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Demjanjuk in Giesinger Heim untergebracht

Demjanjuk in Giesinger Heim untergebracht

München - Es war eine heikle Mission, die Sozialreferentin Brigitte Meier und ihre Mitarbeiter am Freitag bewältigen mussten: Sie waren verpflichtet, in München eine Bleibe für John Demjanjuk zu finden.

© dpa

John Demjanjuk.

Demjanjuk ist wegen Beihilfe zum Mord an 28 000 Juden verurteilt worden. Der 91-Jährige wurde auf freien Fuß gesetzt, weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Gemeinsam mit der JVA Stadelheim gelang es, ein Heim für Demjanjuk zu finden - nach tz-Informationen handelt es sich um eine Unterkunft an der Pilgersheimer Straße.

Im Interview spricht Meier über den schwierigen Umgang mit einem berüchtigten Haftentlassenen.

-Frau Meier, der Fall Demjanjuk dürfte Sie am Freitag ziemlich in Atem gehalten haben...

Eigentlich ist die Unterbringung von Haftentlassenen etwas ganz Übliches - das Sozialreferat kümmert sich um viele solcher Fälle. Diesmal kamen dann aber doch einige Faktoren hinzu, die die Sache schwieriger gemacht haben: das hohe Alter des Entlassenen, seine gesundheitliche Situation, seine Bekanntheit - und vor allem auch die Tatsache, dass die Zeit extrem knapp war.

-Wie lange hatten Sie Zeit, eine Unterbringung zu finden?

Wir sind erst am Freitagvormittag informiert worden, dass wir tätig werden müssen. Aus der Justiz hatte uns niemand vorgewarnt. Es ist aber gelungen, bis zum frühen Nachmittag eine Einrichtung zu finden, die Herrn Demjanjuk aufnahm. Die Zusammenarbeit von Sozialreferat und JVA Stadelheim hat sehr gut funktioniert. Das war wichtig, denn die Zeit drängte: Die JVA musste ihn entlassen - und sie kann Herrn Demjanjuk ja nicht einfach im Rollstuhl auf die Straße schieben.

-Hätte die Stadt sich weigern können, sich um eine Unterbringung zu kümmern?

Nein. Wir sind dazu verpflichtet. Dieser Fall tritt immer dann ein, wenn Häftlinge entlassen werden, denen die Obdachlosigkeit in München droht. Wir müssen auch zunächst einmal die Kosten für die Unterbringung übernehmen. Natürlich wird jetzt geprüft, ob Herr Demjanjuk oder seine Familie selbst über Mittel verfügen, um die Kosten zu decken. Ist das nicht der Fall, bleibt die Stadt zuständig.

-Hat das Sozialreferat schon Erfahrung mit entlassenen Strafgefangenen, die derart im Licht der Öffentlichkeit stehen?

Ja. Wir sind auf so etwas professionell vorbereitet. Sollte zum Beispiel der Westpark-Mörder freigelassen werden, kann es sein, dass wir uns gegebenenfalls auch um ihn kümmern müssen, sollte er in München verbleiben.

-Haben Sie das Heim verpflichtet, Demjanjuk aufzunehmen?

Nein, das können wir gar nicht. Die Einrichtung hat sich dazu bereiterklärt.

-Was kommt jetzt auf die Mitarbeiter in dem Heim zu?

Ich denke, sie werden mit der Situation professionell umgehen. Die Versorgung ist in einem solchen Fall aber sicher emotional belastend und vielleicht auch etwas distanzierter.

-Wie lange wird Demjanjuk im Heim bleiben?

Das kann im Moment niemand sagen. Er ist staatenlos, hat also kein Heimatland, in das er reisen könnte. Das Kreisverwaltungsreferat muss nun die ausländerrechtlichen Fragen klären. So lange das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, muss er in Deutschland bleiben. Und wenn das Gerichtsverfahren zu Ende ist, wird sicher noch geprüft werden, ob er in diesem Alter überhaupt noch die Haft antreten kann. Vielleicht hat ja der Verteidiger, die Angehörigen oder die ukrainische Gemeinde eine Idee, wo er unterkommen könnte. Aber solange sich niemand kümmert, müssen wir das eben tun.

Interview: Johannes Patzig

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