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An diesem Bootshaus soll der Steg gebaut werden.

Klage abgewiesen

Gericht entscheidet für den Millionen-Steg

Tegernsee - Wieder hat ein Gericht pro Seeufersteg entschieden: In zweiter Instanz schmetterte der Verwaltungsgerichtshof die Klage eines Bootshaus-Besitzers ab. Der Bau soll im Frühjahr beginnen. Kosten: eine Million Euro.

Das 1906 errichtete Bootshaus der Familie Reininger soll eine hölzerne Klammer bekommen. Der Steg, den die Stadt Tegernsee vor das historische Gebäude setzen will, beeinträchtige dessen Denkmalwürdigkeit nicht wesentlich, hatte schon das Verwaltungsgericht geurteilt. Die Reiningers wandten sich an die nächste Instanz. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof wies die Berufung in seinem gestrigen Urteil zurück. Wolfgang Reininger hatte schon im Vorfeld erklärt, er werde den Rechtsstreit nicht weiter betreiben.

Es gibt allerdings noch weitere fünf Anlieger, darunter das Herzogliche Brauhaus Tegernsee, die sich wegen der Lärmbelastung und der Einblickmöglichkeiten gegen den Bau des 200 Meter langen Stegs zwischen Länd und Macke-Anlage wehren. Auch ihre Klage wurde in erster Instanz abgewiesen. Aber sie kämpfen weiter um die Zulassung einer Berufung, wie Rechtsanwalt Fabian Gerstner erklärt. Den Gang dieses Verfahrens will Bürgermeister Peter Janssen nicht abwarten. Er wird beim Landratsamt Miesbach seinen – ruhenden – Antrag auf „sofortige Vollziehbarkeit“ der Stegplanung wieder vorantreiben. Genehmigt hat die Behörde das Projekt im Juli 2010. Gleichzeitig laufen Verhandlungen mit dem Freistaat. Ziel ist die Genehmigung eines vorzeitigen Baubeginns. Das ist wichtig, um die Zuschüsse zu sichern. 40 Prozent der Kosten sollen über die staatliche Förderung gedeckt werden. Es gebe bereits mündliche Zusagen, erklärt Janssen.

Wenn beide Genehmigungen vorliegen, wird der Bürgermeister den Stadtrat erneut mit dem Thema befassen. Schließlich sind die Kosten für den Stegbau kräftig in die Höhe geschossen. Kalkuliert hatte die Stadt erst mit 700 000 Euro, nun wird das Projekt eine Million Euro verschlingen. Unter anderem muss der benachbarte Bootshafen umgebaut werden, das Bootshaus bekommt eine hydraulische Klappe, der Alpbach wird überbrückt. Im Stadtrat ist der Bau umstritten. Erst Anfang Dezember stellte Andreas Obermüller (FWG) den Steg erneut in Frage. Fünf Ratskollegen schlossen sich an. Er ermutige die Tegernseer, ein Bürgerbegehren gegen den Steg zu starten, erklärt Obermüller. Er würde dies unterstützen, wie schon 2003. Damals hatte die Bevölkerung per Entscheid den Steg am Rathaus abgelehnt. Nach Ablauf der einjährigen Bindungsfrist wurde er dennoch gebaut.

Janssen will den Steg noch in seiner Amtszeit errichten. „Es gibt noch Hürden, aber sie werden immer kleiner“, erklärt Janssen. Setzt sich der Bürgermeister durch, beginnt der Stegbau im Frühjahr. Bis zur Fertigstellung dürfte ein halbes Jahr vergehen.

Christina Jachert-Maier

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