Ortstermin am Unglücksort: Eine FDP-Delegation mit der Kreisvorsitzenden Ursula Lex und ihrem Stellvertreter Daniel Sorcik (l.) machte sich jetzt ein Bild von dem Bahnübergang zwischen Warngau und Piesenkam. Mit dabei war der Bamberger Bundestags-Abgeordnete Sebastian Körber (r.), der auch im Verkehrsausschuss des Bundestags sitzt. Foto: Andreas Leder

Gemeinde kämpft um Schranken

Warngau - Zwei Bahnübergänge, drei Tote: Dieser Blutzoll innerhalb von zwei Jahren lässt Warngaus Bürgermeister Klaus Thurnhuber nicht ruhen. Ihn ärgert die passive Haltung der DB Netz.

Es war Dampf im Kessel, als Bürgermeister Klaus Thurnhuber in der jüngsten Gemeinderats-Sitzung auf das tragische Unglück vom Ostermontag (wir berichteten) zu sprechen kam. Nur mit Mühe wahrte er die diplomatische Beherrschung angesichts der Reaktion der für die Bahnübergänge zuständigen DB Netz AG. Deren Sprecher hatte das Unglück zwar bedauert, aber daraus keinen Handlungsbedarf abgeleitet. Die Blinklicht-Warnung für den Übergang an der Straße nach Piesenkam sei „angemessen“.

Bereits 2012 hatte die DB Netz der Gemeinde vorgeschlagen, die beiden kleinen „Schleichweg“-Übergänge am Sportplatz und bei Lochham komplett zu schließen. Dann sehe man ja, wie sich das auf die Übergänge in Richtung Piesenkam und bei Thann auswirke. Eine Einstellung, die Thurnhuber fassungslos macht. „Die würden die ungefährlichen Übergänge schließen und die Frequenz an den gefährlichen erhöhen - da verstehe ich die Welt nicht mehr.“ Einen Ortstermin im September 2012 - unter dem Eindruck des Unfalls mit zwei Toten bei Thann 2011 - habe die DB Netz einfach sausen lassen. „Schon erstaunlich“, sagte Thurnhuber, „wir bemühen uns nach Kräften, und die tun so, als ob alles in Ordnung wäre.“

Aber was kann man tun? Thurnhuber hat die Königslösung im Auge. „Halbschranken an beiden Übergängen würden die Sicherheit wesentlich erhöhen.“ Das koste je Übergang rund 600 000 Euro, die Gemeinde müsste ein Drittel davon übernehmen. Viel Geld für Warngau, „aber das sollte uns die Sicherheit dort wert sein“, betonte Thurnhuber im Gemeinderat. Ob die DB mitspielt, hängt allerdings auch an den Querungszahlen. Laut einer Zählung im Herbst 2011 querten den Thanner Übergang an einem Tag 139 Fahrzeuge, in Richtung Piesenkam waren es 125. Würden die kleinen Übergänge geschlossen, könnte die Frequenz steigen - und damit die Bereitschaft der DB Netz, sich an Halbschranken zu beteiligen.

Um die Übergänge auch ohne Schranken sicherer zu machen, will der Warngauer Bürgermeister nichts unversucht lassen. Auf der Straße nach Piesenkam habe man bereits eine Tempobeschränkung eingerichtet, sagte Thurnhuber. „Und wir lassen die Sichtfenster regelmäßig freischneiden.“ Geprüft werde gerade, ob sich die Blinklichter aufrüsten lassen, „damit das Warnsignal dominanter wirkt und nicht mehr geblendet werden kann“.

Unterstützung könnte die Gemeinde von der Kreis-FDP bekommen. Eine Delegation machte sich bei einem Ortstermin ein Bild von der Situation. Mit dabei war der junge Bamberger Bundestags-Abgeordnete Sebastian Körber, der in Berlin auch Mitglied des Verkehrsausschusses ist. „Er will nachfragen, warum in dieser Sache nichts passiert“, sagt FDP-Kreisvorsitzende Ursula Lex, „auch wir fordern dort eine Beschrankung.“ (avh)

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