Gefährliche Körperverletzung: Hells Angels-Prozess

    • aHR0cDovL3d3dy5tZXJrdXItb25saW5lLmRlL2xva2FsZXMvbXVlbmNoZW4vc3RhZHQtbXVlbmNoZW4vZ2VmYWVocmxpY2hlLWtvZXJwZXJ2ZXJsZXR6dW5nLWhlbGxzLWFuZ2Vscy1wcm96ZXNzLTI4MTYyMTQuaHRtbA==2816214Körperverletzung: Hells Angels-Prozess0true
    • 23.03.13
    • München
    • Drucken
Knast statt Freispruch

Körperverletzung: Hells Angels-Prozess

    • recommendbutton_count100
    • 0

München - Den Gesichtsausdruck von Robert R. als verblüfft zu beschreiben, wäre untertrieben. Sichtlich verärgert nahm der 36-Jährige das Urteil des Amtsgerichts am Freitag entgegen.

Unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung muss er für zwei Jahre und zwei Monate ins Gefängnis. Und das, obwohl der Staatsanwalt auf Freispruch plädiert hatte – er sagte, er könne R.s Schuld nicht beweisen, auch wenn man sich anhand der Aussagen vieles zusammenreimen könne.

Für das Gericht steht fest: R. ist einer der Männer, die im Dezember 2011 von Leipzig nach München fuhren, um Josef K. (Name geändert) zu überfallen. Zu dritt klingelten sie an der Wohnungstür des Lkw-Fahrers, überrumpelten ihn mit Pfefferspray und stürmten in die Wohnung. K. robbte auf dem Rücken liegend ins Schlafzimmer, schloss die Glastür und griff in Panik zu einer 1,90 Meter langen Hantelstange. Die Täter zerstörten die Tür, einer schleuderte einen Spiegel in Richtung des Opfers.

Als K. mit der Stange durch das Loch in der Tür stieß, flohen die Männer und nahmen auf der Flucht eine kleine Dose Pfefferspray, die auf einer Kommode stand, und eine goldene Armkette mit. Ein Komplize hatte laut Anklage mit laufendem Motor im Auto gewartet.

Die vier Männer zwischen 27 und 36 Jahren, die auf der Anklagebank saßen, sind keine unbeschriebenen Blätter. Marcus M. ist Präsident der Leipziger Hells Angels, Tino B. der Sohn dessen Vorgängers. Wegen Körperverletzung, schweren Raubs und Bedrohung ist R. mehrfach vorbestraft. Andy H. war einmal auffällig geworden.

Für den Staatsanwalt ist „unstrittig“, dass B. der Haupttäter ist. Seine Fingerabdrücke waren auf dem Spiegel. Auch habe er gerötete Augen gehabt, als die Polizei auf das Auto aufmerksam wurde, in dem die Männer nach der Tat saßen. Außerdem war B. der Einzige, den das Opfer bei der Vernehmung mit hoher Sicherheit identifizieren konnte.

Als „eigenwillig“ beschrieb der Staatsanwalt die Beschreibungen, die das Opfer von seinen Peinigern abgab. Mit den Worten „er hatte ein schmales Gesicht“, beschuldigte er zuerst H., später B. Außerdem glaubte er, nicht R. in seiner Wohnung gesehen zu haben, obwohl er das zwischenzeitig nicht ausgeschlossen hatte.

Während die Angeklagten schwiegen, antwortete das Opfer mit Gegenfragen, oft widerwillig und gab sich unwissend, was das Motiv betrifft. Er kenne R. von Fußballfeiern. „Hooligantreffen?“, wurde der Fan des TSV 1860 gefragt. „Kann man sehen, wie man will – ja“, war dann die Antwort. „Wir waren uns aber nie grün“, sagte K., der bis zur Tat als Türsteher jobbte. Bei einem Treffen in Gelsenkirchen habe er R. einmal angespuckt, weil der ihn von anderen als „Depp“ bezeichnet hatte.

Für den Staatsanwalt war die Verbindung zwar offensichtlich und R. ein möglicher Täter, auch sei es doch „großer Zufall“, dass R. hinter dem Steuer des Wagens saß, mit dem die Männer aus Leipzig angereist waren. Beweisen könne man aber nichts. Für das Gericht reichten die Indizien aus. Neben R. erhielt auch B. eine Freiheitsstrafe. Zwei Jahre und fünf Monate muss er hinter Gitter – der Staatsanwalt hatte zwei Monate weniger gefordert. M. bekam eine Geldstrafe, weil er bei der Kontrolle einen Schlagring bei sich gehabt hatte, H. wurde freigesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

ast

Rubriklistenbild: © dpa

zurück zur Übersicht: Stadt München

Kommentare

Die Kommentarfunktion ist bei diesem Artikel nicht aktiviert. Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.

Wetter für München und Bayern

Aktuelle Fotostrecken

Unsere Bilder des Tages

Bilder des Tages
weitere Fotostrecken:
Warum Pierre Pagé den EHC München verlässt

Warum Pagé den EHC verlässt

München - Paukenschlag beim EHC Red Bull München! Pierre Pagé wechselt konzern-intern auf den neugeschaffenen Posten des Global Sports Director Hockey. Der tz erklärt er die Gründe.Mehr...

Nachrichten aus dem Landkreis

Taufkirchen: Transporter stößt Kleinwagen um

Mercedes stößt Fiat um: 19-Jährige schwer verletzt

Taufkirchen - Zwei Verletzte und 13 000 Euro Sachschaden sind die Bilanz eines Unfalls in Taufkirchen vom Sonntagabend.Mehr...

Ayinger sind sauer über rücksichtslose Parker

Ayinger sind sauer über rücksichtslose Parker

Aying - Verkehrsthemen standen ganz oben auf der Sorgenliste der Ayinger bei der Bürgerversammlung im Brauereigasthof Hotel. Vor allem die Parkplatzsituation rund um den Ayinger Bahnhof stößt den Anwohnern auf.Mehr...

Nachrichten vom Flughafen München

Brutale Schläger-Fans kurz vor Abflug geschnappt

Brutale ManU-Fans kurz vor Abflug geschnappt

Erding - Dank Videoüberwachung am Hauptbahnhof: Die Polizei hat vier englische Fußballfans, die einen Münchner (21) und einen Erdinger (23) brutal verprügelt haben sollen, kurz vor ihrem Abflug geschnappt.Mehr...

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.