Moosburg - Er war witzig, geistreich, provokant und in einer wohldosierten Dosis arrogant: Thomas Goppel sorgte für einen der kurzweiligsten CSU-Neujahrempfänge der jüngeren Vergangenheit.

© Forster
Fingerzeig für die Zukunft: Ex-Minister Thomas Goppel spricht sich für ein differenziertes Bildungssystem aus, das den Talenten des Einzelnen entgegenkommt. Die Strogentaler Blasmusik blies den Marsch dazu.
Der Mann hat Selbstdisziplin. Nur 40 Minuten wollte Thomas Goppel sprechen: „Die Information ist für die wichtig, die jetzt ein bisschen wegpennen wollen.“ Und der Gastredner hielt sich am Dienstagabend in der Moosburger Mehrzweckhalle daran. Wenigstens fast. Ermüdungserscheinungen stellten sich ohnehin nicht ein bei den zahlreichen Zuhörern, darunter CSU-Granden ebenso wie Lokalmatadore anderer politischer Couleur.
Die graue Alltagspolitik streift der 64-Jährige nur hin und wieder. Einmal wendet er sich gegen die „Piraten“: Mit der von ihnen postulierten absoluten Freiheit im Internet sei das Chaos vorprogrammiert. Ein anderes Mal spricht er sich gegen eine institutionalisierte Gleichstellung von Mann und Frau aus: „Die Quote ist Quatsch.“ Qualität setze sich durch. Und wieder die Ironie: „Ich bin überzeugt, dass spätestens im Jahr 2030 Stimmen nach einem Männerbeauftragten laut werden.“ Großer Applaus, auch von den Damen.
Hauptsächlich aber präsentiert sich Goppel als politphilosophierender „elder statesman“. Seine erste Frage: Was hat Bayern vorangebracht? Antwort: eine stete Regierungskraft, die ihren Weg gehen konnte, also die CSU, aber auch die große Integrationsleistung, dank der die Bevölkerung im Freistaat nach dem Zweiten Weltkrieg von sechs auf 12,5 Millionen Menschen gewachsen sei. „Wir sollten uns dafür feiern lassen, dass wir jeden zweiten ins Land geholt und ihm gesagt haben: Hilf mit!“ Die zweite Frage: Welche politische Idee ist geeignet, mit den Herausforderungen der Zukunft fertig zu werden? Nach dem Goppel'schen Ausschlussverfahren bleibt - freilich: die CSU.
Goppel hat sich dazu eine Geschichte einfallen lassen. Vor einiger Zeit habe er St. Martin zum Schutzheiligen der CSU erkoren - jenen römischen Reiter also, der einen am Wegesrand liegenden Verwundeten einen Teil seines Mantels gab und in der nächsten Stadt Hilfe organisierte. „Die Grünen würden sich zuerst um das Pferd kümmern“, meint er. „Und die Linken hätten den Verwundeten eingemauert.“ Martins Handlungsweise aber sei CSU-Politik: „Kommen, sich die Sache anschauen, feststellen, was geht und weiterreiten, wenn die Aufgabe erledigt ist.“

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