Umgehungsstraße Trudering: Verkehrsentlastung mit Tücken

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    • 25.07.11
    • München
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Umgehungsstraße Trudering: Verkehrsentlastung mit Tücken

Trudering - Der Bezirksausschuss Trudering-Riem diskutiert über eine Umgehungsstrecke, fürchtet aber zugleich neue Nachteile an anderer Stelle.

© Screenshot Google Streetview

Die chronisch überlastete Kreuzung Am Mitterfeld/Kirchtruderinger Straße

Der Münchner Osten boomt und mit ihm der Verkehr. Der Bezirksausschuss Trudering-Riem hat sich deshalb mit großer Mehrheit für eine Umfahrung von Kirchtrudering ausgesprochen. Die betroffenen Bürger allerdings wollen lieber weiter mit ihrer hoch belasteten Straße leben. Für sie bringt eine neue Trasse nur zusätzlichen Verkehr und neue Probleme ins Viertel.

Viele Jahre lag die Ortsumfahrung Kirchtruderings auf Eis, nun kommt neuer Schwung in das Thema. Denn vor dem vierten Bauabschnitt für die Messestadt und dem geplanten Neubaugebiet in Kirchtrudering, der so genannten Arrondierung, wollen SPD und CSU ein Verkehrskonzept für das Gebiet sehen. Schließlich komme mit den Planungen nicht unerheblicher Zusatzverkehr auf die bislang einzige Nord-Süd-Verbindung, die Straße Am Mitterfeld zwischen Trudering und der Messestadt, zu. Dort sind derzeit rund 15 000 Fahrzeuge täglich in beide Richtungen unterwegs. Eine Umfahrung Kirchtruderings wäre eine zusätzliche Nord-Süd-Straßenverbindung, die vor allem die chronisch überlastete Kreuzung Mitterfeld/Kirchtruderinger Straße und damit das östliche Kirchtrudering entlasten soll. Drei mögliche Varianten hat das Planungsreferat dafür ausgearbeitet.

Eine Variante würde vom Rappenweg aus zwischen dem alten Riemer Friedhof und der ehemaligen Flughafentribüne hindurchführen, bevor sie wieder aufs Mitterfeld einschwenkt. Sie würde den meisten Durchgangsverkehr aufnehmen können. Diese Strecke halten SPD und CSU im Bezirksausschuss Trudering-Riem für die einzig Wahre. Allerdings möchten sie sie nicht ans Mitterfeld, sondern an die Joseph-Wild-Straße anbinden. Die Anwohner fordern dagegen den kompletten Verzicht auf eine neue Straße bzw. eine Lösung ohne Umfahrung. „Wir sind überzeugt, dass unter dieser Straße die Lebensqualität aller Kirchtruderinger nicht tragbare Einbußen erleiden würde“, erklärt Eva Raith von der Bürgerinitiative Kirchtrudering. So will man sich nicht vom wichtigen Naherholungsgebiet Riemer Park abschneiden lassen. „Wir glauben nicht an eine Verkehrsreduzierung“, so Eva Raith. Eher würde mehr Durchgangsverkehr angelockt. Wenn eine neue Strecke die Aussicht biete, am Mitterfeld schneller durchzukommen, werde das ein großer Anreiz für die Autofahrer sein, diese Straße auch zu nutzen. Das hätte auch Auswirkungen aufs weitere Umfeld, zum Beispiel die Friedenspromenade, an der das neue Gymnasium entsteht. Letztlich entstehe ein Durchstich bis nach Perlach.

Diesen Argumenten schlossen sich die Grünen an. Ihr Sprecher Herbert Danner fordert ein Moratorium, einen zehn Jahre dauernden Verzicht auf eine neue Straße und das neue Wohngebiet in Kirchtrudering – „bis die Pläne für die Beruhigung des Ortskerns Trudering und der vierte Bauabschnitt der Messestadt Riem umgesetzt sind“.

Am Mitterfeld herrschten derzeit „irreguläre Verkehrsverhältnisse“, findet hingegen die Unionspartei. „Wie können Sie behaupten, dass Sie das nicht stört“, wunderte sich Henrike Haarstick (CSU). Die Umfahrung eröffne auch den 16 000 Einwohnern der Messestadt eine neue Fahrmöglichkeit nach Trudering.

Die Kirchtruderinger lägen „in vielen Punkten einfach falsch“, fand CSU-Stadtrat Georg Kronawitter. So sei die Ortsumgehung keine so große Barriere zum Park wie behauptet werde. „Sie sitzen auf einem sehr hohen Ross.“ Wenn die Anwohner selbst keine Entlastungsstraße haben wollen, müsse man sie nicht „zwangsbeglücken“, schmetterte Danner in Richtung CSU. Auch wenn sich die Stadtteilpolitiker letztlich aufgrund der gegebenen Mehrheiten für die Variante drei aussprachen, sei dies keine endgültige Entscheidung, stellte BA-Chefin Stephanie Hentschel (CSU) klar. „Nur wenn wir jetzt nicht ins Planungsverfahren eintreten, dann wird es gar nichts geben.“ Denn darin ist sich der Bezirksausschuss mit den Bürgern einig: Keine der angebotenen Straßenvarianten bringt eine Entlastung ohne Probleme an anderer Stelle. Hentschel will deshalb im Herbst mit der Stadt eine Informationsveranstaltung zu dem Thema organisieren.

Carmen Ick-Dietl

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