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Moosburg - Die Knochengräber von St. Kastulus: Historische Ausgrabungen vor dem Westportal

Die Knochengräber von St. Kastulus: Historische Ausgrabungen vor dem Westportal

Moosburg - Spektakuläre Funde werden derzeit von Archäologen am Moosburger Kastulusmünster freigelegt. Bestens erhaltene Skelette in einer Grabstätte direkt vor dem Westportal geben den Historikern tiefe Einblicke in die Lebensumstände des 13. Jahrhundert.

Ein grausiger Anblick bietet sich derzeit vor dem Westportal des Moosburger Kastulusmünsters: Dutzende brauner Skelette dicht aneinander gedrängt, teilweise sogar übereinander geschichtet. Knapp 40 Quadratmeter groß ist die Fläche, auf der sich in gut einem Meter Tiefe ein Archäologen-Team durch das geschichtlichen Erbe von St. Kastulus und der Dreirosenstadt gräbt. Mit Pinseln und Spachteln bewaffnet, wird Schicht um Schicht das Knochenmaterial freigelegt, das aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammt.

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Das Sagen an der historischen Totenstätte hat Mathias Hensch. Der Ausgrabungsleiter ist nicht zum ersten Mal mit der Vergangenheit von St. Kastulus betraut: „Bereits im Jahr 2006 haben wir den Bereich vor dem Westportal sondiert. Schon damals zeichnete sich ab, dass hier konzentriert Gräber im Boden stecken.“ Es wurde jedoch nur ein schmaler Streifen auf dem Kirchenvorplatz geöffnet. Die jetzt so umfangreichen Bergungsarbeiten waren notwendig, weil der Hofbereich abgesenkt werden soll und eine Treppe vor dem Westeingang geplant ist. „Das ist aber nicht damit getan, dass wir einfach einen neuen Fußboden reinmachen“, erklärt Hensch für den Laien. „Für die Treppe ist natürlich ein entsprechender Unterboden notwendig, der allerdings in 1,3 Metern Tiefe an den Grabbereich heranreicht. Wir betreiben hier also keine Forschung, sondern reagieren nur auf eine Baumaßnahme mit einer Not-Dokumentation.“ Wenn erst einmal die Bagger anrückten, bliebe wohl kein Skelett auf dem anderen, so die Befürchtung des Archäologen.

Überreste von etwa 40 Menschen wurden bislang vom Erdreich befreit, „genau gezählt haben wir sie aber noch nicht“, gesteht Hensch. Denn viel interessanter als die Anzahl der Überreste sind die Erkenntnisse, die die Wissenschaftler aus den Zuständen der Gerippe und der Position der Knochen schlussfolgern können: „Das gibt uns sehr detaillierte und interessante Informationen über die Lebensumstände in der damaligen Zeit, über das Sterbealter der Toten, ihr Geschlecht oder auch über Verschleißerscheinungen.“ Über letztere konnte man schlussfolgern, wer dort zwischen Kastulusmünster und Johanneskirche beerdigt wurde: „Wir haben es hier nicht etwa mit Geistlichen zu tun, sondern mit der einfachen Bevölkerung. Die anthropologische Begutachtung beweist, dass das Menschen waren, die harter körperlicher Arbeit ausgesetzt waren.“

Einer der Skelettfunde weckte die besondere Neugierde der Grabungsmannschaft, wie Mathias Hensch mit einem gewissen Funkeln in den Augen erzählt: „Schon 2006 haben wir einen erhängten Jüngling gefunden, der gefesselt in einem Pferdetrog begraben wurde. In der Flucht dieses Grabes haben wir nun einen Mann entdeckt, der wohl ebenfalls am Strick starb. Darauf weist der Zustand seiner Halswirbelsäule hin.“ Geht es nach Henschs Vermutung, verbirgt sich hinter den beiden Funden der Beweis für eine spannende Geschichte: „Da gibt es eventuell Anhaltspunkte in einer alten Moosburger Sage, wonach im 14. Jahrhundert ein Pferdedieb samt seiner sechs Enkel erhängt und in St. Kastulus bestattet wurde.“

Auch Kirchenpfleger Karl Vogg verfolgt die Ausgrabungen gespannt, wenn auch nicht ganz so begeistert wie Hensch: „Die Arbeiten werfen uns natürlich im Bauzeitplan narrisch zurück.“ Dennoch habe er großes Verständnis für die Arbeit, wie Vogg einräumt: „Dem ganzen muss man natürlich jetzt genügend Rechnung tragen. Das ist schon wichtig.“

von Armin Forster

Rubriklistenbild: © Roland Albrecht

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