Spiel, Spaß und Betreuung: Kindertagespfleger wie Regina Bülbül sollen gefördert werden. Sie betreut drei Kinder in Miesbach. Dort muss der Stadtrat über die Förderung der Kindertagespflege noch entscheiden. Foto: Thomas Plettenberg

Finanzierung von Tagespflege in Gefahr

Landkreis - Schliersee will für die Kindertagespflege nicht mehr Geld ausgeben als bisher. Damit droht ein zwischen Landkreis und Bürgermeistern ausgehandeltes Modell zu platzen. Das könnte Auswirkungen auf die Höhe der Kreisumlage haben.

Sieben Entscheidungen stehen noch aus. Neun der 17 Landkreis-Kommunen sind bislang bereit, die Kindertagespflege noch stärker als bisher aus ihrem Säckel zu unterstützen. Der Markt Schliersee aber wird das nicht tun. Der Gemeinderat hat einstimmig beschlossen, für die Kindertagespflege nicht mehr Geld als bisher zu bezahlen. Dadurch ist das angestrebte Modell des Landkreises voraussichtlich nicht umzusetzen.

Das Landratsamt als Träger der Kindertagespflege plant, ab dem 1. April seinen Anteil am Stundensatz von derzeit 2,56 Euro auf 5 Euro zu erhöhen. Damit soll die Tagespflege für die Eltern deutlich günstiger werden. Denn ihre Zuzahlung an die Tagespfleger entfällt. Weiterer Grund für den Schritt: Private Zuzahlungen könnten wiederum dazu führen, dass staatliche Fördermittel in der Tagespflege verloren gehen. Und dadurch müssten der Landkreis und die Kommunen die gesamten Kosten tragen.

Das neue Konzept sieht daher eine Zuzahlung von zwei Euro je Tagespflegestunde durch die Wohnsitzgemeinde vor. Für ein Kind, das 20 Stunden pro Woche betreut wird, wären das etwa 1800 Euro im Jahr. „Die kommunale Förderung ist abhängig von der Kinderzahl“, erklärt Stefan Rögner, Teamleiter Kindergarten und Kindertagespflege am Landratsamt. Die Behörde würde die Abrechnung der Pflegeförderung übernehmen. Nach aktuellem Stand besuchen 71 Kinder im Kreis Miesbach einen Tagespfleger. In Holzkirchen sind es mit 26 die meisten. Auf Rang zwei folgt Schliersee, wo sich zwei pädagogisch ausgebildete Pflegerinnen aus Neuhaus um jeweils sechs Kinder kümmern. Dafür zahlt Schliersee schon heute zwischen 12 000 und 13 000 Euro pro Jahr an das Landratsamt. Bei einer Zuzahlung von zwei Euro pro Pflegestunde kämen auf die Kommune etwa 18 000 Euro zusätzlich zu.

„Wir haben sowieso schon einen sehr angespannten Haushalt“, sagte Schliersees Zweite Bürgermeisterin Johanna Wunderle (CSU), die am Dienstagabend die Sitzung leitete. Aus ihrer Sicht ist der Landkreis als Träger der Kindertagespflege für die Zuzahlung verantwortlich. Das Problem: Schliersee hat kein Geld, der Landkreis auch nicht. „Die Kindertagespflege ist eine gute Sache“, sagte Gerhard Weitl (SPD). „Aber es ist erst vor zwei Jahren die Kreisumlage erhöht worden.“

Anfang Dezember war angekündigt worden, dass ohne die Zuzahlung jeder Landkreis-Gemeinde die Kosten für die Tagespflege über die Kreisumlage erhoben werden müssten. Die Schlussfolgerung: Schießt eine Kommune quer, werden alle 17 im gleichen Umfang beteiligt - egal ob sie die Tagespflege intensiv nutzen oder gar nicht.

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