Hubschrauber-Arzt fordert "Rückbesinnung auf Qualität"

Hubschrauber-Arzt fordert "Rückbesinnung auf Qualität"

223.11.09|Garmisch-PartenkirchenFacebook
Artikel drucken|Artikel empfehlen|Schrift a / A

Murnau - Hubschrauberarzt Dr. Alfred Zobel wartet mit provokanten Thesen auf: Er prangert unter anderem den „unkritischen Umgang“ mit der Einsatzstatistik an.

Gruppenbild vor dem ADAC-Rettungshelikopter: (v. l.) Hubschrauberarzt Dr. Thomas van Boemmel, UKM-Chef Prof. Dr. Volker Bühren, Hubschrauberarzt Dr. Alfred Zobel, Susanne Matzke-Ahl (ADAC-Luftrettung), Rolf Mehringer (Innenministerium), Matthias Ruppert (ADAC-Luftrettung), Christoph Fischer (Vize-Chef der Rettungsleitstelle). foto: lory

Gruppenbild vor dem ADAC-Rettungshelikopter: (v. l.) Hubschrauberarzt Dr. Thomas van Boemmel, UKM-Chef Prof. Dr. Volker Bühren, Hubschrauberarzt Dr. Alfred Zobel, Susanne Matzke-Ahl (ADAC-Luftrettung), Rolf Mehringer (Innenministerium), Matthias Ruppert (ADAC-Luftrettung), Christoph Fischer (Vize-Chef der Rettungsleitstelle). foto: lory

Dr. Alfred Zobel sorgte im Rahmen des ersten Murnauer Symposiums zum Thema Gebirgsluftrettung in der Unfallklinik für kritische Zwischentöne. Der Mediziner, der in Murnau seit zehn Jahren als Hubschrauberarzt tätig und im Allgäu aktiver Bergwachtler ist, empfahl, nicht zu sehr auf Zahlen zu schielen. „Der Hubschrauber in Murnau ist bundesweit der einzige, der sowohl für Interhospitaltransfers, Primärrettung und Gebirgsluftrettung ausgelegt ist.“

In den vergangenen Jahren seien die Einsatzzahlen kontinuierlich angestiegen, auch 2009 verspreche ein Rekordjahr zu werden. „Aber dieser fortwährend unkritische Umgang mit der Statistik erinnert mich an den Tanz um das goldene Kalb.“ Immer mehr und mehr: Dies erhöhe den Druck, alles „auf Teufel komm raus zu fliegen“ – und somit auch das Unfallrisiko, meint Zobel. Er forderte: „Wir sollten uns wieder mehr auf die Qualität zurückbesinnen.“

Von wegen zurückbesinnen, meint Burkhard Schneider, Leiter der ADAC-Luftrettungsstation an der Unfallklinik Murnau: „Wir betreiben anspruchvollste Fliegerei und wollen nicht auf Teufel komm raus fliegen, wenn die Sicherheit dadurch gefährdet ist“, erklärt er im Tagblatt-Gespräch. Diese sei beim ADAC ein „ganz wichtiger Faktor. Wir sind ein Unternehmen mit einer Super-Sicherheits-Statistik.“

Pilot Schneider verweist auf „über 1000 Windeneinsätze“, die Christoph Murnau bislang unfallfrei bewältigt habe; damit rangiere er in den europäischen Alpengebieten in der Spitzengruppe. Zahlen verdeutlichten dabei die Erfahrung, die die Crew besitze.

Mediziner Zobel nahm auch den Eindruck von Gebirgsluftrettungen, der in den Medien erweckt wird, kritisch unter die Lupe. Durch regelmäßige Berichterstattung in den Zeitungen und im Fernsehen „über heldenhafte Rettungen in extremsten Situationen“ (...) werde der Öffentlichkeit ein Bild vermittelt, dass „jeder Risikosportler bei hoher Lawinengefahr sicher aus seiner ausweglosen Lage gerettet wird, jeder Bergsteiger aus seiner durch Leichtsinn selbst verschuldeten Situation befreit wird“. Zobel sprach sich dafür aus, in der Zusammenarbeit mit den Medien einen „anderen Weg“ einzuschlagen. Nach seiner Auffassung sollte vielmehr darauf hingewiesen werden, dass beispielsweise eine Bergung wegen des hohen Risikos für die Rettungsmannschaften abgebrochen worden sei und „ein erneuter Versuch nach Abschätzung der Gefahrenlage geplant“ werde. Dies reduziere auch das Unfallrisiko.

