Intensiv und herzzerreißend: Das Barockorchester La Banda und seine Solisten interpretieren Bach. Foto: Hans Lippert

Eine Stimme trägt die Kunde in die Welt

Schäftlarn - Ein Weihnachtsgeschenk für alle Sinne bereitete das Barockorchester La Banda zusammen mit den Solisten den Besuchern der Kirche St. Benedikt in Ebenhausen. Die berühmten Arien und Rezitative des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach verkündeten den Zuhörern die frohe Botschaft von Christi Geburt.

Eine Stimme trug die Kunde mit besonderer Virtuosität: Als Annekathrin Laabs im ersten Teil die schönste Alt-Arie des Oratoriums anstimmte, hielt das Publikum verzückt inne. Selten gelingt der Vortrag der Zeilen „Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben, den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu sehn!“ so leidenschaftlich wie in der Variante von Laabs. All die Sehnsucht nach dem Heiland, nach der Liebe, verpackte die junge Bachinterpretin in ihre Interpretation dieser Zeilen. Ganz leicht, so als hauchte der Herr höchstpersönlich die a-Moll- und C-Dur- Töne in ihren Leib, verzauberte Laabs das Publikum.

Eine kongeniale Ergänzung erhielt sie durch die Choräle eines höchstkonzentrierten Ensembles, das unter der Leitung von Philipp Amelung in der polyphonen Stimmführung zu Höchstform gelangte. Schon im Eingangschoral schmetterten die Sänger so herzzerreißend ihr „Jauchzet, frohlocket“ in den Kirchenraum! Die Dur-Tonarten absorbierten den weihnachtlichen Alltagsstress und brachten im beschwingten Dreier-Takt wie auf Knopfdruck die allseits beschworene Besinnlichkeit nach Ebenhausen.

Im Vergleich zur Virtuosität der Alt-Stimme verblassten die männlichen Interpreten im Rezitativ (Tenor Maximilian Kiener) und Bass. Das Volumen, die Intensität ging in ihren Vorträgen etwas verloren. Insbesondere in der Bass-Arie Nr. 8„Großer Herr, o starker König“ blieb der Vortrag von Manfred Bittner flach. Allein Sopranistin Maria-Barbara Stein gelang eine ähnlich hinreißende Interpretation der Arien wie Laabs. Fast durchgängig zauberte auch das opulente Orchester mit seinen Streichern, Bläsern und Paukenspielern eine barocke Stimmung in den festlich geschmückten Gottesraum.

Anders als meist üblich, präsentierte der Akademische Chor der Universität Tübingen nicht die ersten oder die Teile drei bis sechs drei Teile des Oratoriums in einem Konzert, sondern den ersten sowie die Teile vier bis sechs. Teil eins war ursprünglich für den ersten Weihnachtsfeiertag vorgesehen. Überhaupt zeigen die meisten Kirchen heute das Oratorium überwiegend bestimmungsfremd vor Weihnachten. Das liegt an den geänderten kirchenmusikalischen Rahmenbedingungen, die die Musik aus dem liturgischen in den konzertanten Rahmen versetzt haben. Nur selten wird heute noch Bachs Plan realisiert, die einzelnen Teile an verschiedenen Sonn- und Feiertagen an und nach Weihnachten darzubieten. Einen gelungenen Abend bereiteten die Musiker den Gästen in St. Benedikt. Selten wurde Weihnachten so wohlklingend eingeläutet. cj

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