- VON JOCHEN SCHRÖDER Dürnbach / Wolfratshausen - Um 14.39 Uhr war die Entscheidung gefallen: Für 1,1 Millionen Euro hat die Münchner Firma Farmer`s Markt Landhandel GmbH gestern das Grundstück in Dürnbach erworben, das am Amtsgericht Wolfratshausen zwangsversteigert wurde. Die Fläche hatte bisher zu zwei Dritteln der zur Schörghuber-Gruppe zählenden Bayerischen Hausbau GmbH und zu einem Drittel der Familie Anton Jennerwein gehört. Pikant: Der neue Besitzer hat die gleiche Firmenanschrift (Denninger Straße 165 in München) wie die Schörghuber-Zentrale.<BR>
<P>Es herrschte angespannte Stille im Saal 3 des Amtsgerichts, als Rechtspfleger Matthias Schwaighofer um 13.30 Uhr die Teilungsversteigerung eröffnete. Diese hatte die Schörghuber-Gruppe beantragt, nachdem eine "reale Teilung" der rund 41 000 Quadratmeter großen Fläche zwischen den zerstrittenen Parteien in der Vergangenheit nicht möglich gewesen war. Wie berichtet, wurde als Streitpunkt immer wieder die Verlegung von rund 400 laufenden Metern Wasser- und Abwasser-Leitungen auf besagtem Grundstück - angeblich ohne Anfrage oder Eintrag einer Dienstbarkeit im Grundbuch - genannt. Kürzlich wurde der Konflikt wieder akut, weil die Gemeinde Gmund zum Ausbau eines Geh- und Radweges von Finsterwald nach Dürnbach einen kleinen Streifen des Grundstücks benötigt. Diesem Ansinnen hatte Schörghuber zugestimmt, die Familie Jennerwein indes nicht.<P>Gelände gilt als Außenbereich <P>Im Amtsgericht saßen sich nun Anton und Brigitte Jennerwein mit ihrem Sohn Uwe und ihrem Anwalt auf der einen sowie drei Vertreter der Bayerischen Hausbau GmbH auf der anderen Seite gegenüber. In den Besucherreihen verfolgten rund 30 Interessierte - Gmunder Bürger und potentielle Mitbieter - die Versteigerung. Wie Rechtspfleger Schwaighofer ausführte, wurde für das Grundstück laut Gutachten ein Verkehrswert von 335 000 Euro festgesetzt. Nach vorliegender Auskunft der Gemeinde Gmund, die Schwaighofer verlas, gelte für das Grundstück an der Finsterwalder Straße der noch aus dem Jahr 1994 datierende Flächennutzungsplan, wonach das Gelände als Außenbereich zur landwirtschaftlichen Nutzung ausgewiesen sei. Auf Nachfrage Schwaighofers bestätigte Gmunds Zweiter Bürgermeister Marinus Dießl, dass "die Aufstellung eines Bebauungsplanes vorerst nicht geplant ist".<P>Mit einem Gebot von 230 000 Euro eröffnete Anton Jennerwein um 13.46 Uhr die 30 Minuten dauernde "Bieterstunde". Schon als zweiter Bieter trat ein Vertreter der Landhandel GmbH mit einem Gebot von 250 000 Euro in Erscheinung, ehe sich in der Folge ein "Wett-Bieten" zwischen Brigitte Jennerwein und der Bayerischen Hausbau ergab. Während die Schörghuber-Vertreter ab 500 000 Euro nicht mehr mitboten, steigerten Brigitte Jennerwein und der Landhandel-Vertreter bis zu einer Summe von 1,1 Millionen Euro, für die der Firmenvertreter schließlich den Zuschlag erhielt.<P>"Ich finde es schade und traurig, dass Einheimische so und ohne Grund aus ihrem Eigentum gedrängt werden", kommentierte Jennerwein den Ausgang. Kalt lächelnd und mit den Worten "Wir geben keine Stellungnahme ab" beantwortete der Landhandel-Vertreter Fragen nach seinem Namen oder der geplanten Nutzung des Grundstücks.<P>
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