Schneider indes kann sich nicht vorstellen, dass die Art und Weise, wie Rettungen speziell von Christoph Murnau in den Medien dargestellt werden, zu Leichtsinn verführen. „Ich habe nicht den Eindruck, dass die Leute deshalb ein besonderes Risiko eingehen.

Generell herrsche ein gutes Miteinander bei der Gebirgsluftrettung, betont der leitende Murnauer Hubschrauberarzt Dr. Thomas van Boemmel, der von einer „Erfolgsgeschichte“ spricht.

zurück zur Übersicht: Nachrichten

  • BlinkList
  • del.icio.us
  • Folkd
  • Furl
  • Google
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • oneview
  • Yahoo MyWeb
  • YiGG
  • Webnews
Diese Seite bookmarken bei...
Schliessen

Artikel empfehlen!

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Kommentar schreiben

Letzter Kommentar zu diesem Artikel:

Keine Kommentare vorhanden.

Kommentar verfassen

Community

Schreiben Sie zum Beitrag Ihre Meinung oder laden Sie Bilder und Videos zu ihrem Profil hoch. In unserer Community lernen sie sicher auch neue Freunde kennen.

Registrieren / Login

Schnelles Ende in der Verlängerung

Eishockey aktuell

Dresden - Der SC Riessersee braucht in Dresden zu lange, um auf Touren zu kommen. Die Garmisch-Partenkirchner verlieren in der Verlängerung 3:4.

Aktuelle Fotostrecken

weitere Fotostrecken:
Brand in Grafenaschauer Wohnhaus
Pro und Contra zur Aussichtsplattform an Alpspitze
Pro und Contra zur Aussichtsplattform an Alpspitze

Die neue Aussichtsplattform an der Alpspitze ist in der Region und bei den Bergfreunden heftig umstritten. Lesen Sie hier alle Berichte zum Thema aus den letzten Wochen und Monaten.mehr...

Bestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.

Kleine Lokal Map

Aktuelle Videos

Zehnkampf Gap

Kontakt

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt

Alpspitzstraße 5a

82467 Garmisch-Partenkirchen

Tel: 08821 / 757 - 17

Fax: 08821 / 757 - 26

gap-tagblatt@merkur-online.de

Murnauer Tagblatt

Murnauer Tagblatt

Schlossbergstraße 12a

82418 Murnau am Staffelsee

Tel: 08841 / 61 04 - 12

Fax: 08841 / 61 04 -23

mur-tagblatt@merkur-online.de

Meist gelesene Artikel

  • Heute
  • Letzte Woche
  • Letzter Monat
Herzlos zurückgelassen: Tierschützer retten verwahrloste Nager

Garmisch-Partenkirchen - Eine Familie hat bei ihrem Auszug einfach zwei Käfige in der Wohnung stehen lassen. Tierschützer fanden das Zwergkaninchen und ein Meerschweinchen.Mehr...

Olympia 2018: Journalisten sollen auf drei Orte verteilt werden

Garmisch-Partenkirchen - Das Mediendorf auf den Feldern an der St.-Martin-Straße ist für Garmisch-Partenkirchens Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) gestorben.Mehr...

Es wird alle Grundstücks-Eigentümer treffen: Wer in Garmisch-Partenkirchen eine Immobilie besitzt, soll künftig eine höhere Grundsteuer überweisen. Foto: ADAC
Grundstücksbesitzer sollen mehr zahlen

Garmisch-Partenkirchen - Der Markt Garmisch-Partenkirchen plant Steuererhöhungen: Der Haushaltsentwurf 2010 sieht vor, die Grundsteuer B von 360 auf 410 Punkte zu erhöhen.Mehr...

Olympia 2018: Journalisten sollen auf drei Orte verteilt werden

Garmisch-Partenkirchen - Das Mediendorf auf den Feldern an der St.-Martin-Straße ist für Garmisch-Partenkirchens Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) gestorben.Mehr...

Olympia 2018: Alternative Standorte

Garmisch-Partenkirchen - Neun Verbände und Vereine haben ihre Alternativen für das kleine olympische Dorf und das Medienzentrum vorgestellt.Mehr...

AktuellesLokalesSportCommunityFreizeitServiceAnzeigenZeitung

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de