Immer ein offenes Ohr haben Birgit Oppermann-Schramm und Klaus Binder. foto: kko

Wenn die Schulden über den Kopf wachsen

Oberhaching - In die Schuldenfalle zu tappen, das ist nicht schwer. Immer mehr junge Leute machen diese Erfahrung. Ein Vertrag ist schnell unterschrieben. Das Caritas-Zentrum in Taufkirchen bietet eine kostenlose, vertrauliche Schuldnerberatung speziell für Jugendliche an.

Shoppen rund um die Uhr, das Internet macht es möglich. Bald wachsen die Rechnungen über den Kopf. Im Landkreis München sind Birgit Oppermann-Schramm und Klaus Binder bei der Caritas in Taufkirchen dann kompetente Ansprechpartner. Sie wissen, der Umgang mit Geld ist erlernbar.

Deshalb setzen die beiden Diplom-Sozialpädagogen und ihre Kollegen neben der klassischen Beratung auf Prävention. Sie veranstalten seit zehn Jahren Projekttage an Mittelschulen im Landkreis, etwa in Ottobrunn, Höhenkirchen, Unterhaching. Zielgruppe sind die Abschlussklassen, Jugendliche im Alter von etwa 15 bis 16 Jahren, kurz vor der beruflichen Ausbildung, dem ersten Einkommen.

„Wir verteilen als Einstieg in den Klassen gern ein Formular, auf dem kleingedruckt steht, dass unser Besuch 50 Euro kosten würde - was er freilich nicht tut“, erläutert Oppermann-Schramm. Die meisten Schüler unterschrieben dies, ohne zu zögern. Eine Lektion über Vertrags-Tücken mit Aha-Effekt. „Wir möchten mit der Aktion die Sensibilität, aber auch die Kompetenz der jungen Leute wecken“, sagt die Sozialpädagogin.

An zwei Tagen haben die Schüler Gelegenheit, verschiedene Bereiche ihres Alltags auf Schuldenfallen zu überprüfen. Der Gebrauch eines Smartphones wird dabei ebenso unter die Lupe genommen wie Internetshopping, ein eigenes Konto, die erste Wohnung, ein Auto. Das geschieht in Gruppenarbeit. Während ein Team untersucht, wie viel Gehalt es beispielsweise in den einzelnen Ausbildungsberufen gäbe, erarbeitet ein anderes die Kosten für den Lebensunterhalt. Dies sorge regelmäßig für Ernüchterung. „Da erkennen die jungen Leute ganz schnell, was geht und was nicht“, erzählt Binder.

Beispielsweise der Kauf eines Autos für 2500 Euro: Zum Abschluss des Projekts hatten die Schüler über die Finanzierung zu urteilen. Die Möglichkeiten: Sparen, Geld bei Freunden leihen oder eine Finanzierung mit Hilfe eines Bankkredits. „Die meisten entschieden sich jetzt fürs Sparen beziehungsweise den Verzicht“, beobachtet Binder.

Großes Interesse haben die Jugendlichen an den Fallbeispielen aus der Praxis der Schuldnerberatung. Birgitt Oppermann-Schramm berichtet über den Besuch eines 16-Jährigen. „Er hatte sich etwas aus dem Internet geladen und war damit dauerhafte monatliche Verpflichtungen eingegangen“. Zudem hatte er angegeben, bereits 18 Jahre alt zu sein. Ersten Rechnungen folgten, bald Mahnungen mit Folgeforderungen. Weil er aufgrund seines Alters nur beschränkt geschäftsfähig war, hätte der Vertrag widerrufen werden können, erläutert Klaus Binder und warnt: Wegen der falschen Altersangabe drohe gar eine Strafanzeige.

Die Beratung könne fast immer helfen, die Fälle seien individuell, da gäbe es kein Schema F. Kamen 2009 noch 55 Ratsuchende, waren es zwei Jahre später bereits 115 Menschen. 45 davon waren zwischen 18 und 25 Jahren alt. Ein Anstieg der Fälle sei weiterhin zu beobachten, berichtet Oppermann-Schramm. Einen wichtigen Tipp geben die erfahrenen Sozialpädagogen stets mit auf den Weg: „Falls es einmal Probleme mit Schulden gibt, bitte so schnell es geht vorbeikommen“. Je eher, desto besser sei alles wieder in den Griff zu bekommen. Klaus Binder betont: „Sobald es einen Vollstreckungstitel gibt, wird’s kompliziert.“

kko

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