Neuhaus - Donnerstagmittag im Schlierseer Ortsteil Neuhaus: Ein Haus explodiert. Später finden Einsatzkräfte die Leiche einer Frau – das schreckliche Ende eines Familiendramas, das sich in Ansätzen wohl schon Ende Dezember abgezeichnet hatte.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Die Hauswand an der Nordseite des Gebäudes wurde durch die Wucht der Detonation förmlich weggesprengt. Flammen und Rauch schlugen ins Freie. Besonders prekär: Nur wenige Meter entfernt steht der Außentank für die Gasanlage. Für die Feuerwehr galt erhöhte Alarmstufe. 130 Einsatzkräfte waren vor Ort. Der Gastank wurde mit Löschwasser gekühlt, um eine Explosion zu verhindern.
Was genau die Frau zu dieser Verzweiflungstat getrieben hat, lässt sich nicht sicher rekonstruieren. Im Rückblick zeigt sich jedoch ein aus den Fugen geratenes Leben: Das Ehepaar mit den drei zehn, elf und 15 Jahre alten Kindern plagten massive Geldsorgen. „Die Familie hat sich mit Gelegenheitsjobs und Hartz IV über Wasser gehalten“, berichtet eine Nachbarin. Tanja W.s Versuch, sich eine eigene Existenz mit einem Online-Shop aufzubauen, scheiterte. Ende August, so steht es noch heute auf ihrer Homepage im Internet, sei ein Abwasserrohr im Keller gebrochen und habe ihr gesamtes Sortiment vernichtet. Da sich „die Versicherungen weigerten zu zahlen“, könne sie ihre Firma leider nicht mehr weiterführen.
Ende Dezember dann beschädigte das Ehepaar vorsätzlich die Gasleitung in ihrer Doppelhaushälfte. Laut Kripo sollten mehrere Teelichter, die das Ehepaar auf einen Tisch in der Wohnung gestellt und angezündet hatte, die Explosion auslösen. Um selbst der Gefahr zu entgehen, verließ die Familie am Nachmittag gemeinsam das Haus. Als die Fünf kurz vor Mitternacht zurückkehrten und ein intaktes Haus vorfanden, in dem es lediglich stark nach Gas roch, verständigten die Eltern die Feuerwehr.
Gestern verließ Tanja W. die Psychiatrie. „Da sie freiwillig dort war, konnte sie jederzeit gehen“, erklärte ein Polizeisprecher. Hatte sie da schon den Entschluss zur Selbsttötung gefasst? Oder hat sie der Verlust ihrer Kinder, ihres Jüngsten, die gesamte ausweglos scheinende Situation wieder überrollt?
Dieter Dorby
Rubriklistenbild: © Thomas GaulkeDie Kommentarfunktion ist bei diesem Artikel nicht aktiviert. Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.
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