Hubertus Andrä wird neuer Münchner Polizeichef. fkn

Hubertus Andrä beerbt Schmidbauer

Das ist Münchens neuer Polizeipräsident

München - Hubertus Andrä ist Münchens neuer Polizeipräsident. Das Kabinett ernannte den Ministeriumsbeamten am Dienstag zum Nachfolger von Wilhelm Schmidbauer. Andrä gilt als fachlich geeignet – dennoch gibt es auch Kritik.

Mehrere Favoriten waren im Vorfeld gehandelt woren – Hubertus Andrä zählte nicht dazu. Umso größer war die Überraschung, als am Montag durchsickerte, dass der bisherige Leiter der Abteilung für Verfassungsschutz im Bayerischen Innenministerium neuer Münchner Polizeichef werden soll. Gestern segnete das Kabinett den Vorschlag von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ab. Herrmann rühmte den 57-Jährigen als „idealen Mann für die Anforderungen des größten bayerischen Polizeipräsidiums“.

Wilhelm Schmidbauer war zum 1. Juli auf die Stelle des Bayerischen Landespolizeipräsidenten gewechselt. Nachfolger Andrä rückt nun mit sofortiger Wirkung auf. Das Münchner Polizeipräsidium stellt für den gebürtigen Garmisch-Partenkirchner Neuland dar. Von 1992 bis 2003 leitete er in der Polizeidirektion Traunstein das Sachgebiet Einsatz. Von 2005 bis 2008 führte er die Traunsteiner Direktion an. Danach wechselte er wieder ins Ministerium. Im August 2012 setzte ihn Herrmann an die Spitze der neugegründeten Abteilung für Verfassungsschutz. Diese wurde unter dem Eindruck der Ermittlungspannen bei der NSU-Mordserie geschaffen, um den Geheimdienst stärker zu kontrollieren.

Warum Andrä nun nach nicht einmal einem Jahr den Posten wechselt, lässt Raum für Spekulationen. Im Vorfeld der Entscheidung waren meist zwei Namen zu hören: Johann Rast, Präsident des PP Mittelfranken, und Robert Heimberger, Chef des PP Oberbayern Süd. Dem Vernehmen lehnte Rast aus familiären Gründen ab. Gegen Heimberger soll – ebenso wie gegen den jetzigen Vizepräsidenten Robert Kopp – gesprochen haben, dass er früher bereits lange Jahre im Münchner Präsidium war. Informierten Kreisen zufolge habe das Ministerium „frisches Blut“ bevorzugt, da das Münchner Präsidium den Ruf hat, stark auf Eigenständigkeit zu setzen. Mit einem Vertrauten aus dem Ministerium erhoffe man sich, diese Eigenständigkeit etwas zu zügeln.

Fachlich, so hört man in Polizeikreisen, hält man Andrä für geeignet. Hermann Benker, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), sagte gestern dennoch, er sei „überrascht“. Schließlich habe bisher stets das ungeschriebene Gesetz gegolten, dass an der Spitze eines Präsidiums eine „Mischbesetzung“ aus einem Juristen und einem „Praktiker“ stehe. Andrä ist aber ebensowenig Jurist wie Vizepräsident Kopp.

Benker sagte, Andrä bringe „alle Voraussetzungen mit, um das PP München zu leiten.“ Dennoch stoße die Entscheidung bei ihm auf „Unverständnis“. Es sei schwer nachvollziehbar, warum Andrä das wichtige Amt in der Abteilung für Verfassungsschutz bereits wieder abgebe: „Das sendet ein schlechtes Signal an die unteren Polizeiebenen. Da wird immer gesagt, man müsse sich auf einer Stelle beweisen, bis man befördert wird.“ Zudem werde die Frage aufgeworfen, wie wichtig dem Ministerium die neugeschaffene Abteilung sei.

OB Christian Ude (SPD) adelte Andrä als „gute und richtige Wahl“. Andrä habe die Stadt im Zuge der Olympiabewerbung glänzend bei allen Sicherheitsfragen unterstützt.

Die Münchner Grünen-Fraktionsvorsitzende Gülseren Demirel sagte: „Der Name war mir ehrlich gesagt bislang kaum ein Begriff. Ich erhoffe mir aber mehr Bürgernähe und Sensibilität in der Führungskultur als bei seinem Vorgänger.“ Josef Schmid, Fraktions-Chef der CSU im Rathaus, glaubt, dass Hubertus Andrä das Rüstzeug für den Posten hat: „Er hat Erfahrung im Polizeieinsatz und als Ministerialbeamter – der Münchner Polizeipräsident hat ja auch immer versucht, mit der Politik zu interagieren.“

Angelo Rychel und Sven Rieber

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