Mann auf dem Heimweg von der Wiesn vergewaltigt

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    • 19.03.13
    • München
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Täter schummelte sich jünger

Mann auf dem Heimweg von der Wiesn vergewaltigt

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München - Eigentlich sollte Ali S. vor dem Jugendgericht verantworten, weil er einen jungen Mann auf dem Heimweg von der Wiesn vergewaltigt haben soll. Doch der Prozess platzte - weil sich S. jünger log.

© ebu

Der Angeklagte Ali S. Montag vor dem Jugendgericht.

Er soll einen jungen Mann auf dem Heimweg von der Wiesn vergewaltigt haben – doch der Prozess gegen Ali S. ist am Montag bereits am ersten Verhandlungstag geplatzt. Der Grund: Der Angeklagte ist vermutlich älter, als er behauptet – und das Jugendgericht deshalb wohl nicht zuständig.

Bereits in der Anklageschrift sind drei verschiedene Geburtsjahre des Arabers aufgeführt: 1990, 1993 und 1994. Er selbst behauptet, noch jünger zu sein. Ali S. kam einst als Flüchtling aus Marokko nach Deutschland, seine Mutter lebt in München. Derzeit sitzt er wegen Diebstahls im Jugendgefängnis. In diesem Zusammenhang wurde seine DNA erfasst. Durch sie brachten die Ermittler ihn auch mit der Vergewaltigung in Verbindung.

Vom zweiten Täter fehlt jede Spur

Vor mehr als zwei Jahren, am 4. Oktober 2010, soll Ali S. in einem Giesinger Hinterhof einen 19-Jährigen ausgeraubt und vergewaltigt haben. Der junge Mann war gegen Mitternacht auf dem Heimweg vom Oktoberfest. Gemeinsam mit einem zweiten Täter, der bis heute nicht gefasst ist, folgte Ali S. seinem Opfer laut Anklage aus der U-Bahn am Giesinger Bahnhof. Gemeinsam packten sie den Münchner, schleiften ihn in einen Hinterhof, schlugen ihn und nahmen ihm seine Geldbörse mit 60 Euro ab. Dann entblößte Ali S. sein Geschlechtsteil und zwang den 19-Jährigen zwischen zwei Autos zum Oral- und Analsex. Der zweite Täter hielt das Opfer fest.

Doch bevor über die brutale Tat verhandelt werden kann, muss das Gericht das Geburtsdatum des Angeklagten klären. Es ist entscheidend für die Frage, ob das mildere Jugendstraftrecht angewendet werden kann. Die Staatsanwaltschaft hatte Anklage zur Jugendkammer erhoben, weil Ali S. nach eigenen Angaben zum Tatzeitpunkt jünger als 21 Jahre war. Er behauptet, 1994 oder 1995 geboren worden zu sein. Damit wäre er bei der Vergewaltigung erst 15 oder 16 Jahre alt gewesen.

Angeklagter ist älter als angegeben

„Aus medizinischer Sicht ist das nicht vorstellbar“, sagte Randolph Penning vom Institut für Rechtsmedizin. Ihn hat die Staatsanwaltschaft beauftragt, das wahre Alter herauszufinden. Im Juli 2012 wurde Ali S. deshalb im Institut für Rechtsmedizin untersucht. „Ich schätze, dass er mindestens 25 Jahre alt ist, mit Hängen und Würgen vielleicht auch 24“, sagte Penning – aber „mit Sicherheit“ nicht jünger. Das würde heißen: Bei der Vergewaltigung war Ali S. mindestens 22 Jahre alt – und müsste somit nach Erwachsenenstrafrecht behandelt werden.

Die Mediziner wenden zur Altersbestimmung ein dreistufiges Verfahren an, das Penning vor Gericht erläuterte. „Eine erste körperliche Untersuchung erlaubt eine grobe Einschätzung“, sagte er. Dabei werden auch Krankheiten ausgeschlossen, die das Wachstum hemmen.

In einem zweiten Schritt werden die Zähne untersucht. „Alle vier Weisheitszähne waren schon da“, sagte Penning. „Das bedeutet, dass er mindestens 22 Jahre alt ist, wahrscheinlich älter.“ Allein dieser Befund sei mit den Geburtsjahren 1994/95 „nicht vereinbar“.

Verteidiger muss "Sachlage neu besprechen"

Gewissheit brachte dann der dritte Teil der Untersuchung: eine computertomographische Aufnahme vom Brust- und Schlüsselbein. Dort sitzt eine Wachstumsfuge, die sich mit zunehmendem Alter immer weiter schließt. Im Endstadium ist die Fuge nicht mehr zu sehen – „dieses Stadium wird mit frühestens 26 Jahren erreicht“, sagte Penning. Beim Angeklagten sei dieser Punkt fast erreicht gewesen.

„Alles deutet daraufhin, dass er zum Tatzeitpunkt älter war als 21 Jahre“, resümierte Penning. Somit droht Ali S. eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht. Angesichts dessen beantragte sein Verteidiger Markus Meißner, den Prozess auszusezten. „Ich muss die neue Sachlage mit meinem Mandanten besprechen.“ Das Gericht gab dem statt – wann und vor welcher Kammer die Verhandlung nun von vorn beginnt, ist noch offen.

Ann-Kathrin Gerke

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