- VON DIRK WALTER Altötting - Es klingt etwas makaber: 27 Urnen mit den Herzen bayerischer Fürsten und Könige sind in der Gnadenkapelle von Altötting beigesetzt, darunter auch, in einer 65 Zentimeter hohen neubarocken Urne mit einer Herzkapsel aus Zinn, das Herz Ludwig II.<BR>
Tatsächlich war der Märchenkönig "ein grundsätzlich treuer Sohn der Kirche", wie es im Biographisch-bibliographischen Kirchenlexikon heißt. Bekannt ist sein Ausspruch 1875 gegenüber dem päpstlichen Nuntius in München: "Ich bin katholisch und aufrichtig dem Heiligen Vater verbunden." Die Behauptung, dass Ludwig sein Herz an Altötting verloren hat, ist dennoch wohl etwas übertrieben. Da mag wohl die homoerotische und generell schwärmerische Veranlagung des Königs seine Bindung an die Kirche gelockert haben.<P>So sind auch regelrechte Altötting-Wallfahrten von Ludwig nicht bekannt. Das war eher die Sitte seiner Vorfahren, "die große Marien-Verehrer waren", wie der ehemalige Chefredakteur des Altöttinger Liebfrauenboten, Peter Becker, zu berichten weiß. Die Könige "vermachten ihr bestes Stück - eben ihr Herz - der Mutter Gottes", erläutert er. Etwa Maximilian I. (1573 -1651), der die Herzurnen-Tradition in Altötting begründete, und der sogar einen demütigen Brief, mit eigenem Blut geschrieben, in einer Schublade beim Maria-Gnadenbild hinterließ. Oder Karl VII. (1697-1745), dem das größte Herzmonument in Altötting gewidmet ist. Oder auch Max III. Josef (1727-1777), der als Kind schwer krank war und für dessen Genesung seine Eltern eine 40 Pfund schwere Kinds-Figur aus Silber für die Gnadenkapelle stifteten.<P>Der Tradition beugte sich zuletzt der 1955 verstorbene Kronprinz Rupprecht. Erst beim Tod seines Nachfolgers Herzog Albrecht (Vater des heutigen Herzogs Franz) im Jahr 1996 vollzog das Haus Wittelsbach stillschweigend eine Abkehr von der Tradition. "In der heutigen Zeit hätte eine Herzurnen-Bestattung auch etwas komisch gewirkt", sagt Stefan Jetz vom Verband der Königstreuen in Altötting.<P>Ob nun Marien-gläubig oder nicht, im Sinne seiner Vor- und Nachfahren handelte auch Ludwig II. Am 16. August 1886 wurde sein Herz vom Ostbahnhof per Sonderzug zum Bahnhof Neuötting gefahren, der Katafalk sodann mit einem Achtspänner nach Altötting überführt. Dort ist Ludwigs Herzurne bis heute zu sehen - und vielleicht wird auch der Papst, der Altötting und die Gnadenkapelle im September besuchen wird, einen kurzen Blick darauf werfen.<P>Nächste Folge: Das letzte Traumschloss<P>
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