Messestadt Riem

Der zweite Winter ohne heißes Wasser

Wenn das Stichwort Gewofag fällt, steigt vielen Bewohnern eines Häuserblocks in der Messestadt Riem die Zornesröte ins Gesicht. In ihren erst im März 2011 bezogenen Wohnungen gibt es kein heißes Wasser – schon den zweiten Winter nicht. Sie fühlen sich von dem städtischen Unternehmen, das die Wohnungen betreut, im Stich gelassen.

Wenn Roxana Jankowska (29) ihre drei Kinder baden will, fährt sie von der Georg-Kerschensteiner-Straße nahe der Messe nach Neuperlach zu ihrer Tante. Dort gibt es das, was sie in ihrer zwei Jahre alten Wohnung schmerzlich vermisst: warmes Wasser. „Ich dusche kalt“, sagt der Vater der drei bis sieben Jahre alten Kinder. „Aber für die Kinder geht das nicht. Nur baden könne man sie – mit Wasser, das umständlich und teuer in Töpfen auf dem Herd erhitzt wurde. Manchmal lauwarm, manchmal eiskalt komme das Wasser aus dem Hahn, berichtet die Familie. Der Warmwasserzähler läuft immer mit. „Und wenn mal heißes Wasser kommt, geht die Heizung nicht“.

Die Familie ist mit ihrem Problem nicht allein: 91 Wohnungen in dem Komplex seien betroffen, bestätigt die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewofag, die das Objekt betreut.

Bornia Hannachi eine Etage tiefer hat die Hoffnung aufgegeben. Die Tunesierin, die als Betreuerin in einem Altenheim arbeitet, sucht eine andere Wohnung. „Aber das ist schwierig hier“, sagt sie. 744 Euro zahle sie für die Zwei-Zimmer-Wohnung, „und dann ist das Wasser so kalt, dass man nicht duschen kann.“ Sie selbst macht sich manchmal Wasser im Wasserkocher heiß, aber wenn ihre Tochter ihre langen Haare waschen wolle, gehe sie lieber zu einer Freundin. Was Hannachi nicht versteht: „Die Probleme gab es ja schon im letzten Winter, und es ist nichts gemacht worden.“

Seit Anfang Februar hängt ein Zettel der Gewofag im Treppenhaus. „Uns ist die Problematik mit dem Warmwasser in ihrer Anlage bekannt. Wir bemühen uns hier so schnell wie möglich eine Lösung zu finden“, heißt es. Bornia Hannachi glaubt nicht daran. „Die tun ja nichts“, sagt sie wütend.

Die Wissenschaftlerin Claudia Gruber (Name geändert) will nicht aufgeben. Nachdem sie, nachts von einer Dienstreise zurückgekehrt, wieder einmal kalt duschen musste, hat sie die Gewofag schriftlich aufgefordert, die Heizung endlich zu reparieren und den Mietern Rechenschaft abzulegen. „Seit Dezember 2012 ist das Wasser ab 15 Uhr nur handwarm, abends zu kalt zum Spülen und Duschen“, schreibt die berufstätige Mutter. Nach ihrer Erfahrung haben Frühaufsteher noch die größte Chance auf eine warme Dusche. „Morgens um sechs geht’s noch. Aber wenn die Kinder nachmittags vom Sport kommen, reichts’s nicht mehr zum Duschen,“ sagt sie. „Ich möchte auch wissen, ob das ständig lauwarme Wasser hygienische Probleme aufwirft.“

Bahman Yari und Yvonne Hiller aus dem dritten Stock wollen sich nicht länger hinhalten lassen. „Wir haben Mietminderung beantragt und werden uns beim Mieterverein anmelden“, sagen die Eltern von Omrid (4) und Dario (18 Monate). Nur frühmorgens, so Hiller, sei das Duschwasser zumindest so warm, „dass die Kinder nicht weinen, wenn man sie drunter stellt.“ Sie selbst hat sich angewöhnt, Duschen und Haarewaschen in zwei Etappen zu absolvieren, „sonst fange ich an zu frieren.“

Gewofag-Sprecher Peter Scheifele bedauert, dass sich das Problem so lange hinzieht. Man gehe davon aus, dass der Wärmetauscher defekt sei. Dieser Wärmetauscher übernimmt die Energie eines Fernwärmenetzes der Stadtwerke und speist sie in die hausinterne Heizungs- und Warmwasseranlage ein – eigentlich ein ökologisches Vorzeigeprojekt: Die Fernwärme stammt aus einem umweltfreundlichen Geothermie-Kraftwerk östlich der Messe, im Winter wird ein Gasheizwerk zugeschaltet. Doch in den 91 Wohnungen an der Georg-Kerschensteiner-Straße kommt Öko-Wärme nicht an.

Warum das seit dem vergangenen Winter bekannte Problem „über einen längeren Zeitraum nicht angegangen wurde“, vermag Scheifele nicht zu sagen. Doch er versteht den Ärger der Bewohner. Nun werde „umgehend ein Planer beauftragt, der das Problem behebt“, verspricht er „Wenn alle Stricke reißen“, könne man das Haus auch mit einem Heizmobil versorgen. Wie sehr sich die Lage dazu noch verschärfen muss, kann Scheifele nicht sagen. Doch er räumt ein: „Mietminderung ist in solchen Fällen möglich und bei uns auch üblich.“

Für Bahman Yari und Yvonne Hiller ist das ein schwacher Trost. „Die 15 Prozent Minderung helfen uns nicht“, sagt Yari. „Wir wollen warmes Wasser!“. Dass das bald kommt, glaubt er nicht. Immerhin steht ja auch auf dem Aushang im Treppenhaus, die Reparatur werde „noch etwas Zeit benötigen“. Wahrscheinlich, so der frustrierte Familienvater, „haben sie den Zettel nur aufgehängt, damit nicht so viele Leute anrufen und sich beschweren.“

Peter T. Schmidt

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