Murnau - „Hallo“ und „Tschüss“ - in einer Passauer Schule sind diese Grußformeln ein Tabu. In Murnau und Umgebung sehen das die Lehrer nicht so eng. Auf Höflichkeit legen sie trotzdem Wert.

Nur ein Spaß: Lehrer Joachim Riesemann vor dem Zettel mit der Aufschrift„Tschüß“-freie Zone. Foto: Martin
„Tschüß“-freie Zone. So steht es auf einem Zettel an einer Tür in der Mittelschule Murnau - seit fünf Jahren. „Na, da sind wir ihnen voraus gewesen“, sagt Lehrer Joachim Riesemann und grinst. Ihnen, das sind die Verantwortlichen einer Passauer Schule, die den Kindern und Jugendlichen die Grußformeln „Hallo“ und „Tschüss“ verboten haben - um die Schüler auf das Arbeitsleben vorzubereiten. Gibt’s diese Regelung bei den Murnauern also schon länger? Mitnichten. „Das war ein Spaß unter Kollegen“, erklärt der Murnauer Riesemann. Schüler könnten die Bürotür ohnehin nicht sehen. An der Mittelschule nimmt man das Passauer Verbot mit Humor. Jemandem bestimmte Grußformeln zu verbieten, kommt dort nicht in Frage.
„Das ,Hallo’ ist sehr verbreitet“, sagt Rektor Thomas Metschies. Flapsig oder gar respektlos meine das keiner seiner Schützlinge. „Das ist nett gemeint und schafft ein lockeres Arbeitsklima.“ Dass ihnen deshalb Grundlagen für das spätere Leben fehlen, glaubt er nicht. „Berufsorientierung wird bei uns sehr groß geschrieben“, betont Metschies. Aber die Situation in der Schule und beispielsweise beim Vorstellungsgespräch könnten die Heranwachsenden durchaus trennen.
Metschies grüßt seine Schüler manchmal sogar selbst mit einem „Hallo“ auf dem Gang. Weniger verbreitet sei das „Tschüss“. „Das hört man selten.“ Und wenn, ist es kein Problem. „Dass wir die Wortwahl reglementieren, das gibt’s bei uns nicht.“
Über Kinder, die den Dialekt beherrschen, freut sich Gundi Stocker, Rektorin an der Grundschule Uffing-Seehausen. „Gerade, wenn Emotionen aufkommen, fallen die Schüler ins Bayerische.“ Solange die Kinder auch Hochdeutsch sprechen können, sei das in Ordnung: „Wir sollten den Dialekt pflegen.“ „Hallo“ und „Tschüss“ zu verbieten schließt sie aus. Aber grüßen müssen die Schüler ihre Lehrer schon, „laut und deutlich“.
Ähnlich sieht das die Rektorin der Emanuel-von-Seidl-Grundschule, Angelika Bader. „Ich bin froh, wenn überhaupt gegrüßt wird.“ In welcher Form, das sei ihr egal. Hauptsache respektvoll. „Viele bekommen das von zu Hause nicht mit, dann müssen die Lehrer diese Aufgabe übernehmen.“ Deshalb gehen sie mit gutem Beispiel - und „einer höflichen Grußformel“ - voran. Bayerisch werde in den täglichen Morgenkreisen gesprochen. Die Lehrer müssten dann einen klaren Schnitt machen und zu Hochdeutsch übergehen. Der Unterricht wird nicht in Mundart gehalten, weil sonst „ausländische Schüler Probleme“ hätten.
Gerade weil viele Kinder aus ganz Deutschland und dem Ausland kommen, hält auch Andrea Meder, Leiterin der James-Loeb-Schule, nichts davon, „Hallo“ und „Tschüss“ zu verbannen. „Mir würde im Traum nicht einfallen, das zu verbieten“, unterstreicht sie. „Wo bleiben denn da Offenheit und Toleranz?“ Allerdings müsse es nicht sein, dass Schüler den Lehrern so entgegentreten. „Kinder sollten zu Erwachsenen Grüß Gott und Guten Morgen sagen.“ Das sei höflich.
Die Leiterin der Grundschule Ohlstadt, Edith Kirch, plant sogar einen Sozial-Ziele-Katalog. Darin werden Verhalten und höfliche Umgangsweisen zwischen Kindern und Lehrern festgelegt. „Die Schüler grüßen eigentlich alle. Und dass man einem Lehrer dabei mit einer anderen Grußform begegnet als den Freunden, ist auch klar.“ Mundart sei erlaubt. Nur auf das geschriebene Wort darf sich das nicht auswirken: „Dann achten wir darauf, dass sich die Kinder besser ausdrücken.“
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