- Minister Schnappauf setzt auf Firmen und Umwelt-Trainingscamps
VON CHRISTIAN MINATY München - Kaum sind die hitzigen Wortgefechte auf dem UN-Weltgipfel im südafrikanischen Johannesburg verklungen, zog auch der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf als Mitglied der deutschen Delegation ein Fazit der globalen Konferenz. Dabei waren sich er, Landtags-Opposition und Umweltschützer einig, dass der Klimaschutz forciert werden muss. Über das Wie gehen die Meinungen aber auch nach dem UN-Gipfel weit auseinander.
Schnappauf zeigte sich enttäuscht: "Die Gipfel-Ergebnisse sind mager", sagte er in München. Nur bei der Kanalisation oder Abwasser-Reinigung seien Fortschritte erzielt worden. Dagegen zeigte sich der Minister vom bayerischen Weg überzeugt. "Ich wurde früher immer belächelt, wenn ich über Nachhaltigkeit gesprochen habe." Genau dies sei nun aber in Johannesburg zentrales Thema gewesen.
Um auch andere Länder vom bayerischen Umweltschutz profitieren zu lassen, kündigte Schnappauf Trainigs-Camps in Umweltbildungsstätten wie im schwäbischen Lauingen an. Dahin sind südafrikanische Gipfelteilnehmer zur Fortbildung eingeladen worden.
Vordringliche Ziele im Freistaat seien beispielweise die Reduzierung von CO2 um zehn Millionen Tonnen bis 2010 und eine Verdopplung der Biotope. Beispiel sei die Renaturierung des Spatenbräufilz nahe Bad Tölz (wir berichteten). "Die Moore saugen wie ein Schwamm das Hochwasser auf." Dem Verbauen grüner Wiesen soll mit dem geplanten Flächenverbrauchs-Management entgegengewirkt werden. "Wir liegen an der Spitze im Zuwachs beim Flächenverbrauch", räumte Schnappauf ein.
Die Bayern-SPD überzeugten Schnappaufs Äußerungen wenig. "Er glaubt, die Wirtschaft vor dem Umweltschutz schützen zu müssen", kritisierte die SPD-Fraktionschefin im Landtag, Susann Biedefeld. Auch das Bündnis gegen Flächenverbrauch gefiel den Sozialdemokraten nicht. "Das ist eine Mogelpackung und wie alle anderen Pakte unverbindlich", führte Biedefeld aus.
Der Bund Naturschutz monierte: "Es wird Zeit für ein bayerisches Engagement im Klimaschutz, das auf erneuerbare Energien statt auf neue Atomkraftwerke setzt", kritisierte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger. Schnappaufs Äußerung, Bayern sei mit einem CO2-Ausstoß pro Kopf von sieben Tonnen deutscher "Spitzenreiter", sei "abenteuerlich, da sie von der massiven Abhängigkeit von Atomstrom abhängt", so Weiger weiter.
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