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Neuhaus, Schliersee: Wohnhaus angezündet

Ehepaar unter Verdacht: Familie hatte Geldprobleme

Neuhaus - Donnerstagmittag im Schlierseer Ortsteil Neuhaus: Ein Haus explodiert. Später finden Einsatzkräfte die Leiche einer Frau – das schreckliche Ende eines Familiendramas, das sich in Ansätzen wohl schon Ende Dezember abgezeichnet hatte.

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Mit zwei Anrufen bei der Polizeiinspektion Miesbach und dem Jugendamt hat Tanja W. (35) gestern Mittag die Tat angekündigt. „Wir sprengen uns in die Luft“, soll sie dem Vernehmen nach gesagt haben. Obwohl die Beamten händeringend auf sie einredeten: Zeit zum Reagieren blieb nicht mehr. Schon Minuten nach dem Anruf, gegen 12.45 Uhr, explodierte die Doppelhaushälfte 6a an der Breitensteinstraße im Schlierseer Ortsteil Neuhaus. Am frühen Abend, als die Einsatzkräfte die Ruine endlich betreten konnten, wurde die Leiche der Frau gefunden. Ihr 34-jähriger Mann tauchte gegen 18 Uhr auf. „Er ist körperlich unversehrt und befindet sich bei Angehörigen im Landkreis Starnberg“, teilte die Polizei gestern Abend mit. Dort hielt er sich vermutlich schon seit Mittwoch auf. Erst weitere Ermittlungen werden ergeben, ob er vom Vorhaben seiner Frau wusste.

Die Hauswand an der Nordseite des Gebäudes wurde durch die Wucht der Detonation förmlich weggesprengt. Flammen und Rauch schlugen ins Freie. Besonders prekär: Nur wenige Meter entfernt steht der Außentank für die Gasanlage. Für die Feuerwehr galt erhöhte Alarmstufe. 130 Einsatzkräfte waren vor Ort. Der Gastank wurde mit Löschwasser gekühlt, um eine Explosion zu verhindern.

Passanten kamen durch das Unglück nicht zu Schaden, auch keine Nachbarn. Die andere Doppelhaushälfte ist derzeit unbewohnt. Auch gingen keine Fensterscheiben zu Bruch. „Der Schnee“, so vermutet ein Feuerwehrmann, „hat die Druckwelle wohl sehr gedämpft.“

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Was genau die Frau zu dieser Verzweiflungstat getrieben hat, lässt sich nicht sicher rekonstruieren. Im Rückblick zeigt sich jedoch ein aus den Fugen geratenes Leben: Das Ehepaar mit den drei zehn, elf und 15 Jahre alten Kindern plagten massive Geldsorgen. „Die Familie hat sich mit Gelegenheitsjobs und Hartz IV über Wasser gehalten“, berichtet eine Nachbarin. Tanja W.s Versuch, sich eine eigene Existenz mit einem Online-Shop aufzubauen, scheiterte. Ende August, so steht es noch heute auf ihrer Homepage im Internet, sei ein Abwasserrohr im Keller gebrochen und habe ihr gesamtes Sortiment vernichtet. Da sich „die Versicherungen weigerten zu zahlen“, könne sie ihre Firma leider nicht mehr weiterführen.

Ende Dezember dann beschädigte das Ehepaar vorsätzlich die Gasleitung in ihrer Doppelhaushälfte. Laut Kripo sollten mehrere Teelichter, die das Ehepaar auf einen Tisch in der Wohnung gestellt und angezündet hatte, die Explosion auslösen. Um selbst der Gefahr zu entgehen, verließ die Familie am Nachmittag gemeinsam das Haus. Als die Fünf kurz vor Mitternacht zurückkehrten und ein intaktes Haus vorfanden, in dem es lediglich stark nach Gas roch, verständigten die Eltern die Feuerwehr.

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Bei der Vernehmung zeigte sich der Familienvater geständig. Die Mutter ließ sich nach dem gescheiterten Versuch freiwillig in der Psychiatrie stationär behandeln. Auch die familiäre Situation war prekär. Die beiden älteren Kinder waren bereits seit längerem in einem Heim untergebracht, kamen lediglich an den Wochenenden nach Hause – so auch am vergangenen. Als sie am Montag aber nicht ins Heim zurückkehrten, wurden sie am Dienstagnachmittag vom Jugendamt und der Polizei abgeholt. Dabei wurde auch das Jüngste der drei Kinder mitgenommen.

Gestern verließ Tanja W. die Psychiatrie. „Da sie freiwillig dort war, konnte sie jederzeit gehen“, erklärte ein Polizeisprecher. Hatte sie da schon den Entschluss zur Selbsttötung gefasst? Oder hat sie der Verlust ihrer Kinder, ihres Jüngsten, die gesamte ausweglos scheinende Situation wieder überrollt?

 Dieter Dorby

Rubriklistenbild: © Thomas Gaulke

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