Romy und die Möbelpacker: Anja Egersdörfer spielt die Frau aus der Vergangenheit. Foto; Gerald Förtsch

Romy, die Frau von früher, bedroht das Eheglück

Unterschleißheim - Wenn eine Frau aus der Vergangenheit auftaucht, kann das ganze Leben auf der Kippe stehen. So erlebt das Frank in Unterschleißheim.

Volles Haus bei der Premiere im Jugendkulturhaus Gleis 1: Das Oberstufentheater des Carl-Orff-Gymnasiums konnte sich über mangelnden Andrang nicht beklagen. Deshalb waren die drei Aufführungstermine für das Stück „Die Frau von früher“ gerechtfertigt. Seit September wurde geprobt, und für Lehrer und Regisseur Michael Blum bestand die kniffligste Herausforderung darin, „allen Mitwirkenden gleich viel Text, Zeit und Bedeutung“ zukommen zu lassen. Eigentlich ist es nur ein Fünf-Personen-Stück, doch Blum machte daraus ein Stück für 19 Personen. Dafür integrierte er jede Menge Möbelpacker, und die machten sich über Handlung, Personen, Schicksale, Befindlichkeiten, Vergangenheit, Gegenwart und über das Stück selbst ihre Gedanken.

Frank (Tim Hofberger) und Romy (Anja Egersdörfer) erlebten einst die große Liebe, doch sie verloren sich aus den Augen. 24 Jahre später steht Romy vor Franks Tür und fordert im Umzugstrubel seinen Schwur von ewiger Liebe ein. Was für Turbulenzen, Ärger, Probleme und seelische Wunden sorgt, denn Romy verlangt, dass Frank seine Frau Claudia (Wiebke Reusch) und seinen Sohn Andi (Andreas Klein) aufgibt. Gleichzeitig scheint sich eine Wiederholung des Desasters anzubahnen, denn auch Andi verspricht seiner Freundin Tina (Nina Spindler) die ewige Liebe.

Konzentration wurde vom Publikum verlangt, denn in Roland Schimmelpfennigs „Die Frau von früher“ wurden auch Shakespeares „Romeo und Julia“, Gottfried Kellers „Romeo und Julia auf dem Dorfe“, Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ sowie Ovids „Metamorphosen“ eingebaut. Zusätzlich spickte die Theatergruppe ihre Aufführung mit trockenen Regieanweisungen, und man wunderte sich über die Zeitangabe: „Vor 24 Jahren? Du bist doch erst 17!“, riefen die Möbelpacker erstaunt, aber das jugendliche Alter der Gymnasiasten änderte nichts am Drama: Die Akteure zofften, litten und rangen mit sich und miteinander so überzeugend, dass sie die Möbelpacker zum Weinen brachten, als festgestellt wurde: Die Ehe kann man nicht verleugnen, denn: „Der Sohn wird immer bleiben, aber es wäre besser gewesen, es hätte ihn nie gegeben.“

Berührend, spannend und doch unterhaltsam. Das Stück zeigt, dass gebrochene Schwüre nicht gut enden, Egoismus und Rache zu Leid für andere führen, Ausgrenzung und Ablehnung verletzen, die Vergangenheit die heile Welt der Gegenwart zerstören kann. Das Oberstufentheater bot eine beindruckende Leistung mit viel Leidenschaft und Spielfreude. Entsprechend groß war das Lob des Regisseurs Michael Blum: „Ich bin sehr zufrieden mit meinen Theaterschülern.“ Das begeisterte Publikum war es auch.

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