Petition der Mangfall-Allianz

Miesbach - Es ist ein Thema, das die Geister scheidet: Die Emmer GbR will ihr Wasserkraftwerk in Müller am Baum modernisieren. Deshalb schlägt die Mangfall-Allianz Alarm. Sie hat eine Petition im Landtag eingereicht.

In der Petition fordern die rund 16 Verbände und Vereine aus Miesbach und Umgebung den Freistaat auf, die Situation am Mangfall-Wasserkraftwerk bei Müller am Baum zu überdenken. Sonst drohe das gesamte Ökosystem instabil zu werden. Sie verlangen, dass die Durchgängigkeit für Fische sowie eine Restwassermenge von neun Kubikmetern pro Sekunde gewährleistet sind. Derzeit liegt sie dort zwischen fünf und acht Kubikmetern pro Sekunde.

Der Hintergrund: Es geht um ein Wasserkraftwerk bei Müller am Baum, das die Emmer GbR mit Sitz in Garmisch-Partenkirchen betreibt. Dieses besteht aus zwei Anlagen, die von einem Werkskanal bedient werden. Dieser entsteht durch eine Ausleitung der Mangfall kurz vor der ersten Anlage im Süden. Der Betreiber Andreas Emmer will das Kraftwerk nun modernisieren, um den Wirkungsgrad zu erhöhen, erklärt Andreas Holderer, Baudirektor im Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. „Dafür braucht er eine neue wasserrechtliche Genehmigung, die das Landratsamt Miesbach erteilt.“ In dem Anhörungsverfahren gab auch das Wasserwirtschaftsamt eine Stellungnahme ab. Prinzipiell seien ökologische Kriterien strenger als vor einigen Jahren. Um trotzdem im Einklang mit der Natur zu stehen, wolle Emmer im Bereich des Kanals Vorrichtungen schaffen, die Durchlässigkeit garantieren. „Wir halten seinen Vorschlag für vertretbar“, so Holderer. Ökologische und wirtschaftliche Interessen seien in dem Kompromiss gut aufgefangen. „Der Kraftwerk-Ausbau macht Sinn, denn die Energiewende ist in aller Munde.“

Die Mangfall-Allianz fordert stattdessen Durchgängigkeits-Installationen in der Hauptmangfall und ein Konzept für den gesamten Fluss, für den der Freistaat zuständig ist. Dies hätte laut Holderer negative Auswirkungen für den Kraftwerksbetreiber: Denn dann müsste eine größere Restwassermenge im Hauptstrang bleiben. Folglich könnte Emmer nur weniger Wasser für den Werkskanal entnehmen, was den Betrieb beeinträchtige.

Emmer selbst spricht bei den aktuellen Plänen von einem „vernünftigen Kompromiss“. „Aus meiner Sicht ist die Restwassermenge in der Mangfall ausreichend. Wir arbeiten mit den Behörden des Freistaats zusammen.“ Holderer bestätigt, dass der Freistaat langfristig an einem Gesamtkonzept schraubt. Im Rahmen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie habe Bayern eine Prioritätenliste erstellt, nach der Gewässer ökologisch aufgerüstet werden. Die Mangfall erhielt dabei eine „mittlere Priorität“.

Genau das stört die Mangfall-Allianz. „Wenn schon ein Verfahren läuft, wollen wir die Chance jetzt nutzen“, sagt Sprecherin Lotte Pichler. „Ansonsten sind die Pläne 30 Jahre festgezurrt“, fürchtet sie. Gerade der Mangfall-Altarm, der vom Werkskanal abzweigt, biete Lebensraum für Biber und geschützte Libellenarten.

Das Anhörungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen, die Petitionsunterlagen liegen derzeit zur Überprüfung im Umweltministerium.

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