Es geht wieder zur Sache am Nockherberg

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    • 28.02.13
    • München
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Die besten Sprüche vom Nockherberg

Im Zeltlager der Planlosen: So war das Singspiel

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München - Marcus H. Rosenmüller bleibt sich treu: Der prominente Neuling hat ein Singspiel inszeniert, in dem Witz und Poesie Hand in Hand gingen – mit phantasievoller Kulisse und feinem Ensemble.

Die Schauspieler Uli Bauer (l-r) als Christian Ude, Margret Völker als Margarete Bause, Stefan Murr als Hubert Aiwanger, Wolfgang Krebs als Horst Seehofer und Stephan Zinner als Markus Söder

In der „Waldesruh’ am Nockherberg“ suchen planlose Politiker einen Schlüssel zum Wahl-Erfolg. Sie finden: den Sohn von Franz Josef Strauß.

Die besten Sprüche des Singspiels

Politiker, da sind sich die Regierten einig, führen sich auf wie die Axt im Walde. Sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht und man glaubt bei ihren Entscheidungen allzu oft, im Wald zu stehen. Es liegt also nahe, dass Marcus H. Rosenmüller und Thomas Lienenlüke – Regisseur und Autor des Singspiels – ihr Bühnenpersonal planlos, eitel und intrigant durch einen Wald stolpern lassen. Die Idee mit der „Waldesruh’“ ist nicht außergewöhnlich originell. Aber die beiden Neuen am Nockherberg haben ihre satirische Geschichte so charmant, witzig und bisweilen sogar poetisch umgesetzt, dass man sagen kann: So unterhaltsam war’s lange nicht mehr.

Nockherberg: Die Promis und ihre Double

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Schon die erste Szene macht Eindruck: Die Musiker um Gerd Baumann und die Bananafishbones streifen in Vogelkostümen durch die vernebelte Kulisse aus Geäst und großen Schwammerln. Ein Mix aus Blasmusik, Jazz und romantischem bairischem Gesang ertönt – im Vergleich zu den grellen Songs der vergangenen Singspiele eine pastorale Stimmung. Doch: „Vorsicht vor Gemütlichkeit!“, singt die Truppe. In der folgenden knappen Stunde erfahren wir, warum: Denn nach und nach betreten altbekannte Volksvertreter die Lichtung, und wir wissen ja: Axt im Walde . . .

Diese Promis waren heuer am Nockherberg

Markus Söder (eine Wucht: Stephan Zinner im Pfadfinderkostüm) hat seinen „Cheffe, den Horst“ Seehofer (Wolfgang Krebs ) zu einem abgeschiedenen Zeltausflug eingeladen, als teambildende Maßnahme – „ohne Stress, ohne Arbeit, ohne Zeugen“. Denn irgendwie ist der Wurm drin in der „Männerfreundschaft“ (es ist eine Schau, wie Krebs bei diesem Wort seehoferisch gluckst).

Zwar darf Söder die ganze Arbeit alleine machen – aber man kommt sich näher: „Mann im Wald und Frau am Herd, ein jeder wo er hingehört“, singen die beiden zum bajuwarischen Kosakentanz. Gemeint ist damit natürlich eine ganz besondere Frau: „Heute wird ein Hirsch gejagt, ganz egal was Aigner sagt.“ Die „Kronprinzessin Ilse“ (deftig gespielt von Angela Ascher) wird Seehofer später allerdings mit weiblichen Argumenten überzeugen („Du und i, Horst. Wir zwoa aloa im Forst, Horst“).

Die Höhepunkte der Bavaria-Rede

Im roten Zelt nebenan macht sich bald eine ähnlich absurde Gemeinschaft breit: Christian Ude dirigiert mit Müh und Not eine oppositionelle Wandergesellschaft aus Margarete Bause und Hubert Aiwanger (Margret Völker und Stefan Murr), die nicht so recht koalieren will, und muss feststellen, dass alle Wahlkampfthemen bereits von Seehofer geklaut wurden. Der zurückgekehrte Uli Bauer trifft den Ude einmal mehr perfekt, und man merkt erst jetzt, wie sehr man ihn in den letzten Jahren vermisst hat.

