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Kampf um die Eisbach-Welle

München - Münchens Surfer wollen die Eisbach-Welle retten. Sie machen mobil gegen die Schlösser- und Seenverwaltung und die Stadt, die den Surfbetrieb am Eisbach aus Sicherheitsgründen einstellen wollen. Tausende Sympathisanten unterstützen die Surfer bereits mit Unterschriften.

Mehr als 6200 Unterschriften haben die Surfer bereits gesammelt. Täglich werden es mehr. Seitdem bekannt wurde, dass die Schlösser- und Seenverwaltung sowie der Stadt München die Eisbach-Welle glätten und damit den Surfbetrieb einstellen wollen, gelingt es der Surfgemeinde, immer mehr Sympathisanten zu gewinnen. Notfalls wollen sie ein Bürgerbegehren starten.

Viele Bürger aus München und Umgebung, aber auch Amerikaner, Italiener, Franzosen und Skandinavier haben sich unter www.rettet-die-eisbachwelle.de online eingetragen. "Die vielen Unterschriften zeigen, dass wir kein Randgruppen-Phänomen und auch keine Verrückten sind, die die Welle am Eisbach erhalten wollen", sagt Petra Offermanns, die Initiatorin der Web-Seite.

Überall auf der Welt werde sie auf die Welle mitten in der Stadt angesprochen. Und in München hätten sich selbst Rentner bei ihr gemeldet, die auf ihren Spaziergängen gern den Surfern zuschauten und nun bedauerten, dass dies ein Ende haben soll.

Bisher werden die Surfer, trotz eines bestehenden Badeverbots am Eisbach, seit Jahren geduldet. Wer jedoch im Falle eines Unfalls haftet, ist bisher noch ungeklärt. Als 2003 ein Kind im Eisbach ertrank, überprüfte die Staatsanwaltschaft, ob Thomas Köster, der Verwaltungschef des Englischen Gartens und Vertreter des Eigentümers, des Freistaats Bayerns, persönlich haftbar ist. "Das Verfahren wurde damals zwar eingestellt", erklärt Ines Holzmüller, Pressesprecherin der Schlösser- und Seenverwaltung, ein Freibrief sei das jedoch nicht. Zumal weitere Badeunfälle folgten: Im Februar 2007 ertrank ein Münchner Doktorand, dessen Leiche erst Wochen später im Eisbach gefunden wurde. Und im Juli kam ein 27-jähriger Australier beim Baden ums Leben. Verwaltungschef Köster will nun erreichen, dass die ausstehende Haftungsfrage geklärt wird. "Das Baden im Eisbach ist lebensgefährlich", sagt Holzmüller, "und wir können nicht das Baden verbieten und das Surfen erlauben."

Petra Offermann, selbst passionierte Hobby-Surferin, kann das Argument nicht nachvollziehen. Durch den Neoprenanzug seien Surfer viel besser geschützt als Badende. "Und bisher ist auch noch kein Surfer im Eisbach ertrunken." Offermann schlägt eine Beschilderung an der Prinzregentenstraße vor, die das Baden im Eisbach nach wie vor verbietet, das Surfen jedoch auf eigene Gefahr hin erlaubt.

Ob damit jedoch die Situation legalisiert ist, bleibt fraglich. Wolfgang Püschel, Vorsitzender des Bezirksausschusses Altstadt-Lehel schlägt aus diesem Grund einen Musterprozess vor. "Eine Grundsatzentscheidung ist besser, als in einem vorauseilenden Gehorsam und mit der Schere im Kopf nun alles zu verbieten." Die Welle solle als Touristenattraktion erhalten bleiben. Alles zu reglementieren lehnt Püschel ab: "Sicherheit gibt es schließlich nur, wenn man den gesamten Eisbach einzäunt."

Anfang November wollen sich Surfer, Bau- und Umweltreferat der Stadt München und Verantwortliche der Schlösser- und Seenverwaltung zusammensetzen, um eine Lösung zu suchen. Bis dahin werden wohl noch einige Unterschriften hinzugekommen sein.

Andrea Lacher

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