Direkt neben dem Überbleibsel des Helikopters steht in der Polizeiausstellung eine Schaufensterpuppe. Sie trägt eine große Sonnenbrille, einen hellen Stoffhut, eine schwarze Maske und einen beigen Anzug. Nur einige Stecknadeln halten den Stoff zusammen. Jemand hat diesen Anzug einem der Terroristen vom Körper geschnitten. Die dunkelbraunen Schlieren auf dem Stoff zeugen vom Blut, das an diesem Tag vergossen wurde.
Die Beweisstücke des Grauens holen die Bilder wieder ins Bewusstsein, die sich damals ins kollektive Gedächtnis der Welt eingebrannt haben: ein Attentäter mit Strumpfmaske auf dem Balkon des Gebäudes an der Connollystraße im Olympischen Dorf, die zerschossenen Hubschrauber auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, die Olympische Flagge auf halbmast im Münchner Stadion.
Deshalb denken sich die amerikanischen Athleten nichts dabei, als sie kurz nach vier Uhr am 5. September am Tor 25a auf acht Gestalten treffen, die über den Zaun des Olympischen Dorfes klettern. Die Amerikaner haben schließlich das Gleiche vor: Sie haben im Münchner Nachtleben die Zeit vergessen und wollen sich zurück in ihr Quartier schleichen. Man hilft sich über den Zaun.
Die Polizei versucht zu verhandeln, will Zeit gewinnen. Selbst der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher schaltet sich in die Verhandlungen ein. Mehrere Ultimaten verstreichen, die Israelische Regierung lehnt die Erfüllung der Forderungen kategorisch ab, ein dilettantischer Befreiungsversuch mit Polizisten in Jogginganzügen scheitert, weil er von den Terroristen entdeckt wird. Derweil gehen die Wettbewerbe weiter: Japan spielt Volleyball gegen Deutschland, auch die Kanuten und Dressurreiter setzen die Spiele fort. Erst um 15.38 Uhr lässt IOC-Präsident Avery Brundage die Wettbewerbe unterbrechen.
Philipp Vetter
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Die Einschusslöcher in diesem Teil eines Hubschraubers sind mit Pfeilen markiert.
Am 5. September 1972 drangen Terroristen in das Quartier der Israelis ein.
Am Tag danach: Diese weitgehend unbekannte Aufnahe aus denm Polizeiarchiv zeigt das ganze Ausmaß der Verwüstung.
Mit erhobenem Finger verhandelte einer der Terroristen (rechts) mit deutschen Politiker.






















