Münchner Professor stirbt in Venedig

Todesdrama: Joachim V. wollte seine Tochter retten

Venedig - Bei einem Gondel-Unfall in Venedig ist der Münchner Professor Joachim V. ums Leben gekommen. Seine Familie musste mit ansehen, wie der 50-Jährige im Wasser zerdrückt wurde. Er hatte sich schützend vor seine dreijährige Tochter geworfen.

Eine Gondelfahrt auf dem Canal Grande gehört für Touristen in Venedig zum Standard-Programm – doch für eine Münchner Familie wurde der Ausflug zum Alptraum. Bei der Kollision ihrer Gondel mit einem Wasserbus geriet der 50-jährige Vater am Samstag zwischen einen Steg und die zwei Boote. Er starb wenig später an seinen schweren Verletzungen. Italienischen Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem Opfer um Joachim V., Professor für Strafrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).

Wie italienische Zeitungen berichten, war der Rechtswissenschaftler und Richter am Samstagmittag gemeinsam mit seiner Frau und seinen drei Kindern in einer Gondel auf dem Canal Grande unterwegs. In der Nähe der Rialtobrücke kollidierte das Boot mit einem größeren Wasserbus, einem „Vaporetto“. Augenzeugen berichteten, der 50-jährige Familienvater habe sich noch schützend vor seine dreijährige Tochter geworfen. Die ganze Familie fiel durch die Kollision ins Wasser, andere Gondolieri zogen sie an Land. Während die Ehefrau, die beiden Söhne und der Fahrer der Gondel unverletzt blieben, erlitt die Tochter Verletzungen im Gesicht und eine Gehirnerschütterung. Ihr Vater wurde offenbar zwischen den beiden Booten und einem Steg zerdrückt. Beim Eintreffen im Krankenhaus war er bereits tot.

Durch den Unfall ist die Diskussion um bessere Verkehrskontrollen auf den Kanälen Venedigs neu entfacht worden. Der Kapitän des Wasserbusses gab an, er habe die Kontrolle über sein Schiff verloren, als er versuchte, Gondeln und Wassertaxis an der Brücke auszuweichen. Er hatte den Rückwärtsgang eingelegt und die Gondel etwa 20 Meter mitgeschleift. Der Wasserbus der städtischen Verkehrsgesellschaft „Actv“ war in Richtung Markusplatz unterwegs. Wie die Tageszeitung „Corriere del Veneto“ meldete, waren zum Unglückszeitpunkt vier Wasserbusse an der Rialtobrücke.

Beide Unfallfahrer wurden bereits vernommen. Laut der Zeitung „La Stampa“ wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Die Gondolieri stellten als Zeichen der Trauer vorübergehend ihre Fahrten ein. Sie kritisieren die große Zahl von Booten auf der Hauptverkehrsader Venedigs bereits seit längerem. Der Chef der Gondolieri-Gewerkschaft, Aldo Reato, erklärte gegenüber Ansa: „Wir haben schon oft gesagt, dass der Verkehr zu viel und zu schnell ist, aber niemand hört auf uns.“ Er sprach in der Lokalzeitung „Il Gazzettino“ von einem „angekündigten Tod“. Ein anderer Gondoliere sagte: „Wir riskieren jeden Tag unser Leben.“ Nach Recherchen der Zeitung „Corriere della Sera“ fahren täglich etwa 3500 Schiffe, Wassertaxis und Gondeln auf dem Canal Grande. Vor drei Jahren seien es noch 2500 gewesen.

Der venezianische Bürgermeister Giorgio Orsoni erklärte, er sei „sehr erschüttert“ wegen des Unfalls. Es sei wohl auch Schicksal im Spiel gewesen, aber eine bessere Regelung des Verkehrs müsse in Angriff genommen werden.

Für Joachim V. kommt das zu spät. Seine Tochter ist mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen worden. Die Vereinigung der Gondoliere will der Familie die Rückreise nach München und die Beerdigung finanzieren.

von A. Armellini, A. Marschall Und A. Gerke

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