223.11.09|Garmisch-PartenkirchenFacebook
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Murnau - Hubschrauberarzt Dr. Alfred Zobel wartet mit provokanten Thesen auf: Er prangert unter anderem den „unkritischen Umgang“ mit der Einsatzstatistik an.

Gruppenbild vor dem ADAC-
Dr. Alfred Zobel sorgte im Rahmen des ersten Murnauer Symposiums zum Thema Gebirgsluftrettung in der Unfallklinik für kritische Zwischentöne. Der Mediziner, der in Murnau seit zehn Jahren als Hubschrauberarzt tätig und im Allgäu aktiver Bergwachtler ist, empfahl, nicht zu sehr auf Zahlen zu schielen. „Der Hubschrauber in Murnau ist bundesweit der einzige, der sowohl für Interhospitaltransfers, Primärrettung und Gebirgsluftrettung ausgelegt ist.“
In den vergangenen Jahren seien die Einsatzzahlen kontinuierlich angestiegen, auch 2009 verspreche ein Rekordjahr zu werden. „Aber dieser fortwährend unkritische Umgang mit der Statistik erinnert mich an den Tanz um das goldene Kalb.“ Immer mehr und mehr: Dies erhöhe den Druck, alles „auf Teufel komm raus zu fliegen“ – und somit auch das Unfallrisiko, meint Zobel. Er forderte: „Wir sollten uns wieder mehr auf die Qualität zurückbesinnen.“
Von wegen zurückbesinnen, meint Burkhard Schneider, Leiter der ADAC-
Pilot Schneider verweist auf „über 1000 Windeneinsätze“, die Christoph Murnau bislang unfallfrei bewältigt habe; damit rangiere er in den europäischen Alpengebieten in der Spitzengruppe. Zahlen verdeutlichten dabei die Erfahrung, die die Crew besitze.
Mediziner Zobel nahm auch den Eindruck von Gebirgsluftrettungen, der in den Medien erweckt wird, kritisch unter die Lupe. Durch regelmäßige Berichterstattung in den Zeitungen und im Fernsehen „über heldenhafte Rettungen in extremsten Situationen“ (...) werde der Öffentlichkeit ein Bild vermittelt, dass „jeder Risikosportler bei hoher Lawinengefahr sicher aus seiner ausweglosen Lage gerettet wird, jeder Bergsteiger aus seiner durch Leichtsinn selbst verschuldeten Situation befreit wird“. Zobel sprach sich dafür aus, in der Zusammenarbeit mit den Medien einen „anderen Weg“ einzuschlagen. Nach seiner Auffassung sollte vielmehr darauf hingewiesen werden, dass beispielsweise eine Bergung wegen des hohen Risikos für die Rettungsmannschaften abgebrochen worden sei und „ein erneuter Versuch nach Abschätzung der Gefahrenlage geplant“ werde. Dies reduziere auch das Unfallrisiko.
Schneider indes kann sich nicht vorstellen, dass die Art und Weise, wie Rettungen speziell von Christoph Murnau in den Medien dargestellt werden, zu Leichtsinn verführen. „Ich habe nicht den Eindruck, dass die Leute deshalb ein besonderes Risiko eingehen.
Generell herrsche ein gutes Miteinander bei der Gebirgsluftrettung, betont der leitende Murnauer Hubschrauberarzt Dr. Thomas van Boemmel, der von einer „Erfolgsgeschichte“ spricht.
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