München - In der Rotunde der Pinakothek der Moderne sind minderwertige Ziegel verbaut worden. Untersuchungen haben gezeigt: Die marode Mauer muss für bis zu eine Million Euro repariert werden. Dafür muss das Museum schließen.

© Schlaf
Die Besucher bekommen die Risse nicht mit: Unter der Rotunde hängen Planen vor den Gerüsten, mit denen die schadhafte Mauer abgestützt ist. Die verbauten Ziegel quellen noch heute und erzeugen Spannung in der Wand
Am Ende könne man noch nicht einmal jemandem einen Vorwurf machen, sagt Kurt Bachmann, der Behördenleiter des Staatlichen Bauamts München 1 auf Anfrage. Seit Herbst vergangenen Jahres haben Gutachter die rissige Rotundenwand in der Pinakothek der Moderne untersucht und kamen zu dem Schluss, „dass die Ziegel ungewöhnliche chemische Quelleigenschaften aufweisen“, sagt Bachmann. „Damit kalkuliert man normalerweise nicht.“ 2002 ist der Bau fertig gestellt worden. Weil die Haftungsfristen für die beteiligten Firmen verstrichen sind, muss die Kosten, die Bachmann vage mit 600 000 bis eine Million Euro beziffert, der Steuerzahler tragen.
Bis zu 17 Meter lange Risse hatten sich in der Wand der Rotunde gebildet, einer Ziegelmauer, die vor der tragenden Konstruktion als Verkleidung angebracht ist. Die 21 Meter hohe Rotunde musste zum Schutz der Besucher eingerüstet werden. Anfangs stand man vor einem Rätsel, was die Spalten verursacht haben könnte. Schon 2007 hatten sich an den Geschossdecken kleinere Risse gezeigt. Da kein Auslöser ersichtlich war, waren diese lediglich neu verputzt worden. Seitdem quollen die Ziegel in der Rotunde anscheinend so stark, dass die Verankerungen, die die innere Stahlbetonwand mit der äußeren Mauer verbinden, teilweise herausgerissen waren.
Einfach neu verputzen wäre Bachmann zufolge „blauäugig“ – also muss man nun Fugen in die Wand schneiden, um dem Gemäuer Spielraum zu verschaffen. Auf die Pläne von Architekt Stephan Braunfels, der auf möglichst fugenlose Optik setzte, könne man dabei keine Rücksicht nehmen.
Die Kosten hält der Bauamtsleiter bei einem ursprünglichen Investitionsvolumen von 121 Millionen Euro für moderat. „Das größere Problem ist: Wie takten wie die Arbeiten mit dem Ausstellungsbetrieb ein?“ Bislang sind die Arbeiter nur montags, wenn das Museum geschlossen ist, im Einsatz. „Bei dem Tempo brauchen wir zwei Jahre. Besser wäre es, das Museum würde schließen – dann wäre es eine Sache von Wochen.“
Das Bauamt wird sich in Kürze mit den zuständigen Ministerien und der Staatsgemäldesammlung in Verbindung setzen. Von 30. März bis 15. Juli läuft in der Pinakothek der Moderne die große Ausstellung „Frauen. Pablo Picasso, Max Beckmann, Willem de Kooning“. Im August wäre also Luft für Arbeiten. „Allerdings ist der August unser besucherstärkster Monat“, gibt Museumssprecherin Tine Nehler zu bedenken. „Aber wenn es nötig ist, müssen wir in den sauren Apfel beißen.“
Von Johannes Löhr
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