- München - Christian Stückl wusste haargenau, dass die Kritiker und sein Theaterpublikum dieses Mal sehr genau hinschauen würden - bei jenem Stück, das seit 1975 über 900-mal in München aufgeführt wurde, mit dem großen Toni Berger als Boandlkramer. Könnte es eine Neuinszenierung dieses bayerischen Kultstoffs von Autor Kurt Wilhelm nur in etwa mit der Urfassung aufnehmen? Sie kann. Und wie.<BR>
Stückls Ensemble zaubert ein drei-stündiges Feuerwerk aus dem alten löchrigen Hut des neuen Boandlkramer (und Riederinger Musikant) Maximilian Brückner, der wie ein Irrwisch, wie Rumpelstilzchen, über die Bühne wirbelt. In Mimik, Gestik und Rollenverständnis - einfach grandios. Der Star eines höchst unterhaltsamen Abends. Hinter ihm brauchen sich die weiteren Mimen dieses Volks-Epos wahrlich nicht zu verstecken: Stückl treibt sie zu Höchstleistung an. Und wieder, wie schon bei der "Geierwally" und dem "Räuber Kneißl", dieses Mal noch dominanter, verleihen die Jungen Riederinger Musikanten der Inszenierung eine unverwechselbare Note aus Klamauk, Gaudi und Witz. Ob als Treiber, Bauern oder Engel in Lederhosen - sie spielen sich mit ihren Blasinstrumenten in einen Rausch.<P>Nahtlos in die hervorragenden schauspielerischen Leistungen der Truppe fügt sich erneut eine Ammergau-Fraktion ein: Einmal Ursula Burkhart als geifernde Bäuerin Theres und dann - was für ein Anblick - der polternde fluchende Hubert Schmid als Erzengel Michael mit wallendem Haar und flauschigen Flügeln. Nicht zu vergessen die Brandner-Enkelin Marei, treffend und überzeugend umgesetzt von Kathrin von Steinburg, anno 1977 geboren in Oberammergau.<P>Bühnenbild (Gaststube, Waldlichtung, Himmels-Vorhof), Kostüme und Musik (Mitarbeit: Markus Zwink) runden die absolut sehenswerte Inszenierung ab. Selbst "Brandner"-Autor Kurt Wilhelm schwärmte nach der Premiere: "Die können das fünf Jahre spielen, mindestens." Es muss ja nicht gleich wieder 30 Jahre sein.<P>Ludwig Hutter<P>Info<P>Spieltage: 25./26./27. April, jeweils 19.30 Uhr; Karten: Telefon 089/523 46 55, oder Online www.muenchner-volkstheater.de<P>
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