Bier wird knapp:: München zu durstig für Augustiner

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    • 05.07.12
    • München
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Wie schaut's bei anderen Marken aus?

München zu durstig für Augustiner

München - Der warme Frühsommer hat die Münchner durstig gemacht – zu durstig für die Produktionskapazität der Augustiner-Brauerei. Vielerorts ist der Gerstensaft derzeit Mangelware.

© Haag

„Ich könnte viel mehr Augustiner verkaufen“, sagt Sergey Kravchenko vom Maxvorstädter Getränkemarkt „Schlürfi“. Fünf Tragl hat er immerhin noch.

„Es ist eine Katastrophe!“, stöhnt Sergey Kravchenko vom Getränkemarkt „Schlürfi“ an der Theresienstraße in der Maxvorstadt. „Wir könnten viel mehr Augustiner verkaufen, aber wir können nicht.“ Zwei Mal die Woche bestelle er jeweils 140 Kisten bei Augustiner, bekomme derzeit aber nur 45 Tragl geliefert. Er habe bei der Brauerei schon nachgefragt, da heiße es, es gebe ein Problem mit dem Leergut.

Doch fehlende Flaschen sind nicht der einzige Grund für den Lieferengpass – nach Angaben der Brauerei reichen die Produktionskapazitäten nicht aus, um die derzeit sehr hohe Nachfrage befriedigen zu können. Zudem wolle man die Qualität des Bieres, die sich unter anderem aus den langen Lagerzeiten ergebe, nicht verändern.

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Wie groß die Produktionskapazität ist – daraus macht die älteste Brauerei Münchens ebenso ein Geheimnis wie aus dem jährlichen Gesamtausstoß. Zwar kursieren dazu diverse Zahlen im Internet, Wikipedia zum Beispiel nennt für 2010 einen Gesamtausstoß von 1, 3 Millionen Hektoliter, aber das, so teilt die Brauerei mit, sei frei erfunden – man gebe die Zahlen grundsätzlich nicht heraus. Das sei die „Philosophie des Unternehmens“. Doch sollte die Zahl zumindest ungefähr stimmen, würde Augustiner nicht annähernd so viel Bier ausstoßen, wie zum Beispiel die Paulaner- Brauerei. Die hatte 2010 ihrem Geschäftsbericht zufolge 5,31 Millionen Hektoliter Gerstensaft ausgestoßen.

Auch Walter Orterer, der in München und Umgebung 80 Getränkemärkte betreibt, spürt den Engpass: „Wir bekommen nicht die Menge, die wir bräuchten“, sagt er. Zwei Mal wöchentlich bestelle er jeweils 500 bis 1000 Kisten, bekomme aber nur 200 bis 300. Auch in den vergangenen Jahren sei Augustiner-Bier schon einmal knapp gewesen: „Das hat halt einen hervorragenden Ruf, wird von Alten und Jungen getrunken, während einige Trendbiere nur von Jungen getrunken werden“, meint Orterer. Doch heuer herrsche ein besonders ausgeprägter Mangel, was ihn aber nicht wundere: „Wir hatten einen fantastischen Juni. Es macht halt einen Unterschied, ob es 30 oder 15 Grad hat.“ Hinzu komme die Fußball-EM, die viele am heimischen Fernseher beobachtet hätten, „und da trinken die Leute eben Bier.“ Zudem hätten viele Getränkemärkte mit Blick auf die EM auf Vorrat eingekauft: „Dem Kreislauf wurde dadurch das Leergut entzogen, die können nicht abfüllen“, meint Orterer.

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Ihm zufolge reagieren die Kunden zuweilen verärgert: „Augustiner-Trinker sind sehr loyal. Die wollen das Bier nicht wechseln“, sagt er. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben viele Getränkehändler einen Brief in ihren Läden ausgehängt, den Augustiner an die Getränkegroßhändler geschickt hatte, um auf den Engpass hinzuweisen und um darum zu bitten, das Leergut rasch zurückzubringen, damit fehlende Flaschen die Situation nicht noch zusätzlich erschweren.

Eine größere Produktionsstätte zu bauen, in der mehr Bier gebraut werden könnte, kommt für Augustiner nicht in Frage: „Das ist definitiv nicht geplant, auch in Zukunft nicht“, heißt es seitens der Brauerei. Vom Engpass nicht betroffen sind der Brauerei zufolge die Augustiner-Wirtshäuser: „Wir bevorzugen die Gaststätten.“

Warum es bei den anderen Münchner Brauereien nicht zu einem Engpass kommt? Walter König vom bayerischen Brauerbund meint, das liege an den Flaschen, die Augustiner verwendet: „Augustiner füllt noch in die alten sogenannten Euro-Flaschen ab. Diese bauchigen Flaschen finden im Grunde nur noch beim Brauhaus Tegernsee und einigen kleineren Brauereien Verwendung.“ Von diesen Flaschen gebe es nicht so viele wie von den höheren schlanken Flaschen, die zum Beispiel Paulaner verwende. Sein Tipp an die Verbraucher: „Bringt das Leergut zurück!“

Von Bettina Stuhlweissenburg

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