (BRB), die „unter dem selben Management steht wie die BOB“, von Platz vier auf Platz zwei vorgeprescht ist.

In einem aufwändigen Verfahren bewertet die staatliche BEG die verschiedenen Regionalnetze, je nach Größe ein oder wie BOB und BRB zwei Jahre lang. Nach Angaben des BEG-Sprechers Wolfgang Oeser gibt es drei Prüfbereiche. In 200 sogenannten offenen Tests gehen Kontrolleure, die die BEG beauftragt hat, in den Zug. Sie schauen nach, ob genügend Klopapier vorhanden ist, wie viel Müll rumliegt, ob Kaugummis auf den Sitzen kleben. In ebenso vielen verdeckten Tests werden die Zugbegleiter ohne ihr Wissen abgeklopft: Geben sie patente Antworten? Bleiben sie freundlich? Den dritten Teil machen 1000 Kundenbefragungen aus: Dabei geht es um Sauberkeit, Fahrgastinformationen im Regel- und Störfall oder um die Kompetenz der Schaffner. Aus den drei Bereichen errechnet sich ein Punktewert – liegt der bei Null, sind die Qualitätsansprüche der BEG gerade so erfüllt. Der Spitzenreiter agilis-Nord, erstmals im Ranking erfasst, hat 91,34 Punkte, es folgt die Regiobahn mit 53,97. Die Oberlandbahn liegt mit 67,46 Punkten im Minus. Schlechter hat nur noch Kahlgrundbahn im nordwestlichen Unterfranken abgeschnitten.

Bei der BOB wurde laut BEG die Sauberkeit innen und außen, verkratzte Fenster und volle Mülleimer bemängelt. „Freilich gibt es mal Schmutz“, sagt Seeger. Aber er weist darauf hin, dass die BOB durch den Einzugsbereich München deutlich mehr Passagiere befördert als andere Betriebe. In einem Zug voller Ausflügler bleibe eben viel Abfall zurück. Dazu komme Vandalismus, vor allem in den Schülerzügen. Zudem seien die Züge einfach älter als die des Spitzenreiters agilis-Nord oder der Bayerischen Regiobahn. Im Lauf der Jahre schmirgeln Reinigungsmittel die Böden stumpf, Polster wetzen sich ab, der Außenlack glänzt nicht mehr so schön. Dennoch unternehme man vieles, um die Fahrzeuge attraktiv zu halten. Die Züge, die ständig unterwegs sind, stehen über Nacht in Lenggries und werden täglich gereinigt. Zusätzlich steigt Putzpersonal während des Betriebs in München ein und macht zwischendrin sauber: „Aber zu Spitzenzeiten ist das auch nur beschränkt möglich“, sagt Seeger. Dass die BRB so deutlich besser abgeschnitten hat, liege sicher an der neuen Waschanlage in Augsburg: „Das merkt man deutlich“, sagte er. Für die Züge der BOB, die in Lenggries parken, plant das Unternehmen ebenfalls einen Neubau – aber erst, wenn die BEG der BOB den Zuschlag für die neue Ausschreibung erteilt, „vorher investieren wir nicht“, so Seeger.

Bei dem Ranking geht es nicht nur um Prestige: Ein Minus bedeutet Strafzahlungen, ein Plus Boni. Von diesem System ist die BOB ausgeschlossen, weil die letzte Ausschreibung eine Teilnahme am Ranking noch nicht enthielt – sie macht freiwillig mit. Sollte die BOB den Zuschlag im Herbst bekommen, und danach sieht es mangels alternativer Bewerber aus, muss das Unternehmen für schlechtes Abschneiden zahlen.

Von Carina Lechner

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