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Snowboard-Weltcup/Sudelfeld: Amelie Kober gewinnt

Snowboard-Weltcup: Amelie macht alle glücklich

Sudelfeld - Heimsieg für Snowboarderin Amelie Kober: Die Lokalmatadorin hat beim Weltcup am Sudelfeld souverän gesiegt - und das erstmals als Mama.

Kurz bevor die Spannung ihren Höhepunkt erreichte, wurde der kleine Glücksbringer unruhig, es reichte Lorenz Kober jetzt. „Ihm wird gerade langweilig“, meldete Sieglinde Kober, Mutter von Snowboarderin Amelie Kober und Oma der jüngsten Attraktion im familiären Weltcup-Zirkus.

Derweil sich die Mama von Kober jr. im Starthäuschen auf ihr Finale gegen die Österreicherin Marion Kreiner einstimmte, versuchte Oma Sieglinde, den 16 Monate alten Lorenz bei Laune zu halten. Bis dahin hatte der kleine Knopf alles gegeben: Läuferinnen abgeklatscht, lustig mit den riesigen neongelben Ohrenschützern gewackelt – und der Mama vor jeder Runde ein Küsschen gegeben.

Da sind am Schluss einige Bussis zusammengekommen, denn wie vor zwei Jahren, damals noch vor ihrer Schwangerschaft, war Amelie Kober eine Klasse für sich bei ihrem Heimrennen am Sudelfeld. Nach einem Faststurz in der Qualifikation zog die 24-Jährige als Achte in die K.o.-Runde ein, steigerte sich dort aber von Lauf zu Lauf – gipfelnd im souveränen Finalerfolg gegen Marion Kreiner, den sie mit einem Tänzchen im Schnee feierte. „Das war spontan“, beteuerte Kober, „ich war einfach glücklich. Der Tag hatte sehr holprig begonnen, daher freut’s mich umso mehr, dass er sich noch zum Guten gewendet hat.“

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Glücksbringer Lorenz, auf den es im Finale nicht mehr ankam, war inzwischen in der Obhut von Opa Hans. Die Mama hatte eh keine Zeit. Die fabelhafte Siegerin wurde von Interview zu Interview geschoben, der Weg durch die mit Deutschland-Fähnchen winkenden Fans wurde zum Triumphzug. Vom Bürgermeister bis zum Liftbetreiber – das ganze Tal war stolz auf die „schnellste Mutter auf dem Snowboard“, wie sie in der ARD-Übertragung getauft wurde. Diese Titulierung wird man jetzt wohl öfter hören, sie taugt zum Zwillingsbegriff wie der Zusatz „Olympiazweite von 2006“. Der Kober-Dance dagegen wird kein Erkennungsmerkmal, wie sie glaubhaft versicherte.

Aber: Irgendwie muss die Freude ja raus. Schließlich überrascht es sie selbst, ein Jahr und vier Monate nach Verlassen des Kreißsaals schon wieder Stammgast auf dem Podium zu sein. Ganz unerwartet kommt ihr furioses Comeback jedoch nicht, wie die Ergebnisse der letzten drei Parallelriesenslaloms zeigen: Beim Überseerennen in Telluride war sie Dritte, im italienischen Carezza Zweite – jetzt ist sie als Siegfahrerin zurück, die nervenstarke Carverin aus Fischbachau.

Natürlich sei der „erste Sieg, seit ich Mama bin, was Besonderes“, erklärte sie. „Es hat total Spaß gemacht. Anfangs war ich sehr nervös, aber die Leute haben mich immer wieder angepeitscht.“ Lorenz eingeschlossen. Wenn Kober jr. mal größer ist, wird er seinen Freunden erzählen können, dass seine Mama nicht nur eine sehr rasante Snowboarderin ist, sondern auch eine heimatverbundene. „Den Hang kenne ich, seit ich drei oder vier bin“, verriet sie ihren Standortvorteil. „Es ist super hier. Zu Hause ist es einfach am schönsten.“

So hat Amelie Kober an einem einzigen Samstag viele Menschen glücklich gemacht. Ihre Fans. Den Snowboardverband (erstes Topresultat des Winters). Den Tourismusverband (wegen der Gratiswerbung). Eltern und Sohn sowieso. Auch verbandsintern fungiert sie immer mehr als Mutter der Kompanie. Der viertplatzierten Selina Jörg spendierte sie ein motivierendes Lob („Super gefahren“). Für Isabella Laböck, die Neunte wurde, gab’s eine Umarmung. Beide Teamgefährtinnen waren übrigens an Jekaterina Tudegeschewa gescheitert, die Kober im Halbfinale locker bezwungen hat.

Der kleine Lorenz kann stolz sein auf seine Mama. Auch wenn er vermutlich nichts dagegen hätte, wenn sie an so kalten Tagen etwas früher ausscheiden würde.

Uli Kellner

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