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„Ich sehe keinen Loyalitätskonflikt“: Schmidbauer glaubt, dass die internen Ermittler unabhängig gegen Kollegen vorgehen.

„Der Schlag war für ihn konsequent“

Polizeipräsident verteidigt Beamten nach Faustschlag

München - Polizeipräsident Schmidbauer verteidigt den Beamten, der eine junge Münchnerin geschlagen hat. Im Interview erklärt er, warum.

Das Foto der jungen Frau mit dem zerschlagenen Gesicht sorgte vor zwei Wochen bayernweit für Empörung: Nach dem umstrittenen Faustschlag eines Beamten (33) gegen Tamara (23, Name geändert) in der Polizeiinspektion 21 in der Au hat wurde ihre Wohnung von der Polizei durchsucht. Jetzt äußert sich Münchens Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer erstmals zu dem Vorfall.

Herr Polizeipräsident, haben Sie schon Konsequenzen gezogen?

Was ich natürlich machen werde, ist die Beamten zu sensibilisieren. Aber dass ich Ihnen jetzt verspreche, unsere Informationspolitik zu ändern, wäre falsch. Wir müssen unsere Sensibilität für die Außenwirkung, die solche Bilder auslösen, schärfen. Das schlechte Bild dieses Falles in der Öffentlichkeit liegt natürlich am Foto. Kann denn das Notwehr sein, wenn eine junge, zarte Frau gefesselt hinterher so aus der Zelle kommt?

Der Fall wurde erst nach zehn Tagen durch einen tz-Bericht bekannt. Haben Sie ihn nicht ernst genug genommen?

Die Fehleinschätzung, die da zweifellos vorhanden war, hat sich bezogen auf die Frage, ob der Vorfall gravierend genug war.

Ist das Ihr Ernst? Der Kollege hat doch den Faustschlag von Anfang an zugegeben!

Sie müssen das aus der Sicht des Kollegen sehen, der das selbst sogar alles dokumentiert hat. Der ist vorher getreten und bespuckt worden, sie hat versucht, ihm einen Kopfstoß zu versetzen. Sie war nicht zu beruhigen, war im Drogenrausch. Schon auf der Fahrt in die Inspektion ist sie ausgeflippt, hat auf den Kollegen eingeschlagen. Nach dem Vorfall in der Zelle hat sie sich in den Rettungswagen gesetzt, wieder ihre Faxen gemacht und die Zunge rausgestreckt. Dieses Gravierende an dem Vorfall war aus Sicht des Beamten zunächst gar nicht vorhanden. Der Faustschlag war für ihn die konsequente Vorgehensweise, um das zu beenden.

Wissen Sie denn, wie er den Fall im Nachhinein einschätzt?

Ich habe die Vernehmung gelesen. Er hat gesehen, dass die Frau schwer verletzt war. Darum hat er den Rettungsdienst gerufen. Auf Grund ihres ganzen Vorverhaltens ist er glaube ich heute noch der Ansicht, dass seine Reaktion angemessen war. Das ist jetzt Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Da kann ich mich nicht weiter äußern.

Hätten Sie die Sache ohne den Bericht überhaupt auf den Tisch bekommen?

Momentan wahrscheinlich noch nicht. Aber auf den Tisch gekriegt hätte ich ihn. Vielleicht nach einigen Wochen. Der Abschlussbericht der Ermittlungen der Polizei an die Staatsanwaltschaft wäre dann an die Behördenleitung gemeldet worden.

Glauben Sie, dass die in Ihrem Präsidium angesiedelten 13 internen Ermittler des Kriminalfachdezernats 11 (KFD) überhaupt unabhängig gegenüber ihrem eigenen Kollegen vorgehen können?

Ich sehe da überhaupt keinen Loyalitätskonflikt. Dieser Begriff kursiert nur außerhalb der Polizei. Fakt ist: Wir wollen Straftäter in unseren eigenen Reihen nicht dulden. Den Vorwurf, nicht neutral zu sein, lasse ich nicht gelten. Das ist eine erlesene Truppe. Ich halte diese Organisationsform für die einzig richtige. Ich habe den Eindruck, dass meine Beamten in diesem Fall Wahlkampfmunition geworden sind.

Sind 13 Beamte genug für solche Ermittlungen in ganz Südbayern? 2011 waren allein für München 394 Vorfälle zu bearbeiten, davon 115 Verfahren wegen Körperverletzung im Amt!

Da bohren Sie jetzt in einer alten Wunde. Ich habe zähneknirschend die eigentliche Zahl von 13 aus den eigenen Reihen aufgestockt. Das Ministerium sagt dazu: Es reicht. Meine Auffassung aber ist, dass es nicht reicht. Wir brauchen wohl vier bis fünf Mann mehr. Das wäre das Minimum.

Interview: Dorita Plange und Sebastian Arbinger

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