München - Lola hat es nicht geschafft: Das herzkranke Elefantenmädchen aus dem Tierpark Hellabrunn ist am Samstag während der Vorbereitungen für die geplante Operation an einer Lungenembolie gestorben. Inzwischen ist klar, dass auch der Eingriff das Tier nicht hätte retten können.

© Tierpark Hellabrunn
Bewegender Abschied: Das Bild aus der Überwachungskamera im Elefantenhaus zeigt, wie sich die Herde am Samstagnachmittag von der toten Lola verabschiedet. Das Elefantenbaby war dafür extra noch einmal aus der Klinik in den Tierpark gebracht worden. Mutter Panang berührt ihre kleine Tochter gerade mit dem Rüssel.
Im Tierpark Hellabrunn herrscht Trauer. „Natürlich fragen wir uns, warum wir so viel Pech haben“, sagt Tierpark-Chef Andreas Knieriem bedrückt. Lola, das jüngste Mitglied der Dickhäuter-Familie, ist tot. Gestorben am Samstag, auf dem Tisch vor dem Computertomographen im Klinikum Großhadern. Was den Tierärzten und Pflegern ein wenig Trost spendet, sind die Bilder und Befunde. Eindeutig zeigen Untersuchungen, die nach Lolas Tod durchgeführt wurden, dass auch die geplante weltweit einzigartige Herz-Operation das Tier nicht hätte retten können. „Die Befunde waren weitaus gravierender, als uns vorher bekannt war“, sagt Knieriem. Man könne es so sehen: „Lola hat uns die Entscheidung, sie einzuschläfern, abgenommen.“
Dabei schien zuvor alles so gut zu laufen. Das 20-köpfige Team aus Hellabrunner Spezialisten und Ärzten verschiedener Fachrichtungen hatte am Freitagabend entschieden, dass die OP doch nicht wie geplant im Tierpark stattfinden sollte. „Es war zu viel unklar. Wir mussten eine Computertomographie machen, damit für den Chirurgen die Situation deutlicher sichtbar ist“, erklärt Knieriem.
Also wurde die drei Monate alte Patientin am Samstagmorgen mit einem Beruhigungsmittel versorgt – ebenso wie ihre Mutter, die 22 Jahre alte Elefantenkuh Panang. In einer gepolsterten Holzkiste wurde die zierliche Lola ins Klinikum Großhadern transportiert. Dort, am Institut für chirurgische Forschung, bereiteten Ärzte um 9.30 Uhr alles für die Computertomographie (CT) vor. „Lola ist sanft in Narkose versetzt worden“, berichtet Knieriem am Sonntag. Sie habe zunächst einen sehr stabilen Kreislauf gehabt. Dann aber passierte genau das, was den Experten die größte Sorge bereitet hatte: Lola bekam eine Lungenembolie. Die bereits vorab diagnostizierten Blutgerinnsel in ihrem Herzen führten plötzlich zum Verschluss von Lungengefäßen. Zehn Minuten lang versuchten Ärzte, den kleinen Elefanten mit einer Herzdruckmassage wiederzubeleben. Ohne Erfolg.
Die Hellabrunner Tierärztin Christine Grohl pflichtet ihm bei: „Wir hätten die OP nur gemacht, wenn ein Funken Hoffnung auf Erfolg bestanden hätte“, sagt sie. „Die Bilder haben aber gezeigt, dass es diesen Funken nicht gab.“ Lola, sagt Knieriem, hätte nur eine Herz-Lungen-Transplantation retten können. „Illusorisch“, sagt er.
Die tote Lola, berichtet Knieriem, sei schließlich nicht sofort in die Gerichtsmedizin gebracht worden, sondern zurück in den Tierpark. „Wir wollten der Herde die Möglichkeit geben, sich zu verabschieden“, sagt Grohl. „Das war wichtig.“ Eine Stunde lang dauerte die Abschiedszeremonie im Elefantenhaus. Als Elefantenmutter Panang wieder zu sich kam, fand sie ihr totes Baby. „Sie hat an Lola herumgerüsselt“, sagt Knieriem. „Wir sind sicher, sie hat sie Situation wahrgenommen.“ Für Panang und den Rest der Herde sei Lolas Erkrankung zuletzt eine Belastung gewesen. Knieriem glaubt, dass sie den Tod ihrer Kleinen verkraften wird. „Sie wird sich lösen.“
Zunächst dürfe nun Ludwig, der acht Monate alte Jungbulle und Sohn von Elefantenkuh Temi, auch bei Panang trinken, erzählt Knieriem – und in diesem Moment überwältigen ihn die Gefühle wieder. „Wir hätten Ludwig so sehr eine Spielkameradin gewünscht“, sagt er.
Lolas Tod ist bereits die zweite Tragödie innerhalb von eineinhalb Jahren im Hellabrunner Elefantenhaus. Damals musste Jamuna Toni, Panangs erster lebend geborener Nachwuchs, wegen einer rätselhaften Knochenerkrankung eingeschläfert werden. Und nun hat es erneut Panangs Junges getroffen.
Ob ein genetischer Zusammenhang bestehe, sei natürlich wichtig für die Zukunft der Elefantenzucht im Zoo, sagt Tierpark-Chef Knieriem. „Derzeit sieht es aber nicht so aus.“ Mit der Entscheidung, ob Panang und der derzeit im Leipziger Zoo untergebrachte Elefantenbulle Gajendra erneut für Nachwuchs sorgen sollen, habe man noch Zeit. „Bis das Elefantenhaus saniert ist, werden noch zwei, drei Jahre vergehen“, sagt Knieriem. Er gehe davon aus, dass bis dahin weitere Erkenntnisse vorliegen. Unter anderem soll das Blut von Panang und Gajendra untersucht werden, außerdem werden Lolas Organe noch genauer unter die Lupe genommen. „Wenn wir Zweifel haben, machen wir es nicht.“
Allerdings steht der Zoo-Chef in der Pflicht. Bei seiner vierjährigen Tochter. „Sie hat gesagt, es sei ungerecht, dass Jamuna Toni im Himmel schon so viele Freunde hat – und Ludwig jetzt keinen mehr“, sagt Knieriem. „Wir werden das ändern, das habe ich ihr versprochen.“ Knieriem will weitere Elefantenkühe in den Tierpark holen. Lola aber werde nicht vergessen. „Sie lebt in unseren Herzen weiter.“
Caroline Wörmann
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