Die Gaudi nimmt ihren Lauf, und auch wenn gegen Ende nicht jeder Witz zündet und die meisten Pointen politisch nicht tief schürfen, zeigt sich doch, dass Rosenmüller und Lienenlüke verstanden haben, was am Nockherberg funktioniert und was nicht. Sie erzählen in bairischer Sprache keine komplizierte Geschichte, aber immerhin eine Geschichte, und sie lassen im Verlauf des Stücks die Parteien effektvoll aufeinanderprallen – mit jeder Menge Slapstick und Spontan-Erotik (Söder und Aigner!!). Die derbleckten Politiker im Publikum kriegen sich kaum ein, als der todesmutige Söder, von einem Wolfsknurren angelockt, seinem Chef angsterfüllt auf die Arme springt – weil es kein Wolf ist, der sich da angeschlichen hat, sondern die Konkurrentin Aigner im Dirndl. Und dass SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (von Andreas Borcherding nordisch-souverän im Trenchcoat dargestellt) nach jedem fünften Satz das Reden einstellt und sich so lange wie ein abgeschalteter Roboter verhält, bis man ihm Geld ins Portemonnaie gesteckt hat, sorgt nicht für weniger Gelächter. Angela Merkel kommt übrigens nur kurz als blasser Mond am Himmel vor.

Ein paar schöne Brüche in der Dramaturgie hat sich das Team außerdem einfallen lassen. Als auf der Bühne der unvermeidliche Brüderle-Sexismus zur Sprache kommt, springt im Publikum einer vom Stuhl auf und beschwert sich lauthals – Philipp Rösler, dargestellt von Hyun Wanner. Er empört sich allerdings nicht lange, dann wird er von Ordnern rausgeschmissen.

Einen besonderen Joker ziehen Rosenmüller und Lienenlüke, da ist das Singspiel schon zu drei Vierteln vorbei: Der Förster, ein stinknormaler Typ im Loden, betritt die Szene. Wie sich herausstellt, verfügt er allerdings über Optik und Autorität des ewigen Landesvaters Franz Josef Strauß. Gerhard Wittmann hat die Rolle des verschollenen Strauß-Sohns übernommen, die ursprünglich Helmut Schleich zugedacht war – und er macht seine Sache richtig gut. Wie der Mann mit dem Gewehr die Anwesenden wegen Verschmutzung des Waldes in FJS-Manier herunterputzt („wie es schon bei Cicero heißt: Natura deleta est bavariensis!“), ist zum Schießen.

Natürlich darf man sich fragen, ob die Macher ihrem Singspiel großes Vertrauen schenken, wenn sie auf die überspielte Strauß-Figur als sichere Bank zurückgreifen müssen. Aber hier handelt es sich tatsächlich um einen pfiffigen Kunstgriff. Denn Wittmanns Strauß-Sohn hat keine Ahnung von Politik – ist damit also Ottonormalbürger nicht unähnlich. Wegen seines rhetorischen Talents wollen ihn zwar beide Parteien für den Wahlkampf einspannen. Anstatt sich zum Sprachrohr machen zu lassen, spricht er allerdings lieber dem politikmüden Bürger aus der Seele: „Räumen Sie den Saustall auf!“

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Bleibt als Fazit: Das neue Singspiel-Duo hat seine Mission mit einem Klasse-Ensemble locker erfüllt – das zeigen nicht zuletzt die Reaktionen der Politiker, die sich nicht nur derbleckt, sondern auch unterhalten fühlen.

Allerdings müssen sie am Ende des Stücks noch einmal ordentlich schlucken. Denn ihre Alter Egos auf der Bühne erklären, zum Allgemeinwohl für die nächsten fünf Jahre im Wald zu bleiben und sich nicht blicken zu lassen: „Wenn Sie jetzt doch noch im Wahlkampf einen Ude oder Seehofer sehen – dann sind das Doppelgänger. Nehmen Sie sich in Acht!“

Johannes Löhr

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Kommentare

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Gast28.02.2013, 11:50Antwort
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Ich komme zum gleichen Fazit: Unterdurchschnittlicher Nockherberg.

Aber ohne Singspiel wäre es mMn nicht unterdurchschnittlich sondern sehr schlecht gewesen!

Gast28.02.2013, 11:47Antwort
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Das liegt immer an der Erwartungshaltung.

Wenn ich mir Privatfernsehen ansehe, möchte ich mich entspannen und habe keine großen Erwartungen. Wenn es mir nicht gefällt, schalte ich um und gut ist es.

Auf die Nockherbergrede freue ich mich, bin gespannt, habe Erinnerungen an Sedlmayr oder Bruno Jonas ... werde aber dann von der Unfähigkeit der aktuellen Rednerin getroffen. Man schaltet nicht einfach um, weil man ja wissen möchte, ob es besser wird und gespannt ist, was sie noch alles erzählt.

Schade, dass der Nockherberg nicht an frühere Jahrzente heranreicht. Beim Privatfernsehen war es früher auch nie besser, deshalb bin ich da nicht enttäuscht.

Fra Rol28.02.2013, 11:23
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Ich verstehe die Meckerer nicht, aber über 80% fanden es ja gut!
Vergleicht man das Dargebotene mal mit dem Mist den die
Privaten (SAT-Konsorten) so austrahlen dürfen, war es ein wahrer Genuß!

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