Die Schwabener Friedensgespräche

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615.11.09|EbersbergFacebook
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Markt Schwaben - Das Pulverfass dieser Welt steht im Nahen Osten. Seit Jahrtausenden gibt es im Heiligen Land und drumherum keinen echten Frieden. Aber es gibt dennoch Chancen.

Überraschend gut besucht war der Bürgersaal Unterbräu bei dem Dialog zwischen Rita Süssmuth und Mitri Raheb am vergangenen Freitag. Foto: dz

Überraschend gut besucht war der Bürgersaal Unterbräu bei dem Dialog zwischen Rita Süssmuth und Mitri Raheb am vergangenen Freitag. Foto: dz

„Der Frieden ist das Wichtigste auf der Welt. Wir alle haben Sehnsucht danach, doch tun so viel, dass wir ihn immer wieder vertreiben“. Ein Satz von Bernhard Winter bei der Begrüßung von gut 250 Besuchern. Sie alle sind gekommen zu den Sonntagsbegegnungen, die aus Termingründen diesmal ausnahmsweise freitags stattfinden.

Im Bürgersaal Unterbräu entwickelt sich auch diesmal ein mit viel Spannung verfolgtes Gespräch zweier Menschen, die jeder für sich viel für den Frieden im Großen und Kleinen getan haben und die eines eint: Den Mut zu unbequemen Meinungen und die Kraft, auch Rückschläge immer wieder wegzustecken und nie aufzugeben im Bemühen, die Welt jeden Tag ein Stück besser zu machen.

Rückschläge hat Mitri Raheb, der evangelische Pfarrer von Bethlehem, oft genug erlebt. Hat mit ansehen müssen, wie über viele Jahre mühsam geschaffene Infrastruktur in seiner Heimat mit militärischen Mitteln in Stunden zunichte gemacht wurde. Auf die Frage eines US-Journalisten nach dem Gefühl von Zorn hatte Raheb einmal gesagt: „Jedesmal, wenn ich zornig bin, beginne ich ein neues Projekt.“

Mit Blick auf den Nahen Osten eine bewundernswerte Form des Optimismus, wie Bundestagspräsidentin i. R. Rita Süssmuth anerkennt. Die vielen politischen Rückschläge, so bekennt die CDU-Spitzenpolitikerin, hatte sie schon dazu gebracht, sich innerlich von dieser Region zu verabschieden. „Ich habe eine Zeitlang diesen Konflikt nicht mehr ertragen“, so die frühere OECD-Funktionärin. Vieles, was schon einmal da gewesen sei an guten Ansätzen, sei immer wieder kaputt gemacht worden, bemerkt sie. Und fügt an: Derzeit sei der Friede im Heiligen Land so weit weg wie schon lange nicht mehr.

Raheb kommt zu einer ähnlichen Einschätzung. In Markt Schwaben stellt der Geistliche fünf Thesen auf, die die Situation gut beschreiben. Im Nahen Osten gebe es zu viele Friedensprozesse und zu wenig Frieden, sagt er.

These 2: Im Nahen Osten ist man zu sehr der Vergangenheit zugewandt.

These 3: Im Nahen Osten wird zu viel Politik gemacht. Es vergehe keine Woche, in der nicht ein Staatsmann zu Gast sei. Raheb spricht von politischen Pilgergruppen. Lebensqualität der kleinen Leute.

Rita Süssmuth ergänzt, dass im Konflikt Israel-Palästina aus ihrer Sicht zu viel Ersatzpolitik betrieben werde, aber nicht wirkliche Politik. Raheb spricht in Markt Schwaben sogar von einer Allergie gegen vertrauensbildende Maßnahmen; und stellt die Frage: „Wie wollen Sie Vertrauen bilden, ohne sich über ein gemeinsames Ziel zu einigen.“

These 4: Der Nahe Osten hat zu viel mit Religion zu tun. Vor lauter Religion gäben die Menschen auf, den Geist anzustrengen, so der palästinensische Christ.

Und These 5: Im Nahen Osten gibt es zu viel humanitäre Hilfe, aber zu wenig Entwicklung. Raheb verbindet mit dieser Bemerkung eine klare Kritik an der Nahost-Politik Deutschlands und besonders Angela Merkels. Sie verfahre nach dem Prinzip: Sicherheit für Israel, humanitäre Hilfe für Palästina. Das festige jedoch nicht den Frieden, sondern untermauere allenfalls ein Ungleichgewicht zwischen den verfeindeten Gruppierungen.

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