Seit dem Bau im Jahre 1909 war der Gasthof in Besitz der Familie Knabl. Zuletzt hielten Margit und Alfons Knabl den Betrieb am Laufen, obwohl immer weniger Gäste kamen. Als im Sommer 2011 der angebaute Saal wegen elementarer Mängel beim Brandschutz endgültig schließen musste, gingen die Umsätze weiter zurück. Nicht nur, dass der 70-jährige Wirt im Januar 2012 dann seine Metzgerei aufgab. Zwei Monate später wurde das Insolvenzverfahren gegen Alfons Knabl eröffnet. Bis Juli hielt die Gaststätte noch durch, dann gingen auch hier endgültig die Lichter aus.
Wie sein Vater ist auch Thomas Knabl ein gelernter Metzger. Immer half er fleißig mit im elterlichen Betrieb. Als die Ehe von Inge und Alfons Knabl in die Brüche ging und Ehefrau Nummer zwei in die Rolle der Wirtin schlüpfte, verließ der Sohn das Gasthaus. Thomas, der immer gehofft hatte, eines Tages das elterliche Traditions-Wirtshaus zu übernehmen, musste sich eine neue Existenz aufbauen. Fünf Jahre lang leitete er zunächst mit seiner Mutter die „Alte Schmiede“ in Dürnbach, ehe er den Gasthof „Blauer Bock“ in Waakirchen übernahm. Zusammen mit seiner Mutter kocht er dort seit sechs Jahren für die Waakirchner auf.
Unterdessen ging es mit Alfons Knabl gesundheitlich schwer bergab. Inzwischen lebt er in einem Pflegeheim.
Die Versteigerung bietet für Thomas Knabl nun eine einmalige Chance: Er möchte den Zuschlag für das Wirtshaus und hat auch schon Pläne: Er will das Haus sanieren und wieder eine Metzgerei eröffnen. Auch ein neuer Saal ist geplant. Die Schließung des Knabl-Saals hatte die Waakirchner Vereine nämlich hart getroffen. „Zwei Trachtenvereine können seither keine Theateraufführungen mehr machen“, meint Waakirchens Bürgermeister Sepp Hartl (FWG). Viele Veranstaltungen finden mangels Bürgersaal in der Schul-Turnhalle statt. „Doch das Ambiente ist da nicht wirklich toll“, meint Hartl. Sein Traum wäre, dass der Gasthof einen neuen Besitzer bekommt, der auch den Saal wiedereröffnet. Für den Gemeinderat sei das Knabl-Dilemma schon oft Thema gewesen, sagt der Bürgermeister und verspricht: „Einem neuen Besitzer werden wir keine Hindernisse in den Weg stellen.“ Man müsse sich ganz einfach zusammensetzen.
Die Versteigerung findet am Donnerstag, 21. März, um 9.30 Uhr im Sitzungssaal 1 des Amtsgerichts Wolfratshausen statt. Der Wert der Gaststätte mit Saal, Biergarten, Pension und Anbau für die Metzgerei liegt laut Gutachten bei 920 000 Euro. Der Garagenanbau mit darüberliegenden Wohnungen ist mit 290 000 Euro angesetzt.
Thomas Knabl hofft, dass die Versteigerung für ihn ein gutes Ende nimmt. „In dem Wirtshaus bin ich daheim“, sagt der 39-Jährige, „da weiß man, wo man investiert.“























