Kampf gegen den Erziehermangel: Griechinnen für die Münchner Kindl

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    • 13.07.12
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Kampf gegen den Erziehermangel

Griechinnen für die Münchner Kindl

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München - Auf der Suche nach Erzieherinnen beschreitet die Innere Mission München neue, womöglich zukunftsweisende Wege: Im krisengebeutelten Griechenland hat sie Personal rekrutiert.

„Es ist eine absolute Win-Win-Situation“, freut sich Rosemarie Reichelt, Leiterin der Kindertagesbetreuung bei der Inneren Mission München. „In Griechenland sind die Erzieher arbeitslos und wir suchen händeringend welche.“ Zwölf Kindertageseinrichtungen betreibt die Innere Mission in München. Gemeinsam mit der Leiterin war Reichelt nach Athen geflogen und hatte zwei Tage lang Vorstellungsgespräche geführt. Zehn Erzieherinnen hat sie jetzt für das kommende Kindergartenjahr eingestellt.

Auf die Idee gebracht hatte sie eine Personal-Vermittlungsagentur aus München, die das Treffen in Athen auch organisierte. Einer der wichtigsten Punkte war vorab geklärt worden: Der griechische Abschluss zum Erzieher wird in Deutschland anerkannt. „In Griechenland studiert man acht Semester an der Universität und ist dann Diplom-Erzieher“, erklärt Reichelt. Doch die Chancen, nach dem Studium einen Job in einer Kita in Griechenland zu bekommen, stehen - wie in vielen anderen Bereichen dort - schlecht.

Große Resonanz auf Angebot

Dementsprechend groß war die Resonanz auf das Angebot aus Deutschland. 16 Frauen wurden schließlich zum Gespräch eingeladen. „Einige sind dafür mehr als 1000 Kilometer gefahren“, sagt Reichelt. Die Auswahl fiel schwer. Reichelt und ihre Kollegin waren „unglaublich positiv überrascht“. Zum einen sprachen fast alle sehr gut Deutsch - eine Grundvoraussetzung, um in München arbeiten zu können. „Einige hatten schon in Deutschland gelebt und eine griechische Schule besucht“, erzählt Reichelt. Weil sie mit diesem Abitur aber nicht in Deutschland studieren dürfen, waren sie nach Griechenland zurückgekehrt. Eine der Frauen - alle um die Mitte 20 - hätte sogar noch Familie in München.

Auch fachlich überzeugten die Griechinnen. Übers Internet hatten sie sich bereits über ihren potentiellen neuen Arbeitgeber informiert, kannten sich schon aus mit den pädagogischen Ansätzen in den Einrichtungen. Und alle waren hochmotiviert, in München zu arbeiten. „Während des Studiums konzentrieren sie sich viel auf Projektarbeit, in der Praxis aber herrschen in vielen Kindertageseinrichtungen in Griechenland noch alte Strukturen vor, wo das nicht gefragt ist.“ Nicht so in München.

Zehn Erzieherinnen ziehen nun zum neuen Kindergartenjahr in die Landeshauptstadt. Größtes Problem ist jetzt, für sie eine Unterkunft zu finden. „Das übernimmt zwar die Vermittlungsagentur, aber wir hören uns natürlich auch um“, sagt Reichelt. „Viele sind auch bereit, sich eine Wohnung zu teilen.“

Die Kosten für die Vermittlung rechnen sich laut Reichelt: „Ständig Anzeigen zu schalten, kostet viel und bleiben Stellen lange unbesetzt, verlieren wir Fördergelder.“ Nochmal in Griechenland auf die Suche zu gehen, kann sich Reichelt gut vorstellen.

Folgen andere Kita-Träger dem Beispiel?

Und vielleicht folgen auch andere Kita-Träger dem Beispiel der Inneren Mission. Viele freie Träger wollen keine Einrichtungen mehr eröffnen, weil sie ohnehin kein Personal finden. In den städtischen Einrichtungen fehlen 70 Erzieher. Im kommenden Jahr sind weitere 320 Stellen zu besetzen. 50 neue Kitas werden 2013 eröffnet. Und es folgen weitere. Im August 2013 tritt bundesweit der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für über Einjährige in Kraft. Der Nachschub von den Münchner Fachakademien reicht nicht aus.

Eine Anwerbekampagne der Stadt und allerlei Schmankerl wie die München-Zulage beim Gehalt konnten das Problem bisher nicht lösen. Erst vor kurzem hatte die Stadt daher einen 16-Punkte-Plan vorgelegt, der vorsieht, mit neuen Vergünstigungen und Anreizen Erzieher und Kinderpfleger nach München zu locken. Und sollte auch das nichts bringen - Flüge nach Griechenland sind derzeit günstig zu bekommen.

Von Doris Richter

Rubriklistenbild: © dpa

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