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- VON JOSEPH RÖHMEL Poing - In Poing sind im vergangenen Jahr 62 Menschen aus der katholischen und evangelischen Kirche ausgetreten. Eintritte hingegen verzeichnen der evangelische Pfarrer Dr. Herbert Specht sowie sein katholischer Kollege Michael Holzner seltener. Eine Spurensuche.<BR>
<P>"In diesem Jahr waren es sechs Eintritte", berichtet Holzner. "Bei mir waren es bislang drei", verkündet Specht. Wohnen in Poing folglich weniger Christen als Nichtchristen? Beide Pfarrer behaupten das Gegenteil und stützen sich auf Zahlen. 5834 Katholiken und 2055 evangelische Christen sind in Poing ansässig, ergibt eine Gesamtzahl von 7889. In Poing selbst sind 13 000 Menschen mit Haupt- und Nebenwohnsitz angemeldet. Demnach ist mehr als die Hälfte der Poinger in der Kirche. <P>Laut Einwohnermeldeamt sind im vergangenen Jahr 62 Menschen aus beiden Kirchen ausgetreten. Der Hauptgrund vieler Austritte ist die Kirchensteuer, die nach Meinung Spechts von vielen "missbraucht wird". "Wir haben Fälle, wo der reiche Familienvater austritt und seine Kinder dann die Kirche zum Nulltarif wahrnehmen", schildert der Pfarrer. "Von Missbrauch würde ich hier aber nicht sprechen", entgegnet Holzner, der nicht die Kirchensteuer, sondern die wirtschaftliche Lage verantwortlich macht.<P>Interesse an anderen Glaubensgemeinschaften betrachten die beiden Priester hingegen nicht als Ursache für einen Austritt. "Ich habe vielleicht fünf Leute in den vergangenen zehn Jahren gehabt, die etwa zu den Zeugen Jehovas übergetreten sind", berichtet Specht. Seinem Kollegen Holzner ist kein solcher Fall innerhalb der katholischen Pfarrgemeinde bekannt. "Kirchenaustritte bleiben anonym", erläutert Holzner.<P>Die beiden Pfarrer geben sich gegenseitig Anregungen. Specht etwa bietet innerhalb seiner Pfarrgemeinde einen Gesprächskreis an. "Dorthin kommen Menschen, die plötzlich feststellen, dass der Glaube doch etwas für sie sein könnte. In der Gruppe wird ihnen dann die Bibel und alles andere zum christlichen Glauben erzählt", wirbt Specht, dessen Kollege ähnlich verfährt. Michael Holzner bietet tagtäglich Gespräche an. "Wenn sich jemand über den Glauben unterhalten will, dann besuche ich ihn notfalls auch Zuhause." <P>Sowohl dem katholischen als auch dem evangelischen Pfarrer fällt auf, dass vor allem Poinger, die aus den neuen Bundesländern stammen, die Kirche verlassen. Es seien Menschen, die als Bürger der ehemaligen DDR den Kontakt zum Glauben verloren haben. Sie würden sich häufig als "nicht gläubig" bezeichnen. Hier sind sich Specht und Holzner einig: "Wenn jemand feststellt, dass er nicht an Gott glaubt, dann soll er aus der Kirche austreten".<P>
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