Brendten-Demonstration: Mittenwalder erhalten Geschenk mit Sprengkraft

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901.06.09|Garmisch-Partenkirchen|34 KommentareFacebook
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Mittenwald - Die Brendtengegner haben an Pfingsten nach sieben Jahren ihre Kampagne in Mittenwald beendet. Zum Abschluss der Kundgebungen contra Gebirgstruppe gab's den „Stein des Anstoßes".

Begehrtes Foto-Objekt: Das Denkmal der Brendtengegner auf dem Bahnhofs-Parkplatz wurde still und heimlich installiert. Seine Auftraggeber haben es nun der Marktgemeinde Mittenwald geschenkt. Foto: Tomaschek

Begehrtes Foto-Objekt: Das Denkmal der Brendtengegner auf dem Bahnhofs-Parkplatz wurde still und heimlich installiert. Seine Auftraggeber haben es nun der Marktgemeinde Mittenwald geschenkt. Foto: Tomaschek

Rund 200, überwiegend linksmotivierte Demonstranten haben dem Ferienort Mittenwald ein Geschenk mit Sprengkraft übergeben. Auf dem Bahnhofs-Parkplatz findet sich nun eine Metallstele mit Beton-Fundament. In einer Glasvitrine häufen sich Steine aus dem italienischen Falzano di Cortona, stellvertretend für die Verbrechen der Gebirgsjäger im Zweiten Weltkrieg. In diesem Ort hatte die Wehrmacht am 27. Juni 1944 ein Massaker unter der Zivilbevölkerung angerichtet.

„Dies ist Ausdruck einer Gegenkultur“, sagte der Sprecher des Arbeitskreises „Angreifbare Traditionspflege“, Lars Reissmann. Enthüllt hatte das Denkmal – sichtlich bewegt – unter anderem der französische Jude Maurice Cling (79). Als 15-Jähriger war er Teilnehmer des berüchtigten Todesmarsches vom KZ Dachau nach Tirol, der in Mittenwald wegen der heranrückenden Amerikaner ein abruptes Ende fand.

Niemand der Vertreter von Polizei und Marktgemeinde hatte mit dem Vorhaben der Gebirgstruppen-Gegner gerechnet. „Die Überraschung ist gelungen“, räumte Ordnungsamtschef Hermann Baier ein. Auch die Sicherheitskräfte haben laut Polizeisprecher Klaus Schürgers trotz massiver Präsenz von dieser Nacht- und Nebelaktion nichts mitbekommen.

Der von Reissmann titulierte „Stein des Anstoßes“ birgt viel Zündstoff für die politisch Verantwortlichen. Lassen diese nämlich die Stele der Opfer der Nazi-Barbarei – streng genommen ein Schwarzbau – entfernen, wird dies Proteste aus dem Anti-Brendten-Lager hervorrufen. Geben Bürgermeister Adolf Hornsteiner und der Gemeinderat klein bei, werden sicher Vorwürfe von Seiten des Kameradenkreises der Gebirgstruppe laut, der seit sieben Jahren Zielscheibe der Proteste ist.

Die Frage lautet: Gibt es in puncto Denkmal eine salomonische Entscheidung?

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