- Jeder zehnte Schulanfänger in Bayern bringt zuviel auf die Waage
VON CHRISTIAN MINATY München - Es ist alarmierend: Jeder zehnte Schulanfänger in Bayern ist zu dick. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Studie, die Gesundheitsminister Eberhard Sinner in einer Expertenrunde in München vorstellte. <P><P>Es sei besorgniserregend, dass der Anteil übergewichtiger Kinder zunehme, so Sinner. In Deutschland werde bereits jede dritte Krankheit durch falsche Ernährung verursacht. Zudem entstünden Kosten von rund 55 Milliarden Euro jährlich in Deutschland allein durch ernährungsbedingte Krankheiten. Die Studie wurde anhand von Schuleingangsuntersuchungen bei Fünf- bis Sechsjährigen zwischen 1998 und 2001 in Bayern erstellt. <P>Dabei wurden überraschende Aspekte bekannt: Es gebe Hinweise, dass Rauchen während der Schwangerschaft die Neigung zu Fettsucht (Adipositas) erhöhe. Kinder, die gestillt wurden, neigten dagegen weniger zu Übergewicht. Zudem verringere sich der prozentuale Anteil an Adipositas, wenn Kinder täglich mindestens elf Stunden schlafen. <P>Als ärgste "Dickmacher" werden von Medizinern wie Professor Berthold Koletzko (Haunersches Kinderspital in München) und Professor Rüdiger von Kries (Institut für Jugendmedizin München) aber nach wie vor eine schlechte Ernährung und Bewegungsmangel verantwortlich gemacht. Das Essen sei "zu fett, zu viel und zu süß". Negative Folgen: Atemwegserkrankungen, Schäden am Bewegungsapparat und "Altersdiabetes" bereits bei Jugendlichen. Übergewicht ebnet außerdem den schweren "Zivilisationskrankheiten" wie Krebs oder Herzinfarkten durch Übergewicht als "erheblicher Risikofaktor" den Weg. Zudem hänselten Altersgenossen dicke Schüler oft, so die Experten: "Sie werden in Außenseiterrollen gedrängt." <P>Hand in Hand mit Fast Food geht der Anstieg des Fernseh- und Computerspielekonsums. Körperliche Aktivität im Alltag sei deshalb zu fördern, forderte Koletzko: "Treppen statt Lift, Rad statt Schulbus." Auffällig sei, dass Ausländerkinder fast doppelt so häufig übergewichtig sind wie deutsche Kinder. Das Gesundheitsministerium will insbesondere ausländische Eltern informieren. <P>Bringt ein Kind bereits zuviele Kilo auf die Waage, ist es oft schon zu spät. Die Mediziner wollen noch mehr auf Vorbeugung setzen. "Die Behandlungserfolge bei Übergewicht sind nicht zufriedenstellend", bestätigt Koletzko. <P>Das Gesundheitsministerium versprach, das Angebot an gesunder Ernährung in den Betreuungseinrichtungen zu verbessern. So sollen Schüler in einem Projekt lernen, gesundes Essen zuzubereiten. <P><P>Ernährungstipps im Internet: <P>www.vis-ernaehrung.bayern.de <P></P>
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