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Die Anzeige, die für mächtig Wirbel sorgte.

Tierschützer laufen Sturm

Aufregung um diese Anzeige: Katzenfelle zu verkaufen

Fischbachau - Für große Aufregung hat am Donnerstag eine Kleinanzeige in der Fundgrube der Heimatzeitung gesorgt. „Vier Katzenfelle zu verkaufen“ hieß es da, darüber das Bild eines an die Wand genagelten Katzenfells.

Schon früh morgens gingen in der Redaktion aufgeregte Anrufe von Tierschützern ein, auch im Tierheim Rottach-Egern glühten die Leitungen.

„Das ist geschmacklos“, schimpft Tierheimleiter Markus Glanz. Der 46-Jährige verständigte gleich die Polizei. Nach der Begutachtung der Felle vor Ort erklärte Heiner Leidgschwender, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Miesbach: „Es ist alles legal, das sind zehn Jahre alte Erbstücke.“ Ein strafrechtlicher Tatbestand wäre nur erfüllt, wenn ein Tier wegen eines Fells getötet worden wäre. Dies sei hier nicht der Fall. „Die Sache ist erledigt.“

Tierheimleiter Glanz sieht das anders. „Ich finde diese Aussage der Polizei unangebracht.“ Schließlich könnten die Beamten ja nicht wissen, woher die Katzenfelle stammen. „Da steht Aussage gegen Aussage.“ Glanz fordert daher: „Das Fell muss auf sein tatsächliches Alter geprüft werden.“ Das Tierheim werde in dieser Angelegenheit „weiter recherchieren“.

Dass er mit der Anzeige so einen Trubel auslösen würde, war dem Anbieter aus der Gemeinde Fischbachau nicht bewusst. „Ich wollte nichts Unrechtes machen“, stellt der 65-jährige Rentner klar. „Ich hab’ mir nix dabei gedacht.“ Die Felle stammten von seiner Mutter, die vor etwa einem Jahr starb. Nach und nach räumt der Mann nun deren Wohnung aus. Da er nicht wusste, wohin mit den Fellen, schaltete er eine Anzeige. „Die Katzenfelle hingen bei der Mama immer an der Wand“, erzählt er. Woher sie stammen, konnte ihm seine Mutter auch nie sagen.

Einen Vorwurf weist der 65-Jährige aber strikt von sich: „Ich kann kein Tier umbringen“, sagt er bestimmt. „Ich bin mit Tieren aufgewachsen, meine Mama hat immer Tiere gehabt, und ich habe selber eine Katze, mit der ich regelmäßig zum Tierarzt gehe.“ Vor zehn Jahren fand seine Tochter das ausgesetzte, völlig verwahrloste Tier. Dass er es bei sich aufnahm, war klar. Seitdem lebt Aischa bei ihm. „Die Katze war anfangs ganz verstört und hat monatelang nicht geschlafen.“ Heute geht es Aischa gut.

Noch immer trauere er seinem Hund nach, der ihm in der Silvesternacht 2000 gestohlen wurde. „Der hatte so ein schönes weißes Fell, wie ein Eisbär“, erinnert sich der 65-Jährige. Er telefonierte wochenlang Tierärzte ab, schaltete Suchanzeigen. Der Hund blieb verschwunden.

Den Protest der Tierschützer kann der Rentner daher nachvollziehen. „Ich bin selber ein großer Tierfreund“, sagt er. Noch am Donnerstag entsorgte er die Katzenfelle. „Ich will niemanden erzürnen.“

jpa

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