"Viagra-Ständer steht schon"

Sex-Mobbing bei der Messe?

München - Sehr vulgäre Sprüche soll sich eine Messe-Mitarbeiterin jahrelang angehört haben. Ihr Chef soll sogar körperlich zudringlich geworden sein. OB Christian Ude bestätigt den Vorfall.

"Heute pfeift der Straps“– „Der Viagra-Ständer steht schon“ – solche und ähnliche Sprüche soll sich eine Mitarbeiterin der Messe München über Jahre hinweg angehört haben. Und das nicht genug – ihr Chef soll auch zudringlich geworden sein.

Für die Messe München, ein Gemeinschaftsunternehmen der Stadt München, des Freistaates Bayern und der Kammern, ist das ein peinlicher Vorgang. „Mit freiwilligen sozialen Leistungen zeigen wir unsere Wertschätzung des Engagements unserer Mitarbeiter“, heißt es auf der Homepage des öffentlichen Unternemens.

Für Karin B. (Name geändert) sah das aber jahrelang ganz anders aus. Die Messe-Angestellte wurde von ihrem Vorgesetzten – einem leitenden Mitarbeiter der Messe – mit sexistischen Sprüchen traktiert. So lauten jedenfalls die Vorwürfe, die in einem Untersuchungsbericht dokumentiert sind. Doch Peter K. (Name geändert) zog Karin B. auch mal auf seinem Schoß und fasste ihr an den Po, berichtet die AZ. Als sie eine eng anliegende Hose trug, erklärte er ihr, die Hose habe ein Loch, heißt es weiter. Und wenn die Mitarbeiterin für ihn auswärts ein Hotel buchte, soll er gesagt haben, sie möge „eine Schwarze oder Braune zubuchen“. Als Karin B. heiratete, soll Peter K. ihr gesagt haben, dass er das nicht gut finde, und dann habe er sie oft gefragt, warum sie nicht schwanger sei, und gesagt, er würde gerne „aushelfen“.

Eines Tages vertraute sich Karin B. dem Vertrauensanwalt der Messe an, der informierte Messechef Klaus Dittrich, der wiederum die Gesellschaftsverteter verständigte: den Aufsichtsratsvorsitzenden Christian Ude (SPD) und seinem Stellvertreter, Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP).

Beide bestätigen der tz gegenüber den Vorgang. Zeil: „Wir haben den Mitarbeiter für jeden Vorwurf eine Abmahnung ausgesprochen.“ Der Vertrag des Mannes läuft bis Ende 2014. Zeil: „Eine Verlängerung des Vertrages kommt für mich nicht in Frage.“ Die Vorwürfe sind einem Bericht aufgeführt, den eine Kommission verfasst hat, die von den Gesellschaftern mit der Prüfung der Vorwürfe beauftragt worden war. Darin sagt das Opfer, dass die letzten Jahre ein „richtiger Psychoterror“ gewesen seien. Sie habe sich wie „eine Gefangene“ gefühlt. Es habe Peter K. regelrecht Spaß gemacht, sie zu verunsichern. Als der Chef ein neues Haus bezog, soll er gesagt haben, er verfüge nun über ein „neues Liebesnest“, „der Viagra-Ständer steht schon“. Und als eines Tages eine stillende Frau auf dem Cover eine Zeitschrift abgebildet war, soll Peter K. gesagt haben: „Daran würde ich auch mal gerne zuzeln.“

Ude hätte den Mann sogar am liebsten sofort gefeuert. Zeil: „Es stand jedoch bei einigen Angaben der Frau Aussage gegen Aussage.“ Es gebe auch zum Teil widersprüchliche Zeugenaussagen. Dennoch besteht für den Aufsichtsrat grundsätzlich kein Zweifel an den Schilderungen der Frau, die sich längst eine andere Stelle gesucht hat.

We/Bw

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Rubriklistenbild: © dpa

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