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Unter großer Anteilnahme wurde Otto Beisheim beigesetzt.

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Otto Beisheim im kleinen Kreis beerdigt

Rottach-Egern – So hat er es sich gewünscht: In kleinem Kreis, begleitet von seiner Witwe, den Gebirgsschützen Tegernsee sowie beruflichen und privaten Freunden, wurde am Freitag in Rottach-Egern Metro-Gründer Otto Beisheim beerdigt.

Draußen in der Aussegnungshalle halten Tegernseer Gebirgsschützen schweigend die Totenwache für ihren verstorbenen Ehrenoffizier. Die ganze Nacht harrten sie hier aus, bewachten trotz klirrender Kälte den schweren Eichensarg, in den Otto Beisheim in voller Gebirgsschützen-Montur gebettet ist. Drinnen in der barocken katholischen Pfarrkirche St. Laurentius füllen sich langsam die Reihen: Ganz vorne die Witwe Liese Evers. Ein schwarzer Schleier verhüllt ihre Tränen. Sie wird gestützt von Verwandtschaft und begleitet von den beiden Haushältern, die am vergangenen Montagmorgen, nach einem gemeinsamen Frühstück in der Rottacher Villa, den Freitod Beisheims miterleben mussten.

Metro-Aufsichtsratsvorsitzender Franz Markus Haniel sowie Mitgesellschafter und Vorstandsmitglieder der Metro AG erweisen der Unternehmer-Legende die letzte Ehre. Der Miesbacher Landrat Jakob Kreidl, die komplette Tal-Bürgermeister-Riege mit Amtsketten um den wärmenden Lodenmänteln und viele weitere Bürger sind gekommen. Auch die engsten Freunde vom Golfclub Bad Wiessee, denen Beisheim einst die Erweiterung des idyllischen Platzes von 9 auf 18 Loch spendierte. Nachbarn sind da, die Leiterin des Kreuther Kindergartens, den Beisheim ebenfalls bezahlte. Freunde, mit denen er bei den Waldfesten die ein oder andere Maß stemmte, Papst-Vertrauter Thaddäus Kühnel und auch die Bäcker-Besitzerin Hildegard Tremmel, bei der Otto Beisheim morgens persönlich mit seinem Elektroradl seine Semmeln kaufte und mittags zum Essen kam.

"Eine Bescheidenheit, die seine Umgebung manchmal beschämte"

„Er lebte als Privatmannn mit einer Bescheidenheit, die seine Umgebung manchmal beschämte“, formuliert Professor Erich Greipl, Metro-Aufsichtsratsmitglied und persönlicher Vertrauter, als er im Rahmen der ökumenischen Gedenkfeier die wesentlichen Merkmale Otto Beisheims würdigt. Vom Leistungs- und Führungsprinzip sowie von gesellschaftspolitischer Verantwortung sei sei Leben geprägt gewesen. Dass er aus dem Nichts ein weltumspannendes Handelsimperium aufgebaut habe, so Greipl, sei auf sein Streben nach Perfektion und auch auf sein Charisma zurückzuführen. „Seine Grundsehnsucht aber nach Heimat hat er hier am Tegernsee gefunden“, sagt der evangelische Pfarrer Martin Weber. Hier hätten ihm die Menschen so viel gegeben, „dass er es sehr lange ausgehalten hat.“ Gebirgsschützen-Hauptmann Florian Baier, dessen Kompanie Beisheim großzügig förderte, formuliert noch treffender: „Bei uns war er ein Kamerad unter Kameraden und nicht der Große Beisheim.“

Otto Beisheim beerdigt: Bilder

Draußen am Grab, inmitten einem Meer von Kränzen aus meist bunten Rosen (auch von prominenten Unternehmen wie Hurler und Bogner), senken die Gebirgsschützen unter Trommelwirbel die Fahne und schießen einen dreifachen Ehrensalut. Bibi Rehm (Gebrüder Rehm) aus Garmisch-Partenkirchen verabschiedet seinen „lieben Freund Otto“ mit einem Jodler – trotz eisigem Wind, der von der Egerner Bucht zum Friedhof bläst.

Gerti Reichl

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