Pilotprojekt: Städter helfen Bauern

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    • 14.10.11
    • Miesbach
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Pilotprojekt: Städter helfen Bauern

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Fischbachau - Er kämpft gegen Fast Food und für den selbst gemachten Käse. Deshalb hat Werner Haase aus Fischbachau bei dem Pilotprojekt Genussgemeinschaft Städter und Bauern mitgemacht. Und es hat sich gelohnt.

Dingdong: Bauer Werner Haase und seine Frau Martina vor ihrem Haus in Fischbachau, wo sich der alte Hofladen befand. Ihre Kunden mussten an der Käseglocke klingeln. Jetzt haben sie ein neues Geschäft samt Käserei eröffnet. foto: al

Dingdong: Bauer Werner Haase und seine Frau Martina vor ihrem Haus in Fischbachau, wo sich der alte Hofladen befand. Ihre Kunden mussten an der Käseglocke klingeln. Jetzt haben sie ein neues Geschäft samt Käserei eröffnet. foto: al

Werner Haase ist ein Bremser. Er bremst für die Zukunft. Er ist ein Mann, mit spitzem Schnauzer und buschigen Augenbrauen, der die Welt, die sich immer schneller dreht, anhalten will. „Die Menschen haben keine Bodenhaftung mehr“, sagt er.

Er steht in seinem Hofladen, in der Theke liegen Gouda, Butter, Griebenschmalz. Draußen meckern ein paar Ziegen. „Die Städter sehnen sich nach dem Regionalem.“ Das finden sie auf seinem Bauernhof in Fischbachau.

Denn Haase und seine Frau Martina haben an dem Projekt Genussgemeinschaft Städter und Bauern teilgenommen, das der Münchner Verein Slow Food initiiert hat. Ihr Leitzachtaler Ziegenhof war das Pilotprojekt und startete im Sommer 2010. Und das funktioniert so: Ein Städter investiert in einen Bauernhof und legt das Geld für fünf Jahre an. Dafür bekommt er im Jahr fünf Prozent Zinsen. Diese kriegt er in Waren aus dem Hofladen ausbezahlt. Ist die Laufzeit zuende, gibt der Bauer ihm den Einsatz zurück. Auf diese Weise haben sich die Haases ihren neuen Hofladen samt Käserei finanziert. Beides haben sie nun eingeweiht.

Früher war der Hofladen in ihrem Bauernhaus mit den grünen Holzfenstern untergebracht. Wollten die Kunden Milch kaufen, mussten sie erstmal kräftig an der Käseglocke ziehen - ein Bild wie aus einem Heimatfilm. Trotzdem: Das Paar wollte sich vergrößern und eine richtige Käserei aufbauen. Aber die verschärften Bestimmungen der EU-Hygieneverordnung trieben den Preis in die Höhe. 80 000 Euro fehlte ihnen damals für den Ausbau. Insgesamt kostete der Umbau 110 000 Euro. „Das wäre zu teuer gewesen“, erinnert sich Haase. Hätte er sich das Geld von der Bank geliehen, wäre ein Zinseszins angefallen. Den hat er sich nun gespart. Rund 70 Städter haben in den Hof investiert. Das erforderliche Geld kam zusammen. „Es war ein voller Erfolg.“ Auch in Zukunft ist eine Investition möglich, allerdings für nur 3,5 Prozent.

Der Slow Food Verein ist eine Gegenbewegung zu Fast Food. Die Mitglieder kämpfen gegen die Gleichmacherei des Essens und für den regionalen Geschmack sowie eine autarke Lebensmittelversorgung. So erzählt es Johannes Bucej (48) der das aktuelle Projekt miterfunden hat. „Die Kinder sollen wieder lernen, dass Karotten nicht auf Bäumen wachsen“, sagt er. „Die Erwachsenen sich bewusst machen, welche Arbeit hinter der Nahrung steckt.“ Die Städter können den Hof besuchen, dem Bauern beim Melken zuschauen, den Kälbern den Kopf tätscheln. Auch Haases Stalltüren stehen offen. Seine Städter kaufen im Laden ein, schlafen in der Ferienwohnung oder bekommen eine Brotzeit auf seiner Alm am Breitenstein. So können sie ihre Zinsen einlösen. Auswärtigen schickt er die Waren per Post.

Früher hieß das Projekt übrigens Städter werden Bauern. Das sorgte für Verwirrung: Die Leute dachten, dass sie dann selbst den Stall ausmisten oder Traktor fahren. Das übernimmt Bauer Haase lieber selbst.

Von Marlene Kadach

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