Fotografieren darf nur, wer einen Eierlikör trinkt: Tom Gutbrod (44) sammelt Unterstützerlisten, damit „Die Partei“ in Unterhaching zur Kommunalwahl antreten kann. Er selbst will Bürgermeister werden, und das ist kein Witz. foto: sth

Unterhaching soll wieder Superhaching werden

Unterhaching - "Die Partei" um Tom Gutbrod rüstet sich zum Kampf um das Unterhachinger Rathaus

Unterhaching - Es soll mehr gelacht werden in Unterhaching. Für Spaß auf der politischen Bühne will Tom Gutbrod sorgen. Er tritt als Bürgermeisterkandidat für „Die Partei“ an, eine Gruppierung um Martin Sonneborn, den früheren Chefredakteur der Satire-Zeitschrift „Titanic“.

„Bürgermeister werden!“, das ist sein Ziel. Bei der Kommunalwahl will Kandidat Gutbrod (44) „die absolute Mehrheit“ gewinnen, kündigt er unbescheiden an. Doch bevor die Wählergruppe bei der Kommunalwahl am 16. März antreten darf, muss sie bis Montag, 3. Februar, 190 Unterschriften auf einer Unterstützerliste sammeln.

Mehrmals wöchentlich steht Gutbrod am Bahnhof in Unterhaching, schenkt Eierlikör aus, kommt mit Menschen ins Gespräch und irritiert. Auf seinem Wahlplakat rollt ein echter russischer Panzer an. Sein Slogan: „Wir wollen keinen Panzer mehr.“

Das provoziert, irritiert und amüsiert. Mit bewusst kriegerisch gewählten Worten kündigt er seinen jetzt schon garantierten Wahlerfolg an: „Wir werden das Rathaus stürmen und Bürgermeister Wolfgang Panzer vom Bürgermeistersessel stoßen.“

Der gebürtige Erdinger, der als angestellter Gastronom arbeitet, hat im August 2010 mit Freunden den Unterhachinger Ortsverband von „Die Partei“ gegründet: „für

ein besseres und gerechteres und schoeneres Unterhaching“. In seinem Wahlprogramm fordert er unter anderem: „Umfassende Stadtsanierung nach Vorbild von Disneyland“, „historische Wehrtürme an den Zu- und Einfallstraßen“, „fünfjährige historische Freilichtaufführungen auf dem Gelände der ehemaligen Startbahn“, „SpVgg Unterhaching in die 1. Liga“ oder „Schrobenhauser-Häuser in Form von Spargelbauten“.

Ist das alles nur Satire? Oder meint es Gutbrod doch ein bisschen ernst? „Durchaus“, sagt er munter: „Hier muss mal was passieren, damit aus Unterhaching wieder Superhaching wird. Im Gemeinderat schlafen einem ja die Füße ein! Und reale Politik, die können wir schon auch.“

Konkret will er sich für billigeren und individuelleren Wohnraum einsetzen. „Mein Schwiegervater hat 1300 Euro Rente. Ein Jahr lang haben wir eine Wohnung gesucht. Jetzt zahlt er für zwei Zimmer 900 Euro. Da bleibt nicht mehr viel übrig.“ Da ist dann doch ein Fünkchen Ernsthaftigkeit herauszuhören: „Die Mietpreise steigen ins Unermessliche“ - das verschärfe die zunehmende Altersarmut.

In Unterhaching lebt Tom Gutbrod mit Frau und Tochter (14) seit etwa acht Jahren. „Ich schaue mir das Trauerspiel hier seit langem an.“ Ein Seufzer entfährt ihm: „Das Ortszentrum ist eine Krankheit, das Sportzentrum ist eine Katastrophe und das Bürgerfest ist ein Tragödie, da muss man sich ja schämen, wenn man Leute einlädt“, schimpft er temperamentvoll.

„Politik soll Spaß machen“, dafür tritt Tom Gutbrod an. Dabei soll ihm Satiriker Martin Sonneborn helfen: „Sollte es gelingen, an der Kommunalwahl teilzunehmen, wird es Ende Februar eine internationale Pressekonferenz geben“, zu der dann auch Martin Sonneborn kommen soll. „Außerdem wird es einen Laternenmarsch mit Demonstration geben, mit dem Ziel, hier zu bekunden, dass wir das Rathaus besetzen wollen.“

Charlotte Borst

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