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Bewährungsstrafen: Schüler filmen Missbrauch auf Party

Bewährungsstrafen: Schüler filmen Missbrauch auf Party

München - Schüler haben auf einer Party eine betrunkene 14-Jährige vergewaltigt und die Tat mit Handys gefilmt. Nun wurden sie zu Bewährungsstrafen, Arresten und Sozialstunden verurteilt.

Von Bettina Link

Auf einer Privatparty in München hatten Jugendliche im August 2006 erheblich Alkohol konsumiert. Besonders viel trank eine 14 Jahre alte Engländerin, die irgendwann quasi besinnungslos in einer Ecke lag. Das nutzten zwei Jugendliche dazu aus, das Mädchen zu entkleiden und sich mit einer Sektflasche an ihr zu vergehen. Zudem sollen sie ihr Obszönitäten auf die Haut geschrieben und sie dann geduscht haben, um die Malereien zu entfernen.

Die Tat dokumentierten die Jugendlichen per Handy-Fotokamera und zeigten die Fotos an einer Elite-Privatschule am Starnberger See herum, die einer der Haupttäter besuchte. Inzwischen sei er von der Schule geflogen, sagt Oberstaatsanwalt Anton Winkler.

In nichtöffentlichen Prozessen haben Münchner Jugendkammern die Schüler inzwischen auch verurteilt. Die minderjährigen Haupttäter erhielten wegen schweren sexuellen Missbrauchs Jugendstrafen von 15 und 13 Monaten auf Bewährung. Zudem müssen sie 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und sich therapieren lassen. Acht weitere Jugendliche erhielten Strafen wegen unterlassener Hilfeleistung, weil sie auf der Party nicht eingegriffen hatten, und wegen Verbreitung pornografischer Schriften, weil sie die Sex-Bilder per Handy und E-Mail an andere verschickt hatten. Gegen einige der 14- bis 18-Jährigen verhängten die Gerichte Arreste, andere müssen Sozialstunden ableisten. Manche wollen gegen die Urteile in Berufung gehen.

Den Missbrauch hatte lange Zeit niemand bemerkt. Denn die 14-Jährige hatte keine Anzeige erstattet. Sie hatte so viel Alkohol getrunken, dass sie sich an nichts erinnern kann. Erst als die Bilder im November 2006 auf dem Schulhof der "Munich International School" (MIS) die Runde machten, kam die Tat heraus. Eine unbeteiligte MIS-Schülerin hatte mitbekommen, wie andere sich die Sex-Videos schickten und einen Lehrer informiert. Die Schulleitung wandte sich an die Polizei.

Die Ermittler beschlagnahmten daraufhin zahlreiche Handys und stießen dabei auf die erschreckenden Bilder. An die Öffentlichkeit gelangte der Fall im Dezember 2006 und sorgte für großen Wirbel, weil er zwei Phänomene verdeutlicht: das "Binge drinking" ­ Rausch- oder Kampftrinken und das "Happy Slapping" ­ grundlose Angriffe auf Personen, die meist via Handy aufgezeichnet und verbreitet werden.

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