Politik rückt vom Südring ab

Politik rückt vom Südring ab

231.03.09|München|1 KommentarFacebook
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München - Die Signale für die zweite Stammstrecke der S-Bahn stehen günstig. Bei den Grünen ist ein Votum für den alternativen Südring nicht mehr sicher. Und auch in der CSU gewinnt die Überlegung an Boden, dass ein Scheitern des zweiten Tunnels jede Verbesserung der Situation auf lange Sicht verbauen würde.

© Schlaf

Stammstrecke eins braucht Entlastung: Die Alternative mit dem größten Nutzen sei nicht der Südring, sondern die zweite Röhre durch die Innenstadt, sagen Fachleute.

SPD-Fraktionschef Alexander Reissl sieht inzwischen „starke Befürworter der zweiten Stammstrecke“ beim grünen Koalitionspartner. „Es gibt nach wie vor divergierende Meinungen“, berichtet auch der Sprecher der Ratsfraktion, Markus Viellvoye. Ursprünglich neigten die Grünen weit mehr dem Südring zu, den vor allem ihr Landtagsabgeordneter Martin Runge als die einzig wahre Variante preist.

Bei der CSU – und nicht nur dort – haben die Fakten des Stadtrats-Hearings in der vergangenen Woche starke Eindrücke hinterlassen. So war aus diesem Kreis zu hören, dass die Verbesserung des S-Bahn-Systems total auf der Strecke bliebe, wenn sich die Stadt gegen die zweite Stammstrecke sperren sollte. Gestern vertagte sich die Rathaus-CSU mit ihrer Entscheidung bis nach Ostern.

Ein Votum der Stadt gegen die zweite Stammstrecke würde einen doppelten Stillstand erzeugen. Zum ersten würden die Geldgeber von Bund, Freistaat und Bahn keine Variante finanzieren, die von der von ihnen favorisierten Stammstrecke abweicht. Nur die zweite Röhre erfülle das wichtigste Kriterium: Sie zieht die meisten Fahrgäste an und brächte mit Stationen am Hauptbahnhof und am Marienhof echte Entlastung.

Punkt zwei: Auch für den Neubau des Hauptbahnhofs ist die zweite Stammstrecke von größter Bedeutung. Der zweite S-Bahn-Tunnel soll mit dem Hauptbahnhof verknüpft werden. Die Station im Untergrund ist Teil des großen Bahnhofs-Projekts. So bedingen sich beide Vorhaben gegenseitig. Der bayerische Bahn-Chef Klaus-Dieter Josel hat bereits angekündigt, das Hauptbahnhof-Projekt stehe „kurz vor dem Abschluss“. Durch eine Abkehr von der zweiten Stammstrecke könnte dies zu einer Hängepartie werden.

Bei der CSU sagt Hans Podiuk: „Es wird höchste Zeit, dass der Hauptbahnhof attraktiver wird.“ Das unterstreicht auch das Planungsreferat: „Es laufen ständig Gespräche, um auf allen Ebenen Schritt für Schritt weiterzukommen.“ Sprecher Michael Hardi erklärte weiter: „Nach der Sommerpause werden beide Entscheidungen fallen.“ Die Bahn-Manager ringen mit dem Planungsreferat um Einsparungen beim künftigen Hauptbahnhof-Bau. Bei der S-Bahn geht es darum, Zweifler am Tunnel-Konzept zu bekehren.

Der neue bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) hat bereits unterstrichen, dass ihm sehr an einer zweiten Stammstrecke gelegen sei. Mit ihr entscheide sich auch die Qualität des künftigen Nahverkehrs.

Von Eberhard Geiger

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