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OB-Kandidat unter Druck: Dieter Reiter.

Ärger für OB-Kandidat

Staatsanwalt prüft FCB-Einladung an Reiter

München - Der Münchner OB-Kandidat Dieter Reiter (SPD) könnte nach einer Reiseeinladung des FC Bayern zum Champions-League-Finale Ärger mit dem Staatsanwalt bekommen.

Erst Ärger, dann Kuchen: Dieter Reiter, der OB-Kandidat der Münchner SPD, feiert seinen 55. Geburtstag ausgerechnet an dem Tag, an dem die Zeitungen über seine Reise zum Champions-League-Finale berichten. Der Wirtschaftsreferent ist unter Druck geraten, weil er sich den Trip nach London vom FC Bayern hatte bezahlen lassen. Der Termin für die Geburtstagsfeier am vergangenen Donnerstag steht seit Monaten fest. Die Partei will sich die Sause an diesem Abend nicht von Wembley verderben lassen.

Die Säulen im Neuraum, einem Club an der Arnulfstraße, sind in rotes Licht getaucht. Es gibt Sekt und Orangensaft, Käsespätzle oder Kartoffelsalat, Rotwein und Freibier. Und natürlich eine große Geburtstagstorte. In Herzform. Die SPD ist gekommen, um ihren Spitzenkandidaten zu feiern. Und sich selbst. Die London-Reise Reiters ist Thema an den kleinen Stehtischen, an den Bars und draußen vor der Tür, wo sich die Raucher Luft verschaffen. Beim offiziellen Teil des Abends aber wird sie totgeschwiegen. Fast. „Danke für die Geschenke“, sagt Reiter, „auch wenn das heute nicht mein Lieblingswort ist.“

Der OB-Kandidat lacht viel an diesem Abend, plaudert, klopft Schultern, stößt an, sagt, er sei „heute ziemlich glücklich“, fühle sich „energiegeladen und kampfeslustig“. Auch unter den Genossen an den Stehtischen ist die Stimmung gelöst. Die Kritik, sie wird schon vorübergehen, denken viele. Keine Panik. Vielleicht hilft die ganze Aufregung ja sogar, sagt einer. Immerhin sei Reiters größtes Problem seine mangelnde Bekanntheit.

So einfach aber wird das Thema nicht verschwinden. Die CSU legt den Finger am Tag nach der SPD-Feier tief in die Wunde und verschickt die vielleicht längste Stadtrats-Anfrage ihrer Geschichte. Zur Teilnahme Reiters am Finale stellt sie insgesamt 32 Fragen. „Waren mit der Annahme der Einladung etwaige Zusagen verbunden?“, will die CSU wissen. „War die Anti-Korruptions-Stelle eingebunden?“ Bei der Suche nach Antworten gehe es um nichts weniger, als „das Vertrauen in die Integrität der Stadtverwaltung“.

Reiters wohl härtester Konkurrent im Rennen ums Rathaus, CSU-Fraktionschef Josef Schmid, hält sich mit Kritik auffallend zurück. Scharfe Angriffe überlässt er derzeit lieber anderen. Zwischen den politischen Gegnern Schmid und Reiter gibt es ein Gentlemen’s Agreement, einen sauberen Wahlkampf ohne Tiefschläge zu führen. „Ich beobachte den Vorgang mit der Sorge, dass es zu einem weiteren Vertrauensverlust der Menschen in die Politik kommt“, sagt Schmid. Reiter und Ude hätten die Chance, aber auch die Pflicht, schnell und umfassend aufzuklären. „Erst dann kann ich zu einer angemessenen Bewertung des Vorgangs kommen.“

Ob die Annahme der Einladung in Ordnung war, prüft nun die Staatsanwaltschaft. Sie lässt sich aufgrund der Medienberichte die Unterlagen zukommen, um zu prüfen, ob es den Richtlinien der Stadt entsprach, dass eine solche Reise genehmigt werden kann, oder ob es sich doch um Vorteilsnahme handeln könnte. Um ein richtiges Ermittlungsverfahren handelt es sich dabei noch nicht

Thomas Schmidt

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