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Das "Flaggschiff" fährt hinterher

Das "Flaggschiff" fährt hinterher

- Otto Schily: Nummer eins in Bayern, wenig Chancen im Kreis München

VON CHRISTIAN MINATY München - Für die SPD ist der Bundestagswahlkreis München-Land nicht gerade einer unter vielen: Er ist ein Prestigeobjekt. Denn hier wird nach 1998 wieder das sozialdemokratische "Flaggschiff" Otto Schily als Direktkandidat ins Rennen geschickt. Doch der Bundesinnenminister hat in Martin Mayer (CSU), der seit 1990 stets das Direktmandat gewann, einen ernstzunehmenden Gegner.

Mayer gibt sich auch dieses Mal siegesgewiss: "Ich bin derkompetentere Ansprechpartner als Schily", brüstet er sich. Der 61-jährige Christsoziale aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn dürfte in der Tat einen klaren Heimvorteil haben. Auch seine Erfahrungen aus mittlerweile vier Bundestagswahlkämpfen werden dem Agrarexperten zugute kommen. "Ich kenne die Probleme der Leute und rede mit ihnen in Telefonsprechstunden oder direkt vor Ort", so Mayer.

Schilys Pressesprecherin Gabriele Holtrup versucht, den Nachteil mangelnder Präsenz glatt zu bügeln: "Der Minister ist kein Kommunalpolitiker", betont sie. Darauf aber dürften die Wähler wohl kaum Rücksicht nehmen - sie entscheiden allein danach, wer ihre Belange am besten vertritt. Nach zahlreichen Anläufen - mal war Schily im Bayerischen Wald wandern, mal hielt er eine Rede in Garching - räumt der viel beschäftigte SPD-Politiker gegenüber ein, nicht "auf jedes Dorffest" gehen zu können. Trotzdem glaubt er, "gut informiert zu sein". Als Beispiel führt der gebürtige Bochumer mit Wohnsitz in Haar seine Talkrunde "Otto Schily im Gespräch" an, wo mit Gästen wie Siemens-Chef Heinrich von Pierer oder Bergsteiger Reinhold Messner in seinem Wahlkreis diskutiert werde. "Die Leute finden das interessant", glaubt Schily. Allerdings will er sich nicht festlegen, wie oft er im Wahlkreis präsent ist: "Darüber führe ich nicht Buch."

Mayer, der von 1978 bis 1990 für die CSU im Landtag saß, ist Mitglied im Bundestagsausschuss für Bildung und Forschung. Da ist es nicht verwunderlich, wenn ihm der Garchinger Forschungsreaktor besonders am Herzen liegt. Rot-Grün verschleppe auf "schikanöse Art und Weise" das Genehmigungsverfahren. "Wir wollen die sofortige Betriebserlaubnis", so Mayer.

Der Bundesinnenminister weist den Vorwurf entschieden von sich. "Herr Mayer hätte sich lieber bei der Staatsregierung darum bemühen sollen, dass diese rechtzeitig die nötigen Unterlagen für die Genehmigung beschafft. Diese liegen meines Wissens nach seit Anfang Juli vor." Bald solle der Reaktor seine Arbeit aufnehmen.

Mit kühl-sachlicher Stimme führt der Rechtsanwalt, der seit 1983 im Bundestag ist, aus, dass viele Entscheidungen der Bundesregierung und seines Amtes auch seinem Wahlkreis zu Gute kämen. "Um nur eine Zahl zu nennen: Letztes Jahr wurden vom Bund mehr als 75 Millionen Euro an Forschungsgeldern ausgegeben, allein für den Landkreis München." Das stärke insbesondere den Wissenschaftsstandort Garching.

Obwohl Schily Mayer vor vier Jahren unterlag, glaubt der Minister, das Blatt heuer wenden zu können und als SPD-Direktkandidat siegreich zu sein. "Ich hoffe, dass es gelingt. Die Wahlen werden sowieso auf den letzten Metern entschieden." Noch vor drei Jahren klang das ganz anders. Damals hatte Schily Medienberichten zufolge den SPD-Unterbezirksvorsitzenden Marcel Schaller als "potenziellen Nachfolger" für sich im Wahlkreis bezeichnet. Das scheint politischer Schnee von gestern zu sein. Als "fatal" will Schily eine mögliche zweite Niederlage nach 1998 in seinem Wahlkreis aber nicht bezeichnen. "Ich nehme so etwas sportlich. Wer siegen will, muss auch daran glauben." Große Sorgen um sein Mandat muss sich der Ex-Grüne Schily, der Mitglied im SPD-Ortsverein Unterhaching ist, allerdings nicht machen. Er ist über Platz eins der Landesliste gut abgesichert und wird auch im Fall eines erneuten Siegs von Mayer in den Bundestag einziehen.

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