Superbanner

Das Leben vieler Häftlinge gerettet

Das Leben vieler Häftlinge gerettet

- VON ANDREAS SEILER Riedhausen - Rund 60 Jahre ist es her, dass auf der Halbinsel Burg in Seehausen KZ-Häftlinge für den Betrieb "Feinmechanische Werkstätten Ing. G. Tipecska VDI" arbeiten mussten. Die Firmengeschichte in jener Zeit intensiver aufarbeiten wollen jetzt Geza (38) und Christian Tipecska (32), die heutigen Geschäftsführer und Enkelkinder des Firmengründers. Dazu sollen alte Schriftstücke wie Briefe, Pläne und Listen ausgewertet werden. Ihr Großvater, Geza Tipecska (1882-1958), sei kein Handlanger der Nazis gewesen, betonen sie. Im Gegenteil: Er habe sich für die Gefangenen eingesetzt und manchen sogar das Leben gerettet.<BR>

<P>Wie bereits berichtet, sorgte im Oktober eine wissenschaftliche Arbeit der Uffingerin Barbara Hutzelmann für Aufsehen. Die Historikerin beschreibt darin erstmals ausführlich das Seehauser Außenlager des Konzentrationslagers Dachau. Grund für den Bau des Komplexes im Jahre 1943/44 war die Verlagerung der Firma Tipecska von München an den Staffelsee. Es habe sich um eine "Zwangsumsiedlung" gehandelt, betonen die Brüder Geza und Christian Tipecska. Das Unternehmen, das Prüfgeräte für die Getriebeproduktion herstellte, sei als "kriegswichtig" eingestuft worden. Bei Widerstand hätte die Enteignung gedroht.<P>Da die meisten Facharbeiter als Soldaten im Krieg kämpften, seien dem Unternehmen die Häftlinge zugeteilt worden. Für diese habe ihr Großvater einen sogenannten "Lohnersatz" an das KZ Dachau zahlen müssen, berichten die Manager. Das Lager mit den Baracken auf der Halbinsel wurde um eine große Produktionshalle herumgebaut. Das größte "Arbeitskommando" mit zum Teil 26 Mann war der Firma Tipecska zugeteilt. Neben den Prüfmaschinen wurden auch Teile für eine "Geheimwaffe" hergestellt, bei der es sich um ein elektrisches Flugabwehrgeschütz handelte.<P>"Unser Großvater hat sich immer dafür eingesetzt, dass die Häftlinge ordentlich behandelt werden und nicht zu Schaden kommen", erklärt Christian Tipecska. Nachweislich habe er zusätzliche Verpflegung besorgt und aus eigener Tasche den Aufenthalt von Gefangenen im Murnauer Krankenhaus bezahlt. Kurz vor Ende des Krieges habe er sogar die Lagerinsassen mit Waffen ausgestattet, damit sich diese gegen ein mögliches "Todeskommando" der SS hätten wehren können. Dies war glücklicherweise nicht mehr nötig.<P>Als sich nach dem Krieg Geza Tipecska vor einem US-amerikanischen Gericht wegen des Lagers und seiner Firma rechtfertigen musste, wurde er von ehemaligen Häftlingen unterstützt. Diese bestätigten in eidesstattlichen Erklärungen das korrekte Verhalten ihres früheren "Chefs". So schreibt beispielsweise der Münchner Eduard Sichler: "Über Herrn Tipecska kann ich in Bezug auf Behandlung und Arbeitsweise gegenüber den Gefangenen nur das Beste aussagen." Tipecska konnte die Maschinenbau-Firma wieder aufbauen und Mitte der 1950er Jahre das heutige Betriebsgelände in Riedhausen beziehen.<P>Familie muss keine<P>Schuld auf sich nehmen<P><P>Ihre Familie müsse keine Schuld auf sich nehmen, resümieren die Tipecska-Brüder. "Unser Großvater war ein stiller Helfer der Leidenden in der Region." Die Unternehmer sind sich einig: Man wolle nicht vergessen, sondern die Geschehnisse von damals sachlich darstellen. Material für eine Dokumentation gibt es reichlich, etliche Ordner mit alten Schriftstücken stehen für die Recherche zur Verfügung. Auch will der Traditionsbetrieb die angedachten Pläne der Kommune unterstützen, eine Gedenktafel über das Außenlager aufzustellen oder eine andere Form der Erinnerung zu schaffen.<P>

zurück zur Übersicht: Nachrichten

Kommentare

Bestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.

Regionenkarte merkur-onlineFreisingErdingDachauMünchen-NordMünchen StadtMünchen-SüdEbersbergFürstenfeldbruckWürmtalStarnbergWolfratshausenMiesbachWeilheimBad TölzSchongauGarmisch-Partenkirchen

Wetter für München und Bayern

Tiere suchen ein Zuhause

Ebersberg - Die "weinende" Piri sucht ein Zuhause

Die "weinende" Piri sucht ein Zuhause

Ebersberg - Dem Tierschutzverein Ebersberg gehen die Katzen nicht aus: Heute wird ein Platz für eine Kätzin gesucht, die weint.Mehr...

München: Das Tierheim bekommt ein neues Miezen-Paradies

Tierheim bekommt neues Miezen-Paradies

München - Bella, Muschi und Carlo können aufatmen: Die beengten Jahre sind vorbei! Statt einer dunklen Wohnungen im Untergeschoss bekommen sie 2200 Quadratmeter, 40 Zimmer, Küche, Katzenklo – und 20 Balkone.Mehr...

Ebersberg - Cindy aus dem Schacht

Cindy aus dem Schacht

Landkreis Ebersberg - „Schon seit einigen Wochen wartet die ungefähr zweijährige Tigerkätzin Cindy beim Tierschutzverein Ebersberg auf ihre Besitzer. Erfolglos“, berichtet Irmgard Passauer. „Jetzt wird es Zeit, für diese Katzendame ein neues Zuhause zu suchen.“Mehr...

Meist gelesene Artikel

  • Gelesen
  • Kommentiert
  • Themen

S-Bahn prallt mit Wohnmobil zusammen

Grafing - Aufs Gaspedal drücken und hoffen: Das war wohl der Gedanke eines Wohnmobilfahrers (56), als er gegen 17.30 Uhr von links den Zug kommen sah. Einen Wimpernschlag später prallte die S-Bahn gegen das Heck des Wohnmobils.Mehr...

Unfall: Mutter von Profigolferin stirbt

Petershausen/Gut Häusern - Die Eltern der britischen Profi-Golfspielerin Melissa Reid sind am Dienstag zwischen Ebersbach und Peterhausen verunglückt. Die Mutter (62) ist in der Nacht zum Donnerstag gestorben.Mehr...

Stoiber-Tochter ohne Dr.

Wolfratshausen/Freiburg – Veronica Saß, Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, wird wohl auch künftig ohne den „Dr.“ vor ihrem Namen auskommen müssen.Mehr...

Abistreich gestrichen: Schule droht mit Konsequenzen

Dachau - Am Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium wird es keinen Abistreich geben. Die Schulleitung hat ihn unter Androhung von Strafe verboten - mit folgender Begründung:Mehr...

Kein Abistreich: Widerstand im Internet

Dachau - Die Abiturienten am Ignaz-Taschner-Gymnasium dürfen keinen Abistreich veranstalten. Nun regt sich Widerstand im Internet. Auf Facebook hat sich bereits eine Gruppe formiert, die Alternativen auslotet - mit wachsendem Zuspruch.Mehr...

Dieses Luftbild vom vergangenen Sommer zeigt die wachsende Lechvorstadt mit dem derzeit leerstehenden alten Forstamt in zentraler Lage (roter Kreis). foto: bse-pictures

Asylbewerber ins Forstamt? Gerbl schon seit Januar über Pläne informiert

Schongau - Schongaus Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl (SPD) gab zu, bereits seit Januar von dem Plan der Regierung von Oberbayern zu wissen, eventuell das Forstamt für Asylbewerber zu nutzen.Mehr...

Der Münchner Merkur auf dem iPad

Der Münchner Merkur auf dem iPad

München - Den Münchner Merkur und seine Heimatzeitungen lesen wann und wo Sie wollen - das bietet die neue Merkur-App für das iPad. Was die digitale Zeitung alles kann und wie Sie an die App rankommen, erfahren Sie hier:Mehr...

Memo Spiel

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper