- Jahresversammlung der Birgitta Wolf Nothilfe
<P>Murnau - Vom zarten Äußeren der bald 90-jährigen Dame sollte man sich nicht täuschen lassen. Birgitta Wolf, geborene von Rosen, zeigte schon während ihrer Kindheit in einem schwedischen Schloss ihre kämpferische Natur und tobte mit vielen Arbeiterkindern herum, die sie zum "Räuberhauptmann" kürten. </P><P>Für die Belange von "Räubern" setzte sie sich, nachdem sie 1933 einen Deutschen geheiratet hatte, 1936 zum ersten Mal ein und hält an dieser Berufung bis zum heutigen Tage fest. Um sich und ihren Mitstreitern die Arbeit zu erleichtern, gründete sie 1969 den Murnauer Verein "Birgitta Wolf Nothilfe", der aber nicht nur Häftlingen und Haftentlassenen, die auf dem mühsamen Weg zurück in die Gesellschaft begleitet werden müssen, Hilfe in der Not gewährt, sondern auch Obdachlosen und von Krankheit oder Unfall Betroffenen. <BR><BR>Die erste Vorstandsvorsitzende, Rechtsanwältin Marianne Kunisch, referierte jetzt auf der diesjährigen Vollversammlung in Murnau über eine Verbesserung der Stellung von Frauen, die von ihren Männern innerhalb der Familie misshandelt werden, durch das am 1. Januar 2002 in Kraft getretene "Gewaltschutzgesetz". <BR><BR>Möglichkeiten der Polizei erweitern <BR><BR>Dieses Gesetz erweitere die Möglichkeiten der Polizei im Sinne der Gewaltopfer einzuschreiten. So könnten nun die Männer aus der Wohnung verwiesen werden, so dass nicht immer nur die Frauen und Kinder in Frauenhäuser flüchten müssten. Den Männern werde der Wohnungsschlüssel für eine bestimmte Zeit abgenommen, und auch die Kontaktaufnahme zur Frau könne untersagt werden. Die Täter müssten nunmehr sehr viel schneller mit Freiheitsstrafen rechnen. Kunisch rief dazu auf, nicht wegzuschauen, wenn eine Frau sich offenbar in einer Notlage befinde, sondern Hilfe anzubieten. </P><P><BR>Die zweite Vorsitzende, Margret Wölfel, und Beirat Otto Kinzl konnten anhand zahlreicher Fallbeispiele aus der Praxis berichten. Die Hilfesuchenden werden von den Vereinsmitgliedern persönlich und umfassend betreut. Statt großer Worte erhalten sie praktische Hilfe. Wölfel fuhr beispielsweise einen Entlassenen im eigenen Auto zu einem Hotel am Starnberger See, damit dieser dort eine Stelle als Spüler antreten konnte. Andere wiederum werden aus ihrer Einsamkeit durch Briefe und persönliche Besuche in den Justizvollzugsanstalten erlöst. Für die Familie eines rumänischen Häftlings wurde Kleidung gesammelt. Für eine 80-jährige Schlaganfallpatientin konnte Kinzl eine Reha erkämpfen, die man zuvor als überflüssig abgetan hatte. <BR><BR>Nach den Neuwahlen, bei denen alle amtierenden Mitglieder der Vorstandschaft bestätigt wurden, hielt Prof. Dr. Helmut Koch von der Universität Münster einen Vortrag über Rechtsradikalismus in deutschen Gefängnissen. In Nordrhein-westfalen leugnete beispielsweise die oberste zuständige Behörde die Existenz von "Rechten" in den Gefängnissen, während einige kooperative Anstaltsleiter bereits einen Bericht über die Problematik an Koch gesandt hatten. </P><P>Auch in Bayern handle es sich um ein Tabuthema, so Koch, obwohl einzelne Strafgefangene von rechtsradikalen Umtrieben in den Gefängnissen zu berichten wüssten. Es bestehe demnach noch einiger Bedarf an Aufklärung, wobei vor allem das Wachpersonal besser geschult werden müsse, um auch versteckte rechte Symbolik sofort zu erkennen und vor allem einsame und labile Jugendliche besser vor einer Vereinnahmung zu schützen. <BR></P>
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