"Man glaubt so fest, sein Kind zu kennen"

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    • 05.08.12
    • Schäftlarn
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Mutter des Mörders von Schäftlarn:

"Man glaubt so fest, sein Kind zu kennen"

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Schäftlarn - Wenn der Sohn seine Ehefrau ersticht, ist das unfassbar. Aber auch dieses Wort reicht einfach nicht aus, wenn man Renate Neumann gegenüber sitzt. Ein Interview mit der Mutter des Mannes, der im Juni seine Frau erstochen hat:

© Sabine Hermsdorf

Spenden für die hinterbliebenen Kinder: Nach dem tödlichen Ehedrama in Ebenhausen stehen drei Mädchen und ein Bub ohne Vater und Mutter da. Freunde, Kollegen und Nachbarn sammeln bei einem Benefiz-Abend im Mariandl für die Kinder. Das Foto zeigt kein betroffenes Familienmitglied, sondern den Buben Leonhard (l.), der hier am Gabentisch mithilft. Die Spenderin auf dem Bild ist Daniela Arnu, nicht die Großmutter der vier betroffenen Kinder.

Ihr Sohn hatte Ende Juni in Ebenhausen die 37-jährige Mutter seiner vier Kinder getötet. Ratlos, verzweifelt und ohnmächtig zurückgeblieben ist die 65-jährige Mutter und Großmutter. Es ist zu bewundern, wie souverän Renate Neumann den Benefiz-Abend im Mariandl überstanden hat. Dort sammelten Freunde und Kollegen Geld für die Kinder, die durch die Bluttat Mutter und Vater verloren haben. Großmutter Neumann bedankte sich bei den Spendern und sprach in ihrer Dankesbotschaft auch von eigenen Schuldgedanken. Im Interview konkretisiert sie ihre Gefühle.

Frau Neumann, eine Formulierung von Ihnen hat die Menschen bestürzt. Und zwar, als Sie von Ihrer Schuld sprachen und dem Willen, nur für die Kinder da sein zu wollen.

Nun, es stellen sich Fragen über Fragen. Hast du etwas falsch gemacht. Wo ist die Erklärung? Und so übernimmt man auch Schuldgefühle, die sich wie von selbst in diesem albtraumartigen Zustand einstellen. Man grübelt und agiert aber trotzdem, denn die Kinder brauchen mich.

Wie haben Sie von der Tragödie erfahren?

Ich lebe in Hessen in der Nähe von Frankfurt. Mitten in der Nacht, etwa gegen halb zwei Uhr, hörte ich ein Klingeln an der Haustür. Zwei Polizisten und zwei Ärzte standen vor der Türe und erzählten mir von der Tragödie. Bei solchen Anlässen sind immer auch Ärzte anwesend, falls ein psychischer Ausbruch droht oder eine psychische Krise.

Sie haben nicht gezögert und sind gleich am nächsten Tag nach Ebenhausen gefahren?

Ich befand mich wie in einem dichten Nebel, der mich von außen abschottete. Alle meine Handlungen geschahen automatisch. Mit Freunden habe ich gesprochen, aber ich musste mehr wissen, musste zu den Kindern.

Natürlich mussten Sie auch zu Ihrem Sohn eine neue Bindung finden?

Ich sagte mir immer, das ist doch gar nicht wahr. Das würde mein Kind doch nie tun. Man glaubt als Mutter doch so fest daran, den Sohn zu kennen. Ich sage Ihnen: Nichts ließ jemals auf eine solche Tat schließen. Sie passt so gar nicht zu ihm.

Wie gestaltete sich der Empfang in Ebenhausen?

Da geschah etwas so Wunderbares, dass ich es wieder wage, ein Licht im Tunnel zu sehen. Die Kinder waren bei den Nachbarn wunderbar untergebracht. Es ist kaum glaubhaft, wie sich meine drei Enkelinnen und mein Enkel schon mit den drei Nachbarskindern angefreundet haben.

Wie reagieren die drei Mädchen und der Bub im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren auf die veränderten Umstände?

Sie schließen sich noch mehr als vorher ganz eng zusammen, schlafen alle im gleichen Zimmer. Natürlich kümmert sich auch ein Psychiater um sie. Aber was diese Nachbarsfamilie an Liebe und Zuspruch verschenkt, ist ein Wunder. Ich suche bereits hier in der Gemeinde nach einem Haus. Probleme macht die Gesetzeslage: Rein rechtlich bin ich zu alt, meinen Enkeln eine Familie zu bieten.

Manfred Stanka